Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 42-43 (16.10.1919)
- Date
- 1919-10-16
- Page
- Seite 1343-1344 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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1343 VOLK UND LAND « 1344 =jiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMii[iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii[iiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiir,iiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiuiuiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiuiiiiitg f AUS POLITIK, WIRTSCHAFT UND PALAESTINA ARBEIT =— || riliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiwiiiiiiiiiwmwilinß POLITISCH ES Stuart Samuel in Warschau Der „Jüdischen Preßzentrale Zürich'* wird aus Warschau berichtet: Nachdem Morgenthau mit seiner Kommission Mitte September Polen verlassen hat, ist am 18. Sept. unauffällig Stuart Samuel in Warschau eingetroffen. In Paris hatte er vor seiner Abreise längere Besprechungen mit Roman Dmowski und Paderewski. Er äußerte sich jüdischen Presse-Vertretern gegenüber, daß Paderewski sich der Judenfrage gegenüber anscheinend wohlwollend verhalte und auch nicht wünsche, daß die litauischen Juden zur Auswanderung aus Polen gezwungen werden. Dagegen habe Dmowski eiklärt, daß er diese Auswanderung wünsche. Samuel wies Dmowski gegenüber darauf hin,, daß diese Juden bei einer Auswanderung auch ihr Kapital mitnehmen würden, was von unberechenbaren Folgen für Polen begleitet sein könnte. Dmowski blieb hierauf die Antwort schuldig. Auf die Vorwürfe Dmowskis wegen der seinerzeitigen Duma-Wahlen habe er erklärt, daß die Juden vollkommen Recht hatten; sie wollten und konnten keinen Antisemiten wählen, auch wenn es Dmowski ist. Samuel glaubt, daß sich die jüdischpolnischen Beziehungen allmählich bessern werden, was im Interesse des polnischen Staates selbst liegt, lieber die Realisierungsmöglichkeiten des zionistischen Ideals und den jetzigen Stand der Verhandlungen in Paris verweigerte Samuel die Antwort und drückte nur die Hoffnung aus, daß die jüdischen Erwartungen in Erfüllung gehen werden. Er betonte auch, daß er selbst englisches Mitglied der jüdischen Delegation am Friedenskongreß war und sich lebhaft für die Erlangung des Minoritäten-Schutzes in Polen eingesetzt hat. Im Gegensatz zu Morgenthau werde er sich hauptsächlich mit der Untersuchung der bekannten Vorfälle beschäftigen und ein Büro einrichten, wo alle Klager* vorgebracht werden sollen. Sofort nach seiner Ankunft war , er beim Vertreter dies Außen-Ministers, Graf Skrynski, I der ihm versprach, eine Veröffentlichung zu erlassen, j wonach die polnische Regierung nicht nur nichts da-! gegen habe, daß die Juden in das zu eröffnende Büro! kommen und alles berichten mögen, sondern daß es ' der Wunsch der polnischen Regierung sei, daß die Juden j alles erzählen mögen, um die Wahrheit festzustellen. j Zum Schluß erwähnte Samuel noch, daß er ein frommer Jude sei und im Gegensatz zu anderen (damit soll wohl Morgenthaus Gespräch mit Niemojeu'ski gemeint sein) wohl wisse, was der „Schulchan Arnch‘* sei. Als Jude fühlt sein Herz alles Leid und Pein der Juden mit und er wolle alles anwenden, um die Lage der Juden zu verbessern. Ein Interview Einem Interview, das Dr. Leon Reich, der Präsident des ostgalizischen jüdischen Nationalrats bei seiner Rückkehr aus Paris dem Vertreter der J. P. Z. gab, entnehmen wir folgendes: „Die Sache Palästinas scheint für uns insofern gesichert zu sein, als daß wir mit Bestimmtheit den endgültigen Beschluß der Friedenskonferenz erwarten, der Palästina unter die Obhut — höchstwahrscheinlich der britischen Regierung — zwecks Vorbereitung eines „nationalen Heims“ für das jüdische Volk stellen wird. Es wäre Täuschung zu übersehen, daß in Palästina selbst heute noch die Verhältnisse für uns und von unserem Standpunkt aus so manches zu wünschen übrig lassen. Allein es muß in Betracht gezogen werden, daß niemals in der Geschichte derartige Uebergänge reibungslos, ja sogar ohne schwere Konflikte möglich waren. Die Drangsalierungen und Einschränkungen, die hic und da seitens der englischen Verwaltungsorgane in Palästina den Juden gegenüber angewendet werden, sind blos auf die Verständnislosigkeit, vielleicht manchmal auch Willkür, jedoch nur lokaler Behörden, zurückzuführen. Deshalb sind sie auch lokaler Natur und somit auch vorübergehend. Die Zentral-Regierung in England meidet keine Gelegenheit, um ihren guten Willen in der Palästina-Sache, wie wir sie auffassen, zu beweisen. Sprechendes Beispiel dafür ist die letzte Weisung Ballours an die Administrativbehörden in Palästina. Die Verträge, welche die Rechte der Juden im Verhältnis zur Mandatar-Macht in Palästina regeln sollen, sind in ihren Einzelheiten noch nicht festgelegt. Allein, welche Bestimmungen immer und so viele auch von denen in den Verträgen enthalten sein werden, ist für jeden Staatenkenner eine bekannte Tatsache, daß die staatsrechtliche Raison die Möglichkeiten des realen Lebens, wie sie sich dann gestalten werden, in ihren kleinsten Details nicht voraussehen kann. Es ist deshalb vielleicht auch, anzunehmen, daß Anfangs immerhin Mißverständnisse Vorkommen dürften. Allein bei der Arbeitskraft und Ergebenheit an Palästina seitens der Juden einerseits, sowie dem guten Willen und der Aktivität der Mandatar-Macht andererseits, wird das Leben sicherlich stark genug sein, um die Barrieren, Hindernisse und Mißverständnisse zu beseitigen und die gegenseitigen Verhältnisse und Beziehungen, Rechte und Pflichten, zur beiderseitigen Zufriedenheit und vor allem zur Entwicklung des Landes selbst, zu regeln. Was die Emigration nach Palästina anbelangt, so ist es nicht zu leugnen, daß ungefähr alle Führer der Bewegung die an der obersten Spitze stehen, E randeis nicht ausgenommen, der erst jetzt von Palästina zurückgekehrt ist, darin einig sind, daß die Ueberstürzung in bezug auf die Emigration vorderhand ebenso für das Land als für die Irnimigranten-Gruppen, von Schaden wäre. T rotz dieses Standpunktes jedoch, glaube ich sagen zu dürfen, daß die Massen in ihremi Drangmach Palästina sich nicht eindämraen lassen sollen, da dieser Drang die beste Triebfeder der Verwirklichung des Zionismus b 1 e i b t. Ueberdies wird auch m. E. dieser Drang immerhin nicht wirkungslos an den Führern Vorbeigehen, indem das Volk die jetzt ausschließlich auf den Führern lastende Verantwortlichkeit auf seine eigene Schultern mit übernehmen, und auf diese Weise die Führer ermutigen wird, allen Schwierigkeiten uind Hindernissen zuin Trotz, die Immigration zu beschleunigen und großzügiger zu gestalten. Die „mohammedanische“ Hedschasbahn Besonderes Interesse verdient der Bericht des Mukatabs vom 30. Juli über die Hedschasbahn: „Es ist kein Zweifel“, schreibt das arabische Blatt, „daß die Hedschasbahn die größte in Syrien ist und daß, abgesehen von ihrem ökonomischen Nutzen, ihr religiös-sittlicher Einfluß von hoher Bedeutung ist, indem sie den Hedschas mit Syrien verbindet. Die türkische Regierung hat den Bau der Eisenbahn begonnen, um die Pilgerfahrten zum Grabe des Propheten in Mekka zu erleichtern. Nach siebenjähriger energischer