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Volk und Land · 1919-10-16 · Heft 42-43 (16.10.1919) · p. Seite 1341-1342

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 42-43 (16.10.1919)
Date
1919-10-16
Page
Seite 1341-1342 (sequence 19)
Language
German
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1341 VOLK UND LAND - ■ - -■ . - -== - - 1342 wohl das Land wie der jüdische Bauer und der jüdische! Arbeiter sind noch irn Werden begriffen. Alle diese Dinge verlangen reale Arbeit, und können nicht durch Worte aus dem Boden gestampft werden. Gerade im Uebergangsstadiunr werden wir unter schweren Bedin- | gungen zu kämpfen haben. Wir sind hier ein Staat j im Staate, ohne daß wir die Möglichkeit haben, die Preise für die Bodenprodukte festzusetzen, ohne daß wir den Markt beherrschen. ' Der genügsame Araber macht die Preise, und wir mit unsern anspruchsvolleren Lebensbedingungen können mit ihm nicht konkurrieren. Unsere Waffe ist unsere geistige Ueberlegenheit. Durch unsern Fleiß und diurch unsere überlegene technische Kultur, die war von Europa mitbringen, wird uns der Boden das vier- und fünffache des jetzigen gewähren, und darin liegt unsere Konkurrenzfähigkeit. Dazu sind wir auf neue Arbeitsmethoden angewiesen. Auf keinen Fall dürfen wir die arabischen Methoden nachahmen, die eben nur auf die Lebensbedürfnisse des Fel- lachen zugeschnitten sind. Bis jetzt waren wir gezwungen, in unserm Wirtschaftsprogramm viele Produktionszweige brachliegen zu lassen, was übrigens auch die deutschen Kolonisten taten. Für die Zukunft aber kann der Bauer z. B. keinesfalls vom Weizenbau leben. Die Wirtschaft muß durch neue Zweige ergänzt werden, soweit dies in unserer Macht liegt. Zwar wird dieser Vorgang viel Zeit erfordern. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß unsere bisherigen Arbeitsmethoden nicht der neuen großen Aufgabe gewachsen sind. Bis jetzt zeichnet sich unsere Kolonisation durch Systemlosigkeit aus. Wir erwarben uns zufällige, zerstreute Punkte aiuf verschiedenen Gebieten und nannten sie „strategische“ Stellungen. Ja manchmal schwärmten wir sogar, daß wir das Land mit einem Netz solcher „Stellungen“ bedecken wollten. Wir gleichen darin jenem Schützen, der dadurch ins Zentrum traf, daß er um seinen zufälligen Treffer einen Kreis zog. Unser Netz hat zwar viele Löcher, aber wenig Maschen. Außerdem haben! wir bei der Besiedlung dem Menschenmaterial zu wenig Beachtung geschenkt. Die Pioniergruppen betrachten wir nur als Waffe in unserer Hand, sie haben aber in unsern Augen keinen Selbstwert gehabt. Wir siedelten unfähige Menschen auf Boden an, der noch1 nicht bearbeitet worden war, und dieses System würde im Laufe der Zeit sicherlich zum Bankrott führen. Wir müssen mit diesem System aufhören. Solange wir uns im Schinedkengang vorwärtsbewegten, war unser Irrtum nicht sehr gefährlich. Schlimmstenfalls kamen die nicht palästinensischen Zionisten uns zu Hilfe und deckten die Fehlbeträge. Wollen wir nun aber eine großzügige Kolonisation anbahnen und eine weitverzweigte Wirtschaft errichten, so dürfen wir unser Geld nicht zur Deckung von Fehlbeträgen verausgaben. Unsere neue Kolonisation müssen wir so bauen, wie es Kulturvölker tun. Wir müssen uns vor allem der Bodenbeschaffenheit anpassen. Unser Land ist keine Ebene, sondern ein Hügelland. Sein Klima ist nicht einheitlich, sondern besteht aus Zonen, die voneinander grundverschieden sind. Manche sind besser für reine Landwirtschaft, manche für Plantagen, andere für Gemüse. Wenn wir ums diesen natürlichen Verschiedenheiten anpassen, so wird es uns gelingen, ein dauerhaftes System auszubauen. Wenn, wir aber diese Veri schiedemheiten nicht berücksichtigen werden, sondern wie bisher auf Plantagenboden Saaten ansetzen und umgekehrt, so untergraben wir selbst die Grundlage unserer Existenz. Bei der Einwanderung müssen wir uns vorsehen, nicht unvorbereitete Massen herüber zu bringen, die doch nach einigen, Jahren W'ieder zurückebben werden. Falls; wir tinser Land nicht von vornherein auf gesunder { Grundlage aufbauen, so wird .eine große Auswanderung | einsetzen, und wir werden wieder in Palästina eine! Minderheit werden. Genau so ging es in Sizilien, das überhaupt Palästina sehr ähnlich ist. Von dort aus j wandern Hunderttausende aus Mange! an Lebensunterhalt aus. Um solchen Mißständen zu steuern, müssen wir bei uns neue Landwirtschaftszweige -ausbaucn. So haben wir bis jetzt in Palästina dreierlei Mandelsorten, während es z. B. in Italien Dutzende von Mandelsorten gibt. Solange wir bloß kleine Bodenflächen mit Mandeln bepflanzt hatten, schadete es nicht viel, wenn die Ernte verdarb. Bei vielen Dunamim fällt es aber natürlich sehr ins Gewicht, wenn nur eine Sorte angepflanzt wird, und gerade diese eine Mißernte trifft. Die Hauptsache aber ist die Auslese des Menschenmaterials. Man muß hier vor allem die persönliche Eignung für die Arbeit, oft nur für eine bestimmte Arbeit in Betracht ziehen, die körperliche Beschaffenheit usw. Und muß den zur Landwirtschaft geeigneten Bodenflächen in Besitz geben, der ihnen ständigen Lebensunterhalt sichert. — Ferner müssen durch Sanierung der Sümpfe usw. die sanitären Bedingungen für Menschen und Vieh mustergültig werden. — Und schon diese Arbeit, wenn sie auch große Kosten verursachen wird, wird, Tausenden Beschäftigung und Lebensunterhalt geben. Wir haben aber noch keinen Kataster, dem wir entnehmen könnten, w ieviele Menschen wir in Palästina sofort mit Beschäftigung versehen können. Bevor war das nicht haben, müssen wir uns den, Boden zuerst nutzbar machen, der ohne Schwierigkeiten bearbeitbar ist. Der liegt dort, wo Ebene ist, und dort müssen die ersten Neueinrichtungen und Versuchsstationen errichtet werden, welche die am besten, zu verwertenden Arbeitsmethoden henausfinden. — Wir müssen auch die Menschen gründlich vorbilden, die zur Landwirtschaft Übergeheny denn sie sind keine Soldtaten, die in kurzer Zeit während des Krieges unter ungeheurer Materialverschwendung manches erlernt haben, wozu sonst Jahre gehören. Die Instrukteure müssen Fachleute sein. DeT jüdische Arbeiter bevorzugt die Grupp erarbeit. Es müßten also Gruppen von Arbeitern, Land in Pacht gegeben werden. Für die Besiedlung können wir das Achusasystem, d|as neu geordnet werden muß, anwenden. Wir müssen dtabei davon ausgehen, daß wir nur dann großzügig besiedeln können, wenn unsere Landarbeit durch Juden gemacht wird. Nur der Bauer, der selbst arbeitet, kann mit intensivsten Mitteln seinen Boden bestellen. — Als beste Kombintation würde ich vorschlagen, daß die Achusjäwirtschaft die Urbachmachung und Bepflanzung nicht privaten Wirtschaften übergeben, die meist arabische Arbeiter bevorzugen, sondern jüdischen Arbeitergruppen mit Gewinnbeteiligung überlassen soll. Ich hätte noch vorzusdhlagen, daß man nur diejenigen ßnsiedeln soll, die irgendwelche Ersparnisse mitbringen. Denn Ersparnisse sind das Kriterium dafür, daß die Menschen arbeiten können, und etwas van ihrer früheren Arbeit mitbringen, und so besseren Erfolg Haben werden. Auf diese Weise müssen wir unsere Volkswirtschaft sichern. Um dem Arbeiter dann zu ermöglichen, tauch in Palästina kleine Ersparnisse zurückzulegen, müssen billige und gute Arbeiterküchen und Schlafgelegenheiten geschaffen werden, sowie hygienische und finanzielle Institutionen. Ich gebe im folgenden ein Verzeichnis derjenigen Fiinanzinstitute, die wir sofort ins Leben rufen müssen. 1. Der jüdische Nationalfonds muß es sich zur Aufgabe m/adhen, nicht allein für die Erwerbung von Boden, sondern auch für seine Urbarmachung zu sorgen. Denn wiir können dem Brauern, der dasj Land erhält, und wohl. me*si arm ist, nicht die gewaltigen Kosten der Urbarmachung aufbürden. 2. Eine Kolonisationsbank, die langfristige Darlehen (25 bis 30 Jahre) zur Tilgung in Raten für Häuserbau usw. gäbt. 3. Spar- und Darlehnskassen zu kurzfristigen Darlehen für landwirtschaftliche Zwecke. (Nach „Hapoel-Hazair“.)

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