Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 42-43 (16.10.1919)
- Date
- 1919-10-16
- Page
- Seite 1321-1322 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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1321 VOLK UND LAND 1322 Arbeit und schafft sich die gehobene Stimmung, die die beste Gewähr für Widerstandsfähigkeit gegen Malaria bietet. Literatur Bulletin de Ja Societe de Pathologie exotique. Bulletin de l’institut Pasteur. Annales de l’institut Pasteur. The american Journal of tropical diseases and preventive Medicin. New Orleans Medical and surgical Journal. Tropical diseases Bulletin. Zeitschrift für Hygiene und Infektionskrankheiten. Zentralblatt für innere Medizin. Archiv für Schiffs- und Tropenkrankheiten. Wiener klinische Wochenschrift. Berliner klinische Wochenschrift. Deutsch-medizinische Wochenschrift. Münchner medizinische Wochenschrift. Medizinische Klinik. Mühlens Malaria - Expedition nach Jerusalem. The prevention of Malaria in the Malay by Watson. Behring, Bekämpfung der Infektionskrankheiten. Die Malaria, von Nocht und Mayer, DIE POLITISCHE ENTWICKLUNG IM POLNISCHEN JUDENTUM WAEHREND DER ZEIT DER DEUTSCHEN OKKUPATION Von Prof. Dr. Zwiedineck Eben jetzt, da die Verhandlungen zwischen Deutschen und Polen über die Durchführung der Friedensbestimmüngen in Gang kommen und keinen Zweifel über die wahre Grundstimmung der polnischen Politik gegenüber dem Deutschtum offen lassen, erscheint ein Buch, dessen Hauptinhalt eine Darstellung der vielen Fehler der deutschen Politik gegenüber den Polen bildet*). Es bringt so vieles von dem, was in der Flut der Ereignisse, die in den letzten Monden über das deutsche Volk hinweggeströmt ist, vergessen wurde, und es bringt vieles, was in weiteren Kreisen bisher noch nicht bekannt geworden ist. Uns interessiert hier nur das über das polnische Judenproblem Ausgeführte. Dennoch sei hervorgehoben, daß es ein unbestreitbares Verdienst Dr. Roths ist, mit dem Buche so rasch eine klare unvoreingenommene sachliche Darstellung des Verlaufes der deutschen Politik in Polen, ihrer Voraussetzungen und ihrer Erfolge oder richtiger Mißerfolge zu bieten. Wohl wird manches später eine eingehendere Analyse finden müssen. Aber das Buch kennzeichnet treffend alle verschiedenen Phasen in der Politik sowohl der polnischen und jüdischen Parteien, als auch der deutschen Militärs und Diplomaten, und die Verfasser leisteten damit eine überaus wertvolle Arbeit, die in mancher Richtung auch von dem sorgfältigsten und objektivsten Historiker seinerzeit nicht wird geleistet werden können, weil ihm der Vorzug des zeitgenössischen Chronisten, der unmittelbare Eindruck von vielen Persönlichkeiten und ihrer Bedeutung für die Geschehnisse fehlen wird. Dr. Roth ist zudem durch seine überlegene Leidenschaftslosigkeit ein ganz besonders geeigneter Berichterstatter, er hat dabei mit dem Manne, der anfänglich in der reinen Militärverwaltungszeit einen starken Einfluß auf wichtige Dinge gehabt, mit Georg Cleinow, in regster Fühlung gestanden, und es war ihm lange Zeit ein reger Verkehr mit dem späteren diplomatischen Leiter der deutschen Politik in Polen, dem Botschaftsrat von Mutius möglich gewesen. Vor allein entscheidend für die Eignung der Verfasser zu der Aufgabe, die sie hier gestellt haben, ist ihre Tätigkeit bei der deutschen Presseverwältung Vorn 'Frühjahre 1915 bis über das Ende der Okkupationszeit hinaus. Das Kapitel über die Judenprobleme (S. 140 bis 181), das Wilhelm Stein zum Verfasser hat, ist wie das ganze Buch chronologisch gegliedert, gibt erst eine kurze Uebersicht über die politische Lage *) Roth, Paul Dr.: Die politische Entwicklung in Kongreßpolen während der deutschen Okkupation unter Mitwirkung von Wilhelm Stein, (Leipzig: K. F. Koehler. 1919. 207 S. vonSüdenhorst, Karlsruhe. I des polnischen Judentums — das galizische, für [ das andere Bedingungen und Verhältnisse Vorlagen, j blieb unberücksichtigt — bei Beginn der Okkupation i bestimmt, die Leser ohne Kenntnisse über das Ostjudentum (zu diesen Nichtkennern gehören erschreckend viele deutsche Juden!) einzuführen, und schildert dann den Einfluß der ersten kriegerischen Ereignisse auf dieses Judentum Kongreßpolens, innerhalb dessen, wie der Verfasser richtig bemerkt, die Begriffe Assimilation — Nationalismus — Zionismus — Antisemitismus die Leitmotive für die politischen Bewegungen waren. Aber diese ersten Bewegungen waren embryonal, bis der verhängnisvolle Wechsel zwischen dem Zarenaufruf „an meine lieben Juden“, dem Manifest der deutschösterreichischen Okkupationsarmeen, dem Autonomie-Erlaß Nikolai Nikolajewitsch usf. die Bewegung immer weiter in die bisher apolitische Masse der Juden tragen mußte. Das Erwachen begann, daß inan endlich werde auch politisch Stellung nehmen müssen. Und da ragte immer höher hervor die Flagge des Nationalismus und immer schroffer erklang der Feldruf der Assimilativen. Die deutsche Politik hat bekanntlich anfänglich nicht ohne Geschick die nationale Richtung unter den Juden zu fördern unternommen. Man darf Cleinow die Anerkennung hierfür nicht versagen. Aber auch er blieb nicht konsequent und bald folgte ein Fehler dem anderen. Schon die Schulverordnung (24. April 1915) des Oberbefehlshabers Ost war gerade vom Standpunkte der deutschen Interessen ein Fehler. Dem Ostjudentum hat sie meines Ermessens genützt, sie brachte eine Lösung, nach der wir die Interessengruppen immer klarer bilden und von einander unterscheiden mußten. Es läßt sich gewiß darüber streiten, ob es nicht vielleicht richtiger gewesen wäre, die chronologischen Zäsuren der Darstellung nach dem Gange der eigentlichen politischen Aktion zu wählen. Daun j wäre wohl das Eingreifen der deutschen Orthodoxie! (Frankfurter Richtung) in die polnischen Judenfragen auch in der Stoffgruppierung zur Geltung gekommen. Denn für die Gestaltung der Judeni politik in Polen wurde dieser Fehler ein Markstein. 1 Freilich war dieser Markstein anfänglich wenig sichtbar. Man ließ die Herren Dr. Pinchas Kohn ' aus Ansbach und Carlebach aus Köln eben einfach wie so viele andere Politiker und religiös Interessierte auch nach Warschau und in andere polnische Städte reisen. Und wer weiß, wäre es nicht die überaus betriebsame und persönlich gewinnende Persönlichkeit Dr. Pinchas Kohn gewesen, vielleicht wäre der Schachzug der deutschen Verwaltung nur ein wirkungsloser Figurenabtaiusch geblieben. So i aber wurde Dr. Kohn wahrlich zum Sauerteig in