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Volk und Land · 1919-10-16 · Heft 42-43 (16.10.1919) · p. Seite 1315-1316

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 42-43 (16.10.1919)
Date
1919-10-16
Page
Seite 1315-1316 (sequence 6)
Language
German
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1315 Fragen wir uns mm, üb nicht eine Cliininpropbylaxe nach freiem Willen ohne Kontrolle regelmäßig durchführbar ist. Möglich war das bei einzelnen Europäern in den Tropen, besonders bei Missionaren, und mit gutem Erfolg, bei der Masse eines Volkes halte ich für ausgeschlossen. Aufklärung wird für gelegentliche Maßnahmen nützen, ein regelmäßiges Einnehmen eines Medikaments, auch wenn es nichts kostet, nicht bewirken können. Aus Bombay wird mitgeteilt, daß nur der fünfzigste bis hundertste Teil von dem ausgegeben wurde, was pro Kopi bei minimalster Berechnung an Chinin nötig gewesen wäre, ln Rumänien wurden in den Jahren 1897—1900 durchschnittlich 304 kg zu wenig im Jahre verbraucht. Psychische Momente können eine Zeit lang wirksam sein. Wo die Malaria so gefürchtet wird, wie Grassies aus einer Gegend Italiens schildert, ist mit besserer Durchführung zu rechnen. Es sollen da: alle, die es eben nur konnten, selbst auf Kosten großer Opfer sich während der Malariazeit aus dieser Gegend entfernt haben, Bauern und Beamte legen 8—15 km steile Straßen zurück, um wenigstens des nachts das Gebiet zu vermeiden. Wenn außerdem Menschen, die wirtschaftlich auf sich allein angewiesen sind, mit der Malaria Arbeitsunfähigkeit, Not und Tod droht, da könnte sich freie Prophylaxe durchsetzen. Wo das nicht so schlimm ist, und wo insbesondere Kranke durch soziale Gesetze geschützt sind, da fallen diese Momente weg. Wie erklärt sich aber der Erfolg des italienischen Staatschinins, von dem Celli sagt: Ueberschwemmung mit Chinin ist Freiheit eines Landes von Malaria. Er erwähnt, daß, während Sanierungsbauten mit Ausgabe von Millionen erfolglos gewesen wären, auf das Staatschinin Besserung eingetreten sei. 1900 starben 15865 Chiningebrauch 1902 2200 kg 1908 „ 3463 „ 1910 22795 „ Mir scheint diese Angabe weder die Durchführungsmöglichkfcit der Chininprophylaxe noch deren Erfolg zu beweisen. Falcioni beichtet noch 1911 von den großen Schwierigkeiten, die er damit hatte, daß die Arbeiter Chinin nahmen. Es kann ja auch wohl abgehiolt und nicht genommen worden sein. Wieviel davon wurde therapeutisch und wieviel prophylaktisch verwendet? Wenn es zuerst teuer war, so ist ein zeitlicher Erfolg von Staatschinin wahrscheinlich; wenn nach 8 Jahren 10 mal so viel verbraucht wird, so würde die Einbürgerung aber sehr lange gedauert haben, und die Prophylaxe muß anfangs sehr unvollkommen gewesen sein. Ich glaube, daß der Erfolg auch zum großen Teil der Nachwirkung der angeblich wirkungslosen Bauten zuzuschreiben ist. Gerade wenn es sich darum handelt, Einwanderer zu schützen, darr man es nicht abwarten, bis sie praktisch die Folgen der Malaria gespürt haben, noch kann man 8 Jahre dafür verwenden, bis sich das Chinin einbürgert. Dann würden es alle therapeutisch nehmen zu müssen. Zusammenfassend ist zu sagen, daß in der Tat im allgemeinen die Durchführung im Kriege wie im Frieden nicht regelmäßig möglich erscheint. Darauf werden wir einen großen Teil der Erkrankungen zurückführen können. In vielen Fällen wird aber ausdrücklich eine regelmäßige Kontrolle versichert, und auch von Kriegsschiffen, wo man doch die Leute mehr in der Hand hat, werden Mißerfolge gemeldet. So gaben Espach, Moody und Carter aut zwei amerikanischen Kanonenbooten in mexikanischen Gewässern der Hälfte der Mannschaften täglich 0,3 Gramm Chinin, der anderen Hälfte nicht, mit dem Erfolg, daß die Prophylaktiker zu 62,3 Prozent, die Nichtprophy'.aktiker au 67t8 Prozent 1316 erkrankten. Wir können also auf mangelnde Durchführung nicht alle Schuld schieben und müssen nach weiteren Möglichkeiten suchen. Schließen wir ein schlechtes Chininpräparat von vornherein auch aus und nehmen an, daß das Chinin auch wirklich immer zwei Monate über die Gefahrszeit hinaus genommen wurde, so kann doch noch die mangelnde Resorption am Mißerfolg schuld sein. Dafür spricht das häufige Vorkommen von Durchfällen in den Malarialändern. Grall fand bei einem Viertel bis zur Hälfte der Malarialeidenden auch Amoebenruhr; in Palästina ist Ruhr und Paratyphus häufig, und Chinin selbst erzeugt bei manchen .Menschen Durchfall. Viele Mißerfolge werden sich damit erklären lassen, für alle kann er nicht in Betracht kommen, da die meisten Autoren bei ihren Mißerfolgen keine auffallend zahlreichen Verdauungsstörungen gefunden haben. Sollten schließlich die Fehler an der Methode der Chinindarreichung liegen? Auffallend sind die mannigfach vorgeschlagenen Arten. Man kann sie im wesentlichen aiut 3 zurückführen. Die aut Koch zurückgehende verwendet je 1 Gramm Chinin am sechsten und siebenten Tage der Woche. Sie sucht die jedesmal eingedrungenen Parasiten durch energische Chininwirkung vor Abschluß ihrer zur Hervorrufung eines Anfalls nötigen Entwicklung zu zerstören. Die tägliche Gabe von Celli von 0,3 bis 0,4 Gramm Chinin, will einen dauernden Chininspingel im Blute erhalten. Ziemann gibt alle vier Tage 1 Gramm und behauptet, daß aut diese Weise auch dauernd Chinin im Körper sei, und die unangenehmen Sensationen beim Eininehmen von 1 Gramm an zwei aufeinanderfolgenden Tagen vermieden würden. Auf die Dauer kam fast keiner mit seiner Methode aus, und dann wurde gesteigert, und zwar im Sinne der Verkürzung des Intervalls und der Vergrößerung der Dosis. Der Maßstab sollte die größere Infektionsgefahr sein und zwar in zwei Formen. Einmal soll die größere Zahl der Anopheles, sei es durch eine Superinfektion imi Sinne größerer Parasitenmassen, oder von Schaffung verschiedener Generationsstadien im Blut zu gleicher reit besondere Gefahr bedeuten. Andererseits könnte auch die Intensität der einmaligen Infektion da besonders gefährlich sein, wo die .Wahrscheinlichkeit einer intensiven Sporozoitenhildung durch Stich stairk Infizierter gegeben ist. Christophers fand jedenfalls, daß bei Vögeln die Infektion um so stärker ist, je größer die Zahl der Sporozoiten in den Speicheldrüsen der mit Proteosoma praeoox infizierten Culices war. Was nun aber auch der Grund sein mag, die Wirkung der verstärkten Dosen hatte nicht den gewünschten Erfolg, Und schließlich sahen die meisten in derartigen Gegenden überhaupt keinen Nutzen mehr an der Chininprophylaxe. So berichten Seyfarth, Engling, Teichmann, Flebbe, Roß, Hall, Williams, Granada, Anderson, Rogers und Mühlens von ihren Mißerfolgen. Das Mißlingen der Chininprophylaxe in Zeiten schwerer Gefahr 'muß uns zu seinem prophylaktischen Wert überhaupt mißtrauisch machen. Halten wir uns an die Theorie und versuchen uns von ihr den Wert des Chinins beweisen zu lassen. Da stehen sieh drei Ansichten gegenüber. Binz entdeckte, daß Chinin ein Parasitengift sei, das schon in Konzentrationen, die für den menschlichen Körper 'unschädlich wären, Parasiten abtötet. Dem steht entgegen, daß nur ganz verschwindend kleine Mengen, Hartmann und Zilla rechnen 0,0000083 Gramm Chinmbase auf 1 ccm Plasma, sich im Blute finden und sehr bald zerstört werden. Morgenroth nimmt auf Grund seiner Versuche über VOLK und LAND

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