Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1919)
- Date
- 1919-10-02
- Page
- Seite 1303-1304 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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1303 VOLK UND LAND sofort mit diesem Verkehrsdienst beginnen. Das Boot könnte auch später als Tender zur Abholung der Einwanderer von den Schiffen benutzt werden. d. Konservieren von Früchten und (i e - m ü s e n. Die Gelee- und Marmeladenbereitung, sowie das Einmachen von Früchten kann zu einer bedeutenden Industrie werden. Es besteht ein ständiger Ueberschuß an Früchten, und Palästina könnte Aegypten mitversorgen. Die maschinellen Anlagen und Gefäße fehlen noch. Eine Zinnfabrik ist für diese Industrie von größter Wichtigkeit, und es sollte sofort an die Einrichtung einer solchen geschritten werden. 5. Möbel-Industrie. Ein Möbelfabrikant könnte in Palästina gute Geschäfte machen, wenn er die vollständige Ausstattung zur Einrichtung einer Fabrik (Maschinen ,usw.) mit sich bringt, ebenso ein gewisses Quantum Holz und die Vorarbeiter. Möbel sind augenblicklich fast nicht zu bekommen. 6. S c h u h -1 n d u s t r i e. Es gibt jetzt etwa 500 Schuhmacher in Jerusalem; vor dem Kriege gab es nur etwa 150. Die große Zunahme rührt davon her, daß während des Krieges kein Import stattgefunden hat. Bei einer Rückkehr zu normalen Bedingungen macht sich bereits ein Rückgang dieser Industrie bemerkbar, da sie in primitiver Weise betrieben wird. Falls nicht Maschinen und Fachleute herüberkommen, kann sie nicht am Leben erhalten werden. 7. Lederarbeitern. Es gibt alle Ledersorten im Lande, ebenso Lohe zum Gerben. Es ist eine Reihe von Arbeitern vorhanden, die das Gewerbe verstehen, doch arbeiten sie in primitiver Weise und erzeugen geringwertiges Leder, besonders für Stiefelsohlen. Eine Fabrik könnte in Moza errichtet werden, wo genügend Wasser vorhanden ist. 8. Teppichmanufaktur. Im Libanon sind Tausende von Männern und Frauen, mit dieser Arbeit beschäftigt. Vor dem Kriege beschäftigten die Bezalel- Werkstätten über 100 Mädchen in dieser Industrie. Die Werkstätten haben Maschinen, Fachleute und ausgebildete Arbeiter, mit denen dieser Arbeitszweig sofort begonnen oder wiederbelebt werden könnte. Die Arbeit hängt jedoch zu einem' großen Teile von der Möglichkeit ab, Wolle zu beschaffen und den Verkauf und Export zu organisieren. 9. Eisfabrikation. Aus verschiedenen Ländern sind Anfragen über die Möglichkeiten künstlicher Eisfabrikation gekommen. Inzwischen sind im Lande einige Fabriken eingerichtet worden. Der Preis beträgt zurzeit 1 £ für 100 Kilo. Bei einem solchen Preise ist natürlich noch Raum für weitere Fabriken derselben Branche. Notwendig sind Fachleute und maschinelle Anlagen. 10. Wäschereien. Moderne Waschanlagen sind im Lande eine große Seltenheit. Das Waschen geht in altmodischer Weise vor sich und wird sehr teuer berechnet. Ein erfahrener Mann, der die notwendige maschinelle Einrichtung mit sich bringt, würde ein nütz licher und erfolgreicher Kolonist werden können. 11. Töpferei. Diese kann sich zu einer höchst bedeutenden Industrie entwickeln. Die lokalen arabischen Erzeugnisse genügen nicht für die Nachfrage im Lande, und die Industrie hat eine große Zukunft. Noch in diesem Jahre werden Millionen von Blumentöpfen zu landwirtschaftlicher Arbeit gebraucht. Rohre für die Ent- und Bewässerung werden jetzt aus Aegypten bezogen. Auch Töpfe zur Aufbewahrung von Honig, Marmelade, Konserven usw. und zum Kochten könnten hergestellt werden. Diese Manufaktur könnte leicht in Jerusalem und Hebron entwickelt werden. Ausgezeichnetes Material zu diesem Zweck findet sich in und um Jerusalem, aber das beste findet man in Hebron-Hamra. Sachverständige und Maschinen sind vonnöten. 12. Konfitüren. Eine in dter Schokoladen- und Bonbon-Bereitung nach europäischer Art erfahrene Persönlichkeit könnte gute Geschäfte machen. Zurzeit werden diese Waren aus Aegypten importiert. 1304 13. Stickerei. Diese wird jetzt als eine Heimindustrie mit kleinen Maschinen betrieben, doch sollten die runden Maschinen mit mechanischen Motoren eingeführt werden. Hunderte von Mädchen könnten dabei beschäftigt werden. 14. Blumen binde r. Ein erfahrener Blumenbinder könnte ein gutes Geschäft machen. Es besteht Nachfrage nach Blumen, abgesehen von der Industrie der getrockneten Blumen zum Versand ins Ausland. Augenblicklich gibt es keine jüdischen Blumenzüchter und -händler. 15. Perlmutter. Die Perlmutter-Industrie zur Herstellung von Knöpfen und kleinen Schmuckgegenständen könnte entwickelt werden. Das Material kann leicht eingeführt werden, und da hierzu keine besondere Geschicklichkeit notwendig ist, könnten Arbeiter in der Bevölkerung von Jerusalem gefunden werden. Das Gewerbe wurde vor Jahren in Palästina begonnen, mußte aber aus Mangel an modernen Maschinen aufgegeben werden. Nur ein erfahrener Mann sollte das Unternehmen in die Handi nehmen. Er müßte die maschinelle Anlage und Vorarbeiter mitbringen. SOZIALES Eine allgemeine Hilfskonferenz Das K. Z. B. berichtet: „Das Komitee der Jüdischen Delegationen bei der Friedenskonferenz in Paris“ richtet an alle Gesellschaften und Komitees, die sich mit der Hilfeleistung für die vom Kriege betroffene jüdische Bevölkerung beschäftigen, die Aufforderung, zu einer jüdischen Hilfskonferenz zusammenzutreten, die im November oder Dezember dieses Jahres in Paris oder einer anderen europäischen Stadt abgehalten werden soll. Diese Aufforderung eigeht gleichzeitig an die jüdischen Gesellschaften, die sich mit den ökonomischen jüdischen Problemen beschäftigen, sowie an alle jüdischen Zentralorganisationen. Nach 25 Ländern in Europa, Amerika, Asien und Afrika sind Einladungen gesandt worden. Der Zweck der Konferenz soll nicht nur die Zusammenfassung aller Kräfte für den ökonomischen und sozialen Wiederaufbau sein, sondern auch die Ausarbeitung eines Programms dieser Arbeit auf der Basis nationaler Selbsthilfe. Das „Komitee der Jüdischen Delegationen“ hofft, daß nicht nur die europäischen Gesellschaften und Komitees, sondern daß vor allem auch die amerikanischen Hilfsorganisationen an der geplanten Konferenz teilnehimem werden. Das „Komitee der Jüdischen Delegationen“ ergreift nur die Initiative zur Konferenz, während, wie die Einladung betont, die Arbeit selbst vollständig der Konferenz überlassen ist. Auf die außerordentliche Bedeutung dieser Nachricht braucht nicht besonders 'hingewiesen zu werden. Die Zentralisierung des jüdischen Hilfswerks und die gemeinsame Organisation aller europäischen und außereuropäischen jüdischen Gesellschaften und Komitees, die sich mit dem Hilfswerk befassen^ wird nicht nur von grundlegender Bedeutung für dieses selbst sein, sondern erscheint uns auch als der verheißungsvollste Anfang zu einer jüdischen, allweltlichen Organisation, die früher oder später einmal kommen muß. Chicago braucht noch Juden Im jüdischen „Wecker“ in Chicago wird in einem Leitartikel darauf hingewiesen, daß Chicago moCh größere Möglichkeiten für Einwanderung von Juden bietet. Chicago zählt derzeit ca. 44 Million' Juden und könnte noch ungefähr 150000 Juden aiufnehmen. In dem Artikel wind auch ein genauer Plan entwickelt, wie man die Konzentrierung der Immigration organisieren könne.