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Volk und Land · 1919-10-16 · Heft 42-43 (16.10.1919) · page 3

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 42-43 (16.10.1919)
Date
1919-10-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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VOLKwoLAMD JUEDISCHÜV^OCHENSCHRIFT FUER POLITIK, WIRTSCH^^UND PALAESTINA-ARBEIT HERAUSGE6EBEN VÖN DAVIS TRIETSCH 16/23. OKTOBER 1919 HEFT 42/43 1. JAHRGANG DIE BIENENZUCHT IN PALAESTINA Von S. Verbreitung und Erfolg der Bienenzucht stehen in unserem Lande außer Zweifel. Das milde Klima, der Reichtum an Honigpflanzen und der große Nutzen, den der Bienenzüchter von seiner Arbeit hat, werden manchen veranlassen, diesen Erwerbszweig aufzunehmen, der berufen ist, wirtschaftlich eine große Rolle zu spielen. Nach der Umfrage, die der neugegründete Bienenzüchter-Verein veranstaltet hat, befinden sich in Judäa etwa 1700 Stöcke, ohne die der Jemeniten in Chedera. Nicht in allen Kolonien beschäftigt man sich mit dieser Zucht. In den Gebirgskolonien und in der Umgebung Jerusalems, also in Gegenden, die an Honigpflanzen, wie z. B. Fenchel u. a. m., überreich sind, gibt es noch gar keine jüdischen Bienenzüchter. Nur in den arabischen Bergdörfern züchtet man Bienen nach sehr primitiven Methoden. Von hier beschafft man auch die Schwärme für die jüdischen Stöcke. Die Aufforstung des Landes, die Bepflanzung der Dünen mit Eukalyptus und saftreichen Sträuchern, das Säen von Futterpflanzen für die Milchwirtschaft, besonders von Klee, und Lupinen — sie werden zu einer Quelle des Segens für die Bienenzucht. Der Milch wird auch der Honig folgen. Trotzdem die Bienenzucht von jeher im' Lande verbreitet war, befindet sie sich doch noch in sehr primitivem Zustande. Der Ertrag des Honigs bei den Arabern ist sehr gering im Verhältnis zur Menge der Bienen. Die Araber geben sich fast gar nicht mit ihren Bienen ab. Mit dem' Einfangen des Schwarms und der Unterbringung in einem Krug ist ihre Arbeit zu Ende. Zum Ausheben des Honigs gibt es in den Dörfern besondere Spezialisten; diese Arbeit wird nicht von den Besitzern geleistet. Die Ausheber erhalten als Arbeitslohn einen Teil des Honigs und das Wachs. Da der Honig nicht durch besondere Maschinen aus den Waben genommen wird, sondern durch Auspressen und Auskochen, so ist er unrein, und die Wabe leidet infolge des Wachsverlustes. Dieses System hat zur Folge, daß die alten Waben, aus denen man Honig herausnimmt, von Jahr zu Jahr zugrunde gehen. Und wären nicht in jedem Krug 3—4 Schwärme um fergebracht, so wäre es mit der Bienenzucht schon lange zu Ende. Viel besser ist es mit der Bienenzucht bei den Juden bestellt. An die Stelle des Tonkruges tritt bei ihnen die Benutzung von verstellbaren Kästen mit beweglichen Rähmchen. Die Honiggewimtüing geschieht durch Maschinen, und die Kästen werden Eh r lieh. mit künstlichen Wachswaben versehen. Dadurch wird der Bau des Stockes und die Bereitung des 1 Wachses durch die Bienen gefördert, und der Honigertrag wird verdreifacht. Anstatt 3 Rottel Honig, welche die Araber von jedem Stocke erhalten, gewinnen die Juden über 9 Rottel. Die Sterblichkeit der Bienen zu Ende des Sommers ist sehr groß. Es sterben oft 30 bis 50 Prozent, und hätte man nicht die Möglichkeit, jährlich neue Schwärme zu kaufen, so wäre die Bienenzucht zum Untergang verurteilt. Die Frage der Erlangung von neuen Schwärmen wird jn Zukunft der Entwicklung der Bienenzucht Schranken setzen. Sdhon jetzt ist es fast unmöglich, die notwendige Zahl (zirka 1000) Schwärme zu bekommen. Um sie zu erhalten, ist es oft nötig, sie von weither zu holen und hohe Preise zu zahlen. Während der Kriegszeit ist der Preis für einen Schwarm von einer Medschidi auf ein ägyptisches Pfund gestiegen. Die Schaffung eines Instituts für Schwarmzucht wird der erste Schritt zur Verbreitung der Bienenzucht in Palästina sein müssen. An verschiedenen Stellen des Gebirges, in Judäa und Galiläa, wo die Blütezeit lange dauert, müssen solche Anstalten errichtet werden. Man kann mit 100 Krügen anfangen, die man in der Umgebung aufkauft. Die Schwärme wird man in kleinen Holzkästen (etwa Petroleumkisten) unterbringen, damit sie beweglich bleiben, und man sie an jeder Stelle auf künstliche Waben übertragen kann. Außer dem Honig, den die Bienen für ihren Winterbedarf sammeln, wird noch ein Ueberrest bleiben, der die Kosten des Mutterkorbes bezahlen wird. Die Größe der Rahmen in den einfachen Stöcken wäre den bereits vervollkommneten Stöcken im Lande anzupassen, und dadurch der Transport vom provisorischen Stock an die endgültige Stelle zu erleichtern. Der Kauf von Bienen in solchen Kästen wird den Neulingen die Bienenzucht sehr erleichtern; denn das Zerbrechen des Tonkruges zum Uebertragen und Einordnen der Bienen in den neuen Stock fordert besondere Geschicklichkeit, Uebung und viel Arbeit. Den Leitern dieses Instituts für Schwarmzucht wird auch das Studium und die Erforschung der Honigpflanzen, ihrer Blütezeit, die verschiedenen natürlichen Gründe für die Vermehrung oder Verminderung des Nektars, sowie der Geographie dieser Pflanzen obliegen; und sie werden den neuen Bienenzüchtern die erste fachkundige Hilfe geben können.

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