Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 42-43 (16.10.1919)
- Date
- 1919-10-16
- Page
- Seite 1337-1338 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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1337 VOLK UND LAND =-.^-= ■■■■■■= ■ --^=-=- 1338 tiouen, besonders die amerikanischen Bretterbinder, wegen ihres geringen Gewichts und ihrer verhältnismäßigen Billigkeit zu empfehlen. In diesem Falle ist die Dachhaut auf eine gespundete Schalung zu legen. Die isolierende Luftschicht ist dadurch zu bilden, daß eine Putzdecke auf Holzstabgeflecht an die Tragkonstruktion gehängt wird. Bei untergeordneten Gebäuden, welche nicht zum dauernden Aufenthalt von Menschen dienen, wie Schuppen, Scheunen, Waschküchen, Lägern und dergl. kann auf die Anordnung einer isolierenden Luftschicht unbedenklich verzichtet werden. Größere Spannweiten, wie sie bei Lager- und Fabrikhallen, Werkstätten, Massenquartieren usw. auftreten; dürften durch leichte Holzkonstruktionen, etwa nach dem System Meitzer, gegebenenfalls auch Küber- oder Hetzerbinder, am günstigsten überdeckt werden. Der Einwand, daß alle zur Herstellung der empfohlenen Dächer erforderlichen Materialien eingeführt werden müssen, wird durch den Hinweis entkräftet, daß Baustoffe zur Herstellung zuverlässiger Dächer im Lande überhaupt nicht vorhanden sind. Und wenn man darauf angewiesen ist, die Dächer aus1 eingeführten Materialien herzustelJen, so versprechen die angegebenen Holzkonstruktionen die größtmögliche Wirtschaftlichkeit, denn einerseits bedeutet ihr geringes Gewicht mäßige Frachtkosten, andererseits können derart leichte Dächer von Wänden geringer Druckfestigkeit getragen werden. Auch an Fundamenten können in diesem Falle Ersparnisse erzielt werden. Endlich gehört bei der derzeitigen Laige des Baumaterialmarktes Holz zu den wohlfeilen Baustoffen und kann, im Gegensatz zu Eisen, Ziegeln und Zement verhältnismäßig leicht beschafft werden. Nachdem wir uns klar gemacht haben, daß die sogenannten Mansarden, die Wohnräume im ausgebauten Dachgeschoß, wegen des geringen Wärmeschutzes, den sie bieten, minderwertig sind, wird man sich leicht dazu verstehen, auf sie zu verzichten, wie es das flache Dach bedingt; weniger gern wird man die Bodenräume missen, die zur Unterbringung von Vorräten sehr geeignet erscheinen. Aber leicht finden wir einen Ersatz für sie, wenn wir Keller anordnen, welche, wenn man ihnen auch nur eine Höhe von 2 m gibt, kühler und somit wertvoller sind als die verlorenen Bodenräume. Um sie zu erhalten hat man nur nötig, die Sockelmauern ein wenig tiefer zu führen, als man es sonst täte. Die Ausschachtungsarbeiten dürften kaum mehr kosten als die Auffüllung des Sockels, zumal sie im Zusammenhang mit dem Aushub der Fundamentgräben vorgenommen wird, welche andernfalls auch wieder aufgeschüttet werden müssen. Die Anlage umfangreicherer Keller steigert aber auch den Wert der über ihnen gelegenen Wohnräume. Endlich darf nicht vergessen werden, daß das Vorhandensein eines Kellergeschosses dringend erwünscht ist, wo ^Zisternen angelegt werden müssen. Auch für die Aufnahme von Kläranlagen, für Untergrundberieselung, sowie bei der Anordnung von Klosetts nach dem Tonnensystem sind sie erforderlich. Es erweist sich also, daß es aus Gründen nicht nur der Aesthetik, sondern auch der Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit angebracht ist, das palästinensische Haus mit flachem Dach und reichlichem Kelter auszustatten. Dipl.-Jng. Michel. ..nmmnimmi |1— - STIMMUNGEN UND MEINUNGEN Nochmals: „Die Wahrheit über den Zionismus“ ß<r. D. Pasmamik, früher Privatdozent in Genf, in letzter Zeit Mitglied der Krimer Regierung, der jetzt an den Arbeiten des Komitees der Jüdischen Delegationen in Pairis regen Anteil nimmt, veröffentlicht unter obigem Titel einen Artikel in der Londoner „Jewish Times“, dem weitere Artikel unter der allgemeinen Ueberschrift „Zionistische Probleme“ folgen sollen. ln diesem ersten Artikel heißt es: „Wenn man einerseits von großen Siegen des. Zionismus spricht, der schon quasi verwirklicht oder wenigstens der Verwirklichung sehr nahe steht, so behauptet man anderseits, daß man die Massen irregeführt habe, und daß die jetzigen zionistischen Führer an den Idealen unseres unvergeßlichen) Führers Herzl, Verrat geübt haben. Zangvvill selbst, der schon seit langem vom Zionismus abgefallen ist, und sogar schon aufgehört hat, Geographie zu studieren, um irgendein Territorium für unser Volk zu finden, hat dies öffentlich erklärt. Weshalb haben sich die zionistischen Führer begnügt mit dem unbestimmten „jüdischen nationalen Heim“ und keinen jüdischen Staat gefordert? Darauf könnte man ganz einfach antworten: wer hat denn Zangwill und alle, die mit ihm einverstanden sind, gestört, als Helden aufzutreten und einen jüdischen Staat zu fordern. Weshalb haben alle unsere großen Politiker, die in allen Ländern zerstreut sind, nicht zu fordern versucht, daß ein Staat international pnerkannt werde? Man kann all’ diese Fragen stellen, aber den Widerspruch werden sie nicht lösen. Ich weiß nicht, was unsere unzufriedenen Politiker erreicht hätten, aber eins kann man bestimmt sagen: wenn wir auch' die formale Anerkennung unserer weitgehendsten Forderungen erreicht hätten, sagen wir, einen jüdischen Staat mit allen formellen Attributen, wäre der : Zionismus doch in derselben Situation geblieben wie jetzt. Es hätte sich nichts geändert. Das jüdisdie j Volk hat in den langen Galuth-Jahren seine tätige Energie verloren und hat bloß die Möglichkeit passiven Widerstandes. Und wenn es auch schon etwas zu schaffen beschlossen hat, so liegt dies auf der Linie des kleinsten Widerstandes. Was ist Zionismus? Ein jüdischer Staat, den man von einer oder vielen Großmächten erhält und Schluß. So denkt die Masse und so denken bedauerlicherweise alle großen und kleinen „Träumer aus dem Ghetto“. Dies alles ist aber nicht richtig. Wenn man den Zionismus auf den einfachsten Ausdruck bringen will, so ist er zu allererst kein politischer Erfolg, nur eine Aufgabe für eine Organisation für die ökonomischen Kräfte des jüdischen Volkes. Die Verwirklichung des Zionismus hängt nur davon ab, was unser Volk allein mit seinen eigenen Kräften schaffen wird. Je mehr ökonomische Kräfte der Zionismus haben wird, desto schneller wird er politische Erfolge erzielen können. Der Zionismus ist praktisch zu allererst ein Problem der Massenan Siedlung von Juden in Palästina, ein sehr schweres Problem und ein Unternehmen, zu dem man hunderte Millionen Pfund Sterling benötigt, überhaupt, wenn man von einer Emigration nicht nach New York oder London, in schon fertige ökonomische Zentren spricht, sondern nach Palästina, wo man alles erst von Grund auf schaffen muß. Es handelt sich nicht um eine Immigration von städtischen Arbeitern und Kaufleuten, sondern um eine solche, die eine agrikulturelle Bevölkerung schaffen soll. Dies sind alles Fragen nicht einer gelungenen Politik, sondern einer systematischen Organisierung unserer ökonomischen Kräfte. Bestenfalls kann die Politik für uns bloß Bedingungen für die Arbeit schaffen, aber nicht die Tatsachen, die Wirklichkeit.