Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 42-43 (16.10.1919)
- Date
- 1919-10-16
- Page
- Seite 1311-1312 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1311 VOLK UND LAND 1312 Außer diesen Leitern wird man noch besondere Instruktoren zur ersten Anleitung für Anfänger brauchen. Zur Aufgabe dieser Instruktoren wird es auch gehören: die sanitäre Aufsicht, die Verbreitung theoretischer Kenntnisse und das Anstellen von Versuchen zur Feststellung des passendsten Stockes für die Verhältnisse des Landes, Versuche von Kombinationen in der Arbeit und zur Einführung neuer Rassen in das Land. Darüber hinaus müßte die Möglichkeit billigen Kredites für neue Bienenzüchter geschaffen werden. Dieser Kredit soll nicht in Geld gegeben werden, sondern durch Lieferung von Bienenschwärmen für Stöckebesitzer oder von Stöcken für Besitzer von Schwärmen. Dieser Kredit muß durch Bürgschaft der Bienenzüchter oder der Kolonie gesichert sein. Mit dem Bienenstockbau könnte schon jetzt angefangen werden, was auch zur Linderung der Arbeitslosigkeit bei den Tischlern beitragen könnte. Die Aufgaben des obenerwähnten Bienenzüchtervereins sind weit und zahlreich und müssen sämtliche Fragen der Bienenzucht des Landes umfassen. Versuchsstation, Fachberatung, Ein- und Verkaufsgenossenschaft, gegenseitige Hilfe und Versicherung. Alles, was diesen Wirtschaftszweig zu heben imstande ist, gehört in sein Programm. 'Aber um seine Aufgabe zu erfüllen, ist der Verein aut Geldmittel und auf Fachleute angewiesen, die sich lediglich den Arbeiten des Vereins widmen sollten. Der Verein hat seine Tätigkeit schon begonnen. Die bedeutendste Tat bis jetzt ist der gemeinschaftliche Ankauf von Schwärmen für den Bedarf aller Bienenzüchter. Durch diese Organisation ist es dem Verein gelungen, den Preis etwas herabzudrücken. Bis jetzt sind etwa 60 Prozent aller notwendigen Bienenschwärme für 90 ägyptische Piaster — die Kosten des Transports nicht gerechnet — angekauft worden. Dieser gemeinsame Kauf war durch einen Kredit ermöglicht, den die A. P. C. dem Bienenzuchtverein gegeben hatte, hatte. Dieser Kredit hat dem Verein auch die Möglichkeit gegeben, seine Airbeit zu beginnen und sämtliche Bienenzüchter organisatorisch zusammenzuschließen. Der Verein gewährt jedem Bienenzüchter ein ägyptisches Pfund pro leeren Stock bis zum ersten Honigertrag als Darlehen. Die Anleihen werden durch gemeinsame Haftung aller Mitglieder sichergestellt. Aber da die Maximalzahl von Stöcken, für die der einzelne Kredite erhält, nicht festgesetzt ist, so ergibt sich, daß in einem Unglücksfalle die Versicherung gerade durch die Mitglieder mit zahlreichen Stöcken gefährdet ist, wenn sie dann ihre bedeutende Schuld nicht werden bezahlen können. Die Frage, welche jetzt die Bienenzüchter besonders beschäftigt, ist der Verkauf des Honigs. Durch den Rückgang des Zuckerpreises hat der Honigverbrauch abgenommen, und die Nachfrage nach ihm ist viel geringer geworden. Vor dem Kriege, als die Bienenzucht noch klein war, schickte man den überflüssigen Honig nach dem Auslände, nach Deutschland und Amerika. Auch der „Karmel“ verkaufte ein großes Quantum Honig durch seine Absatzstellen in Rußland und Amerika. Jetzt stehen große Mengen Honig in den Magazinen und warten auf einen Käufer oder auf die Gelegenheit, nach dem Auslande versandt zu werden. Man hofft, die Nachfrage auf dem Innenmarkt durch den Verkauf von Büchsen geringen Gewichts steigern zu können. Dies wird sicherlich in hohem | Maße den Honigverkauf fördern, um aber diese j Frage endgültig zu lösen, muß man Absatzmärkte im! Ausland finden und versuchen, die Verpackung j den dortigen Forderungen und dem dortigen Geschmack anzupassen. Vielleicht lohnt es sich auch, einen Teil des besten Honigs, der sozusagen ein Monopol Palästinas ist, den Orangenhonig, zusammen mit diem Wachs zu verkaufen. Bei der Organisation des Exports könnte der „Karmel“ dem Bienenzüchterverein viel helfen. Er besitzt ja schon Lager in allen großen Städten Europas und Amerikas; er hat schon mit dem Honigverkauf tot dem Kriege begonnen, und was die Hauptsache ist, er hat schon seinen Stamm von Kunden, mit denen man sieh in Verbindung setzen kann. Aber leider kann sich der Verein der Bienenzüchter mit dem Karmel nicht einigen. Dieser verlangt hohe Gewinnbeteiligung, und im allgemeinen decken sich seine Bedingungen nicht mit den Wünschen des Vereins. Im Laufe der kurzen Zeit hat man mit Hilfe des Vereins noch verschiedenes geregelt, wie z. B. den Kauf von Wachs für künstliche Waben in Akko und Sichern, und eine gegenseitige Versicherung im Faille der Fäulniskrankheit. Der Verein ab sanitäre Hilfsmaßregeln gegen diese Krankeit an, die im Zentrum» der Bienenzucht, in Ness- Zijona, ausgebrochen ist; er gab ein Merkblatt über den Kampf gegen die Krankheit heraus und beschäftiget sich mit der Regelung des Osdiersusw. Auf der Tagesordnung des Vereins steht jetzt die Vorbereitung der mit Honigpflanzen reichen Gegenden zur Sommersaision und die Herausgabe eines Buches über Bienenzucht. Wie soll die Regelung und Vorbereitung der Futterfelder geschehen? Die geeignetsten Orte zur Bienenzucht, soweit der Pflanzenwuchs in Betracht kommt, sind noch nicht erforscht. Die Bienenzüchter in Ness-Zijona untersuchten die Umgebung von Gedera, die an Kurinth (Tymian) und Hism;ata (Süßklee) reich ist. Sie haben ein starkes Anrecht auf diese Orte. Jetzt sind noch einige Plätze bekanntgeworden, die für Bienenzucht taugen, in der Umgebung von Geser und Chulda, und schon ist dort die Zahl der Unternehmer sehr groß*. Manche führen ihre Bienen in die Umgebung Gederas, auch solche, die kein Recht dazu haben. Der Verein muß hier, um Streitigkeiten unter den Bienenzüchtern zu vermeiden, rechtzeitig die Plätze an die wirklich bedürftigen Interessenten verteilen. Ordnung wird aber erst dann eintreten, wenn die Honigpflanzen in bezug auf ihr Vor- I kommen erforscht sind, und wenn die Transportmittel so gebessert sein werden, daß man Bienen nach fernen Gegenden in kurzer Zeit überführen kann. Schon lange besteht ein fühlbares Bedürfnis nach einem besonderen Buche über Bienenzucht. Die alten Bienenzüchter verlangen es ebenso sehr, wie diejenigen, die sich jetzt mit diesem Zweige befassen wollen. Diese letzteren wünschen in der Hauptsache einen Führer, der sie mit der Behandlung der Bienen vertraut machen soll. In der jetzigen Lage ist es sehr schwer,, ein solches Buch zu schaffen. Eine praktische Quellenarbeit erfordert eine jahrelange Beobachtung. So wird man sich vorläufig mit den elementarsten unbestreitbaren Kenntnissen begnügen müssen, doch ist es auch jetzt unbedingt notwendig, ein grundlegendes Buch | als Basis für Versuche und Beobachtungen heraus-! zugeben. (Aius „Hapoel-Hazair“, Heft 7.)