Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1919)
- Date
- 1919-10-02
- Page
- Seite 1297-1298 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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1297 VOLK UND LAND 1298 Dampfer, mit der Eisenbahn und dem Automobil in 50 Tagen mit einer mittleren Reisegeschwindigkeit von 300 km pro Tag zurückzulegen. Daraufhin hat das „Air-Ministry“ (Luftministerium) der „Royal Geographical Society“ den von ihm ausgearbeiteben Plan einer Luftverkehrsroute übermittelt, aus dem hervorgeht, daß diese Art des modernen Schmellverkehrs alle Aussicht hat, sich neben dem Landverkehrswege und als dessen Ergänzung durchzusetzen. Der mit großer Umsicht und unter sorgfältiger Berücksichtigung des Geländes, des Klimas, der Bodenbewachsung, der Besiedelung, der Verkehrsverhältnisse und der Möglichkeit von Notlandungen aufgestellte Plan sieht eine Linienführung vor, die stellenweise mit der Landverkehrsroute zusammenfällt. Am schwierigsten wird sich die Wahl der Strecke zwischen dem Süden und dem Viktoria-See gestalten, weil jeder der verschiedenen möglichen Wege wenigstens einen erheblichen Nachteil aufzuweisen hat. Man hofft jedoch, durch eine sofortige Erforschung der projektierten Wege, unter Zuhilfenahme von Flugzeugen baldigst zu einer Lösung dieser Probleme zu gelangen. ln Abständen von wenigen hundert Kilometern sollen zahlreiche Landungsplätze angelegt werden, so daß die Reise in Etappen innerhalb weniger Tage vollendet werden kann. Es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß es britischer Energie in Kürze gelingen wird, den PUjji einer großzügigen Weltverkehrslinie durch den afrikanischen Kontinent in die Wirklichkeit umzusetzen, und es läßt sich nicht verkennen, daß gerade in diesen bisher nur unvollkommen erschlossenen Ländern das neue Verkehrsmittel noch ganz andere Triumphe zu feiern berufen ist, als auf dem Ozean oder in Ländern* die bereits über ein gut ausgebautes Eisenbahnnetz verfügen. Man ist sich in England völlig klar darüber, daß die neue Verkehrslinie sich schnell zu einem der wichtigsten politischen wie wirtschaftlichen Machtfaktoren des britischen Imperialismus ausgestalten wird. Die Kap-Kairobahn würde im Norden Anschluß finden an die Bahn, die quer durch P a 1 ä s t i n a geht, um ihrerseits wiederum an die Bagdadbahm angeschlossen zu werden. Palästina rückt damit aus seiner bisherigen Isolierung in den Mittelpunkt des Weltverkehrs. Ein lehrreiches Beispiel Die „Vossische Zeitung“ läßt sich aus Bern berichten : Der chemische Experte der Vereinigten Staaten, Dr. Edward Worden, ist von einer längeren Studienreise durch die Zentren der chemischen Industrie in Deutschland nach London zurüdkgekehrt und hat der „Times“ folgende Zusammenfassung seiner Beobachtungen zur Verfügung gestellt. Deutschland hat das Problem der Bindung des Stickstoffes für kommerzielle Zwecke in großartigster Weise völlig gelöst. Zukünftig wird Deutschland, soweit landwirtschaftliche Bedürfnisse in Frage kommen, von jeder Blockade unberührt bleiben. Ueberdies können die betreffenden Antagen ohne weiteres zur Erzeugung von Explosivstoffen umgewandelt werden. Im allgemeinen ist die chemische Industrie Deutschlands für den Frieden so vorbereitet, als ob der Krieg nie eingegriffen hätte. Der technische Staib der großen Werke ist beinahe überzählig. Die geschulten Arbeiter scheinen ebenso zahlreich vorhanden zu sein wie je. Die Farbstoff- und pharmazeutische Industrie sind ebenso stark wie je, wenn nicht stärker. Die größte Leistung der Deutschen während des Krieges liegt jedoch in der erfolgreichen Bindung des Stickstoffes für kommerzielle Zwecke im großen. Das Hauptquartier dieser neuen Industrie ist die Haber-Anlage der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Oppau bei Ludwigshafen a. Rh. Diese Ablage wurde nach dem Waffenstillstände gebaut und! beschäftigt nun >000 0000 Arbeiter. Nach völliger Fertigstellung wird sie in der Lage sein. 350 000 t Ammoniak aufzuspeichern zur Umwandlung in Ammoniak- I salze, eine Menge, die genügend ist. alle landwirtschaftj liehen Bedürfnisse Deutschlands zu befriedigen. Im | übrigen ist diese Anlage nur eine von sieben, die sich jetzt j im Bau befinden. Ihr Lagerraum ist ebenso groß wie | die ganze Station von St. Pancras. Vor einigen i Monaten noch befanden sich an der Stelle! dieser Anlage Sümpfe. Heute steht da das komplizierteste chemische Werk, welches ich je gesehen habe. Das Maschinenwerk ist durchaus automatisch. Jedes Gebäude enthält automatische Verbindungswege, während gleichzeitig 3500 Telephone in Betrieb stehen. Am bemerkenswertesten ist die völlige Abwesenheit jeglichen Ammoniakgeruches, Avas beweist, daß die Herstellung des Stickstoffes verlustlos vor sich gehen kann. Der Erfolg der angewandten Methode ist, ohne auf technische Einzelheiten einzugehen, auf die außerordentliche Ausnutzung der Wärme, auf die Anwendung automatischer kalorometrischer Instrumente und auf eine genaue Kenntnis der kritis.hen Temperaturen und Drucke der einzelnen Phasen zurückzuführen. Wir bringen diese interessante Meldung, um zu zeigen, daß es durchaus nicht endloser Zeitläufte bedarf, um aut Oedland große industrielle Betriebe und Siedlungen entstehen zu lassen. Auch in Palästina werden wir eine erhebliche chemische Industrie haben. Je nach dem dahinterstehenden Temperament kann eine solche Entwicklung sehr schnell gehen, aber eventuell auch sehr viel Zeit brauchen. PALAEST1NA Kuriosa Das 38. (jüdische) Bataillon hat dem Museum des „Bezalel“ folgende Geschenke gemacht: Zwei Kanonen, die das Regiment von den Türken im Tischri vorigen Jahres bei den Kämpfen in Es-Salt im Sturme erobert hat; Die Fahne des Regiments und die Fahne der argentinischen Legionäre, die der Legionär Ginsburg ,aus Argentinien mitgebracht hatte; Den Schofar des Regimentes, mit dem am Rosch-haschanah während der Kämpfe an der Front geblasen wurde; Den Cbanuka-Leuchter des Regiments. Die Geschenke, die mit Genehmigung des Colonel Paterson gemacht wurden, haben einen Massenbesuch des Museums zur Folge gehabt. „Hadshoth-Haaretz“ vom 24. August bringen eine Kundmachung des Militärkommandanten von Jerusalem, wonach öffentlich bekanntgegeben wird, daß es verboten ist, an öffentlichen Orten eine andere Nationalhymne zu singen oder zu spielen außer „God save the king.“ In Jaffa hat der Militärkommandant den Druckkereien verboten, bis zum Erlaß einer neuen Verordnung Zeitungen und Broschüren zu drucken und. zu verbreiten. Aus diesem Grunde konnten während der letzten zwei Wochen in Jaffa keine Zeitungen erscheinen. Diejenigen Zeitungen, die eine spezielle Erlaubnis der Regierungen erhielten, haben wieder zu erscheinen begonnen. Jerusalemer Stimmung Dem Kopenhagener Zionistischen Büro Avird aus Palästina berichtet: Das Verbot des Singens der „Hatikwah“ an öffentlichen Stellen in Jerusalem hat begreiflicherweise unter