Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 42-43 (16.10.1919)
- Date
- 1919-10-16
- Page
- Seite 1317-1318 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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1317 VOLK UND LAND 1318 die Speicherungdes Optochins, an die Erytrocyten an, daß auch das Chinin in ihnen gespeichert werde und durch chemische Repulsion den bp-orozoiten den Eintritt verwehre, una sie dadurch abtöte. Ramsden, Lipkin und Whitlei aber fanden des Chinins im Serum und keine Speicherung in den Erytrocyten. Behring erklärt sich die Wirkung des Chinins wie die eines Ferments, das als Adjuvans des Körpers Schutzstoffe gegen die Parasiten in ihrem Kampf unterstütze, wie Quecksilber und Jod gegen die Spirochaeten. Aber auch bei der Syphilis zeigen, wie Kußmaul nachgewiesen hat, die Spiegelarbeiter, die dauernd unter Quecksilbereinwirkung stehen, keine Resistenz gegen eine Infektion. Kann uns die Theorie also keine Stütze finden Wert der Chinmwirkung bieten, so müßten wir ihn in der Praxis statistisch nachweisen können. Es werden doch so vielfache Erfolge berichtet, daß ich hier gar nicht erst Autoren einzeln zu zitieren brauche. Leider sind die Statistiken alle recht ungenau. Wenn ein Mittel den Anspruch darauf macht; prophylaktischen Wert zu haben, so muß es so gut wie unschädlich sein, wenigstens im Verhältnis zu der vermiedenen Gefahr, und imstande sein, eine Infektion zu verhüten. Der Nachweis dieser Fähigkeiten wird durch keine Statistik ebracht. Die Angaben sind nicht so genau, aß auch eine latente Infektion, die erst später ausbricht, ausgeschlossen werden kann. Die Bedingungen sind nicht so genau mitgeteilt, daß nicht auch ändere Momente, klimatische und allgemein hygienische Unterschiede, die bei der Malaria eine so große Rolle spielen, die wahre Ursache der Veränderungen sein könnten, die dem Chinin zugeschrieben werden. Schließlich und hauptsächlich ist die gleichzeitig therapeutische Wirkung des Chinins ein Hindernis, seinen prophylaktischen Wert überhaupt deutlich zum Ausdruck zu bringen. Deshalb ist die sogenannte Chininprophylaxe nichts weiter, als wie Prof. Müller sich ausdrückt, eine verkappte Dauertherapie, die die soziale Brauchbarkeit erhalten kann, aber keinen absoluten Schutz gewährt. Nun könnten wir ja diese Tatsachen in Kauf nehmen und uns mit dem kleineren Erfolg begnügen. So versprechen Nocht und Mayer den Prophylaktikern einen milderen Verlauf ihrer Malaria. Dasselbe berichten Fisch aus Kamerun und französische Autoren aus Mazedonien. Leider ist auch der Erfolg nicht sicher. May sah keinen Einfluß aut den Verlauf der Krankheit. Bleibt also nur der eine Vorteil der Prophylaxe, der nach Mayer und Nocht dadurch erreicht wird, daß bei großen Unternehmungen, wie bei Armeen, bei Hafen- und Kanalbauten, die ganze Truppe oder Arbeiterschaft nicht innerhalb weniger Wochen an Malaria darniederliegt und den Fortgang des geplanten Unternehmens unmöglich macht. Dieser Vorteil ist der Berücksichtigung wert, wo das Gelingen eines Werkes über das Wohl der daran beteiligten Menschen gesetzt wird, wie bei einer Armee. Für die Palästinaeinwanderer kommt das nicht in Betracht, denn einmal könnten wir aus Mangel an Kontrolle nur die Männer sicher schützen und nicht ihre Familie, dann aber wäre das Hinausschieben der Krankheit ohne großen Nutzen für die allgemeine Hygiene. Abgesehen von ihrem fraglichen Wert aber, kann die Chininprophylaxe auch schädliche Wirkung haben. Ich will hier absehen davon, daß einige Menschen Chinin schlecht vertragen und Ohrensausen und Kopfweh dadurch erzeugt werden kann, ja bei einem gewissen Prozentsatz, Regendanz rechnet 0,7 Prozent sogar Exantheme, Fieber und Oedem auftritt. Wichtiger erscheint die Tatsache, daß bei Prophylaktikern eine schlechtere Einwirkung des Chinins aut die Parasiten beobachtet wurde. Das sah Mühlens bei den Bulgaren, May in der Heimat, Engling in Albanien und viele andere. Schon vor dem Kriege war eine mangelnde Wirkung von Chinin in Verbindung mit Herabsetzung der Widerstandkraft beobachtet worden. Nocht und Werner sahen 1910 bei Rückwanderern von der Grenze Bolivien-Brasilien chininresistente Plasmodien. Es waren von 700 Auswanderern, die .prophilaktisch Chinin genommen hatten, die Hälfte gestorben. Auch andere brasilianische Arbeiter an schweren Bahnbauten, waren chininresistent. Ebenso erkrankten nach der Mitteilung von Plehn die Hottentotten, die nach dem Aufstand nach Kamerun deportiert wurden, alle, und viele starben sogar trotz verstärkter Prophylaxe. Man hat sich diese Resistenz durch den Begriff der Gewöhnung zu erklären gesucht, der von einigen für die Parasiten, von anderen für den menschlichen Körper selbst angewandt wird. Die Gewöhnung der Parasiten wäre so zu denken, daß in Gegenden, in denen schon seit langer Zeit Chinin gebraucht wird, die Parasiten gegen dieses Mittel abstumpfen. Diese Ansicht wird durch Schilling und Eugling vertreten. Eugling versuchte bei anderen Protozoen eine Chiningewöhnung zu zeigen una wies nach, daß sich in der Tat Kolpidien an Chinin gewöhnen lassen, um so besser, je niedriger die Anfangskonzentration und je langsamer die Steigerung ist. Sie können so an höchste Konzentrationen gewöhnt werden und zwar in doppeltem Sinne. Einmal durch Gewöhnung der vegetativen Form, dann durch Begünstigung der Dauerformenbildung. In chininfreiem Medium geht die Gewöhnung verloren und ist nicht vererbbar. Die andere Ansicht der Gewöhnung sucht ihren Vergleich in der Art des Körpers, sich au andere Alkaloide z. B. Morphium, zu gewöhnen in dem Sinne, daß es rascher abgebaut wird und immer stärkere Dosen gegeben werden müssen, um den Spiegel zu erhalten. Diese Theorie vertritt besonders Teichmann und stützt sie durch seine Befunde der Urinausscheidungsuntersuchung der Chinin-Gewöhnten, indem er bei ihnen eine Verminderung der Ausscheidung nachwies. Dieser Befund konnte von Küster, Wolf und Giemsa nicht bestätigt werden una von Scholz auch nicht in Bezug auf die Darmschleimhaut. Löwenstein, Neuschloß sahen nur bei parenteral Vorbehandelten derartige AusscheidungsVeränderungen, während Plehn sie bestätigt und Warburg glaubt, daß nicht alle, wohl aber die refraktären Gewöhnten die verminderte Ausscheidung zeigen. Seyfart sieh dten Grund der Gewöhnung darin, daß die Parasiten sich auf Chinin bei mangelnder Resistenz in die Kapillaren zurückziehen, wo er sie bei Sektionen angesammelt fand. Dort würden sie vom Chinin nicht erreicht werden. Die herabgesetzte Widerstandfähigkeit des Körpers, die an der Chininresistenz mitschuldig sein soll, kann aut verschiedenen Ursachen beruhen. Cebrini macht Armut und Unterernährung dafür verantwortlich, Külz Operation, Wochenbett, Klima und Ortswechsel, sowie Anstrengungen. Plehn weist besonders auf die Bedeutung der Lebensverhältnisse sowie der psychischen Verfassung hin. Selbst die körperlichen und psychischen Folgen fortgesetzten Chiningebrauchs will er eventuell mit verantwortlich machen. Appel macht besonders auf die Bedeutung meteorologischer Umstände aufmerksam. Er wies nach, an der Hand monatelanger Beobachtungen des Barometers, daß, je größer die Schwankungen, desto häufiger die Rückfälle sind. Die große Häufigkeit