Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 42-43 (16.10.1919)
- Date
- 1919-10-16
- Page
- Seite 1319-1320 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2649276-2649277-2649308--0827-2650190- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1319 VOLK UND LAND 1320 der Malaria speziell in Kriegen, bei denen alle! diese Einflüsse mitspielep, würden diese Ansichten unterstützen. Andererseits müssen wir auch bei der Einwanderung mit vielen derartigen Mo- , menten rechnen und das berücksichtigen. Der Schaden der Gewöhnungliegt darin, daß die Bej Handlung außerordentlich langwierig ist 'und jhr j dauernder Erfolg sehr in Frage gestellt wird. | Manche Autoren klagen darüber, daß sie schon während der Nachbehandlung, also zu einer Zeit, wo der Körper noch unter der Chininwirkung staind, wieder Rückfälle zu sehen bekommen hätten. Fassen wir zusammen, was wir über die prophylaktische Bedeutung des Chinins ausgeführt haben, so ergibt sich folgendes. Die Chininprophy;- laxe ist nicht durchführbar aus psychischen Gründen und bei mangelnder Resorbtion aus somatischen. Ihr Erfolg ist zweifelhaft, sie schadet im Hinblick aut die Möglichkeit erschwerter Behandlung. Die Anwendung des Chinins in Malarialändern wird da im Verein mit den anderen Mitteln angebracht sein, wo es sich um eingeborene, zum großen Teil infizierte Bevölkerung handelt und wo die genügenden Hilfskräfte zur individuellen Behandlung nicht zu bekommen sind. In unserem Falle aber, wo es sich um gesunde Einwanderer handelt, glaube ich, daß diese Tatsachen genügen, um nicht nur eine Chininprophylaxe nicht vorzuschlagen, sondern sogar den freien Verkauf oder die Ausgabe von Chinin ohne ärztliches Rezept zu verbieten. Auch die Aerzte müßten angeregt werden, nur therapeutisch Chinin zu verwenden. Um aber nicht erst, wie Watson sich äußert, am Stall ein Schloß anzubringen, nachdem das Pferd gestohlen ist, haben wir noch eine Möglichkeit, vorausgesetzt, daß die Zahl der Aerzte und sonstigen Hilfskräfte groß genug ist, und damit glaube ich rechnen zu können. Zitmann regte auf einem Kriegsschiffe die Leute an, sich beim kleinsten Unwohlsein krank zu melden, er untersuchte dann das Blut im dicken Tropfen und konnte so dem Anfall bei schon positivem Blutbefund zuvorkommen. Seyfarth empfiehlt ebenfalls diese Methode für einen kleinen Kreis gut Geschützter, indem dann auf Chinin verzichtet und alle 14 Tage das Blut untersucht werden soll. Praktisch durchführbar erscheint mir das durchaus. Wenn Sergent seine Eingeborenen durch Beamte alle vier Tage mindestens chininisieren läßt, dann kann die vierzehntägige Blutprobe nicht so schwierig sein. Erleichtert wird das durch die Organisationen. Arbeiter erfaßt man in den Betrieben, Kinder in den Schulen und Kindergärten, die Frauen machen größere Schwierigkeiten, sind aber im rituellen Tauchbad wenigstens alle vier Wochen sicher zu kontrollieren. So muß man an die Stelle einer überflüssigen oder schädlichen Chininverteilung, die in eine schematisierte allgemeine Behandlung ausartet, eine individuelle Behandlung bei genügender Anzahl von Hilfskräften setzen können. Die heilsame Wirkung des Chinins in Verbindung mit den anderen Mitteln bei den nachgewiesenen Parasitenträgern kräftig anzuwenden, wird mit eine der wichtigsten Aufgaben der Prophylaxe sein. Selbstverständlich muß die Malaria eine melde pflichtige Krankheit sein, wie das auch Baß gefordert hat; obgleich wir da vielleicht in manchen Gegenden ,alle Einwohner aufnotieren müßten. Hier wäre bei Ortschaften, die so gut wie gänzlich infiziert sind, die Anwendung einer Massenbehandlung zu versuchen, die dann aber neben der Aufklärung auch die Kontrolle so schart als möglich in Anwendung bringen muß. Die Erfassung der Parasitenträger besprach ich schon loben, und eine Blutuntersuchung durch die Aerzte bei jeder anderen Erkrankung würde das Verfahren noch wesentlich unterstützen. Es muß eine Treibjagd auf Anophelen und Parasiten abgehalten werden, wie früher die Einwohner sie sicherlich auf makroskopische Raubtiere abgehsllen haben, um das Land zu säubern. Wie hoch stellen sich nun die Kosten eines derartigen Unternehmens? Absolut wird es eine beträchtliche Summe sein müssen, und man soll auch nicht zu sparen versuchen, um nicht bei halben Mitteln durch halbe Erfolge Mißtrauen zu erregen. Relativ aber sind die Ausgaben nicht nur gering, sondern sie machen sich auf verschiedene Weise bezahlt. Track sagt: „Exakte Malariabekämpfung garantiert sanitäre und ökonomische Wohlfahrt des Landes. Geld, für Malariakampf ausgegeben, trägt schnellste und höchste Zinsen, mehr als jede Anlage. Man muß einmal berechnen, wieviel der Ausfall der Arbeitstage, Behandlung, Pflege und Hinterbliebenenfürsorge kostet, und im Verhältnis dazu die Malariabekämpfung. Die Amerikaner haben ausgerechnet, daß in einem Staat mit 140 000 Einwohnern, dessen Malariabekämpfung einen Rückgang der Malaria in einem Jahre um 6673 Prozent an Todesfällen zur Folge hatte, bei Berechnung von 400 Kranken auf einen Todesfall für derartige Kosten 200 000 Dollar gespart werden, das sind 1,25 Dollar pro Kopf. Andererseits berechnen sie die Kosten zwischen 1 lund 5 Cent pro Kopf und Tag, und Watson rechnet 1 Prozent des Lohnes eines Kulis, oder im Monat die Kosten einer Flasche Bier; Sparhs 1,231/2 Dollar im'ersten, 0,63 Dollar im zweiten Jahre pro Kopf. Gegenüber der Chininprohylaxe ist der Vorteil auch ganz bedeutend. Bei 20 000 Einwanderern im Jahre und Chininausgabe an nur diese bei einem Minimum von 1 Gramm1 in der Woche müßten im Jahre mindesten 20 Gramm1 genommen werden. Das macht bei einem Preise von 500 M. für das Kilogramm Chinin 10 M. pro Kopf und 200 000 M. im ganzen für das Jahr. Chinin müßte aber jahrelang genommen werden. Zu bedeuten ist ferner, daiß diese Summen außer Landes gehen, während die Kosten der rationellen Prophylaxe den Arbeitern und damit dem Lande selbst zugute kommt. Schließlich können die kostspieligsten Maßnahmen, da sie gemeinsam mit Industrie und Landwirtschaft unternommen werden, und für diese von bleibendem Wert sind der Malariabekämpfung allein nicht zur Last geschrieben werden. So kann der traurige Satz der Malariaerfahrung Watsons, daß die Malaria Armut schafft und die Armut Malaria, dahin umgekehrt werden, daß die Malariabekämpfung Arbeit und Wohlstand schafft und die Hebung des Wohlstandes die Malaria verschwinden läßt. Wenn das jüdische Volk die Disziplin halten wird, die für ein derartiges Unternehmen unerläßlich ist, dann kann die Malaria in Palästina in absehbarer Zeit eine seltene Krankheit sein. Die allgemeine Fürsorge, die Bekämpfung von Trachom, Tuberkulose lund Ruhr werden die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung auch gegen die Malaria heben, ebenso wie die Schaffung neuer Airbeitsmöglichkeiten dies durch Verbesserung der sozialem Lage gleichzeitig bewirkt. Schließlich aber werden die psychischen Veränderungen das ihrige dazutun. Das gehetzte und verfolgte Volk der Juden ist in seinen jetzigen Lebensverhältnissen und seiner psychischen Verfassung nicht im Besitze der Vorbedingungen für Resistenz gegen Malaria. Als freies Volk auf eigener Scholle erobert es sich das Land in friedlicher, kultureller und hygienischer