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Volk und Land · 1919-10-16 · Heft 42-43 (16.10.1919) · p. Seite 1339-1340

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 42-43 (16.10.1919)
Date
1919-10-16
Page
Seite 1339-1340 (sequence 18)
Language
German
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1339 VOLK UND LAND 1340 Seien wir offen; in unserer Epoche von politischer Sentimentalität kann man nicht nach einem jüdischen Staat rufen, Wo die Juden vorderhand nur eine Minderheit im Lande bilden. Bloß Dichter können die Phrase wiederholen, „gebet ein‘Land ohne Volk, dem Volk ohne Land“. Es ist ‘wohl wahr, daß die Juden ein Volk ohne Land sind, aber ‘nicht wahr ist es^, daß Palästina ein Land ohne Volk ist. In Wirklichkeit ist Palästina nur ein Land, das bei hoher Kultur weitere vier Millionen Menschen ernähren kann. Darauf stützt sich der Zionismus. Man darf aber nicht vergessen, daß unsere wirkliche Politik erst ‘dann beginnen wird, wenn die Juden die Mehrheit der palästinensischen Bevölkerung bilden werden. Mit anderen "Worten: wir müssen zu allererst in den nächsten Jahren im Palästina 600 000 Juden ansiedeln. Dies ist eine riesige ökonomische Aufgabe. Laut Berechnungen der maßgebendsten Fachleute benötigen wir für die nächsten Jahre mindestens 20 Mill. Pfupd, um eine planmäßige Immigration in Palästina leiten zu können, d. h. um raschestens eine jüdische Mehrheit, die in ihrer ökonomischen und kulturellen Schöpferkraft stark kein soll, stark nicht mit Prätentionen, sondern mit Irealer Kraft. Dies ist die nächste Aufgabe des Zionismus, 'die nicht leicht durchführbar ist. Um diese Fragte zu lösen, bedarf es der Anstrengung aller Kräfte unseres Volkes, der materiellen und geistigen. Man darf sich nicht mit Politik oder mit fruchtloser Kritik beschäftigen. Man muß alle Volkskräfte sammeln und sie planmäßig organisieren. Das Volk muß alle Schwierigkeiten der vor uns stehenden Aufgabe kennen, und muß verstehen, daß von seiner eigenen Energie, Organisierung und Opferwilligkeit die Erreichung unseres Ideals, d. h. seiner Rettung abhängt. Wir stehen jetzt vor einer ganz unerwarteten Schwierigkeit. Die ökonomischen Kräfte des ganzen östlichen Judentums, das am meisten am Zionismus interessiert ist. sind de facto jetzt und noch für mehrere Jahre paralysiert. Zum größten Teil sind die Ostjudeni, besonders die Südostrußlands, ausgeplündert und ruiniert und das Judentum des Ostens besitzt jetzt Papiergeld, das auf dem internationalen Markte beinahe keinen Wert hat. Außerdem kann es überhaupt nicht organisiert werden, wegen des vollständigen Zerfalles von Rußland. Dem westeuropäischen und amerikanischen Judentum obliegt jetzt die Pflicht, die leeren Plätze einzunehimen, die durch den Zerfall von Osteuropa geschaffen worden sind, um dem Zionismus die Mittel zu geben, die zur Organisierung des Anfangs der Massenemigration nötig sind. Ich wiederhole: in der jetzigen Zeit ist der Zionismus keine politische, sondern eine ökonomische Frage.“ (J.P.Z.) „Keimfreie Kolonisation“ Mit tiefemi Erstaunen und grenzenloser Entrüstung habe ich die Mitteilung des Oberrichters Brandeis an den Leiter der Hadassa in Palästina gelesen, die „unterwegs zwischen' Port-Said und Malta“ abgesandt und in „Chadaschofh Haarez“ Nr. 52 abgedrudkt worden ist. Ich traute meinen Augen kaum, in einer hebräischen und zionistischen Zeitschrift, die in Palästina erscheint, zu lesen, daß man gut daran täte: 1. die Immigration aufzuhaltesn, bis die sanitären Verhältnisse imi Lande gebessert seien; 2. einen Fachmann, für sanitäre Fragen in die medizinische Gruppe zu kooptieren, um einen systematischen Kampf gegen das Fieber zur Rettung der bestehenden Kolonien führen zu können. Was diese Mitteilung selbst betrifft, die nichts weiter als ein schwaches Echo der alten Worte ist: „Das Land, durch d,as wir gezogen sind es zu erkunden, ist ein Land, das seine Bewohner frißt“, so fließt sie vielleicht aus geheimen Gründen, deren Quelle uns keinen Segen bringt. Wie aber soll es verziehen werden, daß eine hebräische, zionistische Zeitung diese Worte bringt, die einer Verleumdung des Landes sehr ähnlich sehen? I. S. Aus einem Brief an „Hapoel-Mazair“. Auszug aus einer Denkschrift E. Wilkanskys an die Londoner Konferenz Wir haben in der nächsten dreißig Jahren in Palästina mindestens 3 Millionen Juden anzusiedeln. Außer verschiedenen andern Gründen, die uns verpflichten, die Arbeit zu beschleunigen, gibt es noch einen gewichtigen Grund, der uns dazu zwingt: Die Diaspora sieht in Palästina mit Recht nicht nur das geistige Zentrum allein. Das jüdische Volk, das durch den Krieg auch stark ruiniert worden ist, hofft, daß Palästina für es offen seiin wird als Erlös ungslaml. Die Augen der verfolgten Massen wenden sich allein nach Palästina. Die Deklaration einerseits und die Verfolgungen andererseits spannten die Volkshoffnug hoch. Die jüdischen Massen sind bereit, aus der Diaspora auszuziehen wie ehemals aus Aegypten. Sollte Palästina nacht aufnahmefähig sein für all diese Massen, so werden wir Augenzeugen sein eines Verzweiflungsaufbruchs des ganzen Volkes und als Folge davon eines Bankrotts des Zionismus. Bis jetzt hat man sich nur gewissermaßen „defensiv“ verhalten. Jetzt nach den letzten Ereignissen geht es nicht mehr an, verzweifelte Menschen mit Zukunftsmusik abzuspeisen. Dazu kommt noch, daß wir uns beeilen müssen, einer Besiedlung des Landes durch andere zuvorzukommen. Die Möglichkeit ist uns gegeben, und wir haben sie mit der größten Anstrengung auszunutzen. Wir müssen uns deshalb bemühen, die Pforten Palästinas einer sofortigen Judeneinwanderung zu öffnen. Dazu aber brauchen wir politische und wirtschaftliche Rechte. Palästina ist zu klein im Verhältnis zu unserer Volkszahl. Die materiellen Güter des Landes sind beschränkt. Und wenn wir wollen, daß die Einwanderer existieren können, so dürfen war keine Erwerbsquellen, und wenn sie noch: so gering sindi, unausgenutzt lassen. Wir müssen allen Boden, in unsere Hände beklommen, um die Grundlage unserer wirtschaftlichen Existenz zu sichern, und so viel Mittel zur Verfügung haben, daß wir eine rationelle Landwirtschaftstiiethode einführen körnen. Eine großzügige Kolonisationsmethode verlangt auch eine große Vorbereitungsarbeit, die wiederum eine neue Erwerbsquelle darstellt. Die Vorbereitungsarbeiten müssen wir uns ohne Kompromiß zusichern, falls wir wirklich, die Hunderttausend« der Einlaß begehrenden Juden hereinlassen wollen. Die Konzessionen für Wegehau, Hafenbau, EisenbGinbau, Ausnutzung aller Bodenquellen, Regulierung der Wasserkräfte wie überhaupt alle öffentlichen Arbeiten müssen uns übergeben werden. Es handelt sich dabei nicht umi eine Kraft- oder Vorrechtsfrage, sondern um die Lösung der Existenzfrage der ersten Einwanderer und somit um die Zukunft unseres Volkes im Lande. Diese wirtschaftlichen Rechte sind illusorisch ohne politische Sonderrechte. Wenn wir nicht den Einfluß auf die oberste Verwaltung ausüben, so wird jeder Beamte unsere wirtschaftlichen Rechte „vermittelnd“ interpretieren und vielleicht nicht zu unsem Gunsten. Deshalb müssen die wirtschaftlichen Rechte durch politische Privilegien gesichert sein. Alles das sind Grundbedingungen, ohne die wir nicht anfangen können, zu arbeiten. Aber selbst wenn wir diese Rechte bekommen, bleiben noch1 immer eine Menge Hindernisse auf unserm Wege. Diese Hindernisse bestehen in der Beschaffenheit des Bodens, des Menschenmiaterials, und der wirtschaftlichen Struktur des Landes. Noch immer haben wir imi Lande nicht viel urbar gemachten Boden, und wenn wir ihn1 hätten, so haben wir nicht Üasi genügendle passende Menschen'material zu unserer Verfügung. So-

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