Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1919)
- Date
- 1919-10-02
- Page
- Seite 1291-1292 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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1291 VOLK UND LAND 1292 und noch zahlreichen anderen Dingen herrscht in der Levante große Nachfrage. Nehmen wir allein den syrischen Markt, der, nebenbei bemerkt, eines der hervorragendsten Handelszentren des nahen Orients zu werden verspricht, so zeigt die Einfuhrliste der Vorkriegszeit Gegenstände wie Zement, Papier zum Einwickeln von Apfelsinen und Zitronen, Kacheln, Fußbodenbelag, Fallen, Eisen und Kurzwaren, künstlichen | Dünger, Behälter für Uhren und Schmucksachen, fertige j Kleidungsstücke, Seidenstoffe, Glaswaren, Baumaterial, j Eisen und Stahl. Es müßte besonders danach gestrebt j werden, den Handel mit Traktoren und anj deren landwirtschaftlichen Maschinen, J die in Syrien und. sonstigen Gegenden sicherlich in j wachsendem Maße nachgefragt werden, durch aus- ' reichende Belieferung sicher zu stellen. Dies würde Vorkehrungen zur Einrichtung von Reparaturwerkstätten j bedingen, da sonst ein Kunde, der seine Maschine nicht j reparieren lassen kann, für immer verloren gehen würde. j Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Bautätigkeit sehr j lebhaft werden und Baumaterial aller Art erforderlich i sein.“ (The Near East, London, vom) 27. März 1919.) j Die ersten entscheidenden Schritte zur Ausnutzung j der sich bietenden Konjunkturen irm Orient haben die i Italiener gemacht. Die Banco die Roma hat in Uebereinstimmung mit dem italienischen Generalkonsulat in j Palästina und mit der italienischen Gesandtschaft für Syrien mit dem Sitz in Beirut bei seinen neuen Niederlassungen in Jerusalem, Beirut, Damaskus und Aleppo Handelsstationen errichtet, um den Ein- und Ausfuhrhandel Italiens mit Syrien und Palästina zu entwickeln. Diese Handelssektionen werden den italienischen Kaufleuten und Industriellen die nötigen Informationen liefern, und in geeigneten Räumen alle ihnen zugesandten Kataloge der italienischen Firmen sowie Warenmuster zur Schau stellen. Sie werden sich für den Anfang (solange nicht ein italienisches Syndikat für die Ein- und Ausfuhr nach und von Syrien und Palästina errichtet ist) auch mit dem dortigen Absatz italienischer Waren und mit dem Ankauf von verfügbaren Rohstoffen (Wolle, Baumwolle, Kokons, Häuten usw.) für Rechnung italienischer Firmen befassen. Geeignete Agenturen der Banco die Roma werden in den Häfen Jaffa, Beirut und Alexandrette die Ein- und Ausschiffung der Waren, die Zollabfertigung und die Weiterbeförderung mit der Bahn besorgen*). Auch andere Länder tun ihr möglichstes, um mit Syrien und Palästina einen engeren wirtschaftlichen Konnex zu gewinnen. In Schweden beabsichtigt die i Orientlinie der Broströmschen Reedereien unter anderem j auch eine besondere Linie nach Alexandria, Jaffa, Beirut und gegebenenfalls allen weiteren Häfen in Syrien zu errichten, die, sobald die Verhältnisse die Wiederaufnahme des Verkehrs in voller Ausdehnung gestatten, den schwedischen Export nach Palästina steigern soll. (Göteborgs Handels-ven Szöfartstelning vom 20. Februar 1919.) { In den Niederlanden wird die Errichtung einer Bankj niederlassuing in Konstantinopel mit Zweigniederlassunj gen io Syrien und Palästina erwogen. Spanische, französische und italienische Exporteure versuchen den Markt zu erobern. Die Ausfallspforte nach dem Orient ist Konstantinopel geworden. Die italienischen Exporteure gewinnen den andern den Vorrang ab. Sie kamen zuerst, nachdem die Einfuhr nach der Türkei erlaubt wurde, in Konstantinopel mit sehr bedeutenden Ladungen, besonders solchen von Geweben aller Art, an. Ganze Schiffe wurden von Konsortien in Form' von schwimmenden | Ausstellungen befrachtet. Erst darauf folgten die Sen- I düngen aus Frankreich; w'ährend Sendungen aus England noch im Rückstand w'aren, kamen spanische Exporteure mit bedeutenden Ladungen von Manufakturwaren, Lederwaren und anderen Artikeln an. (Mitteilun¬ *) Corriere Mercantile, Genua, 28. Juli 1919. gen an den niederländischen Ministerpräsidenten aus Konstantinopel in Handelsberichten - Haag vom 5. Juni 1919.) Alles deutet also auf einen ausnehmend scharfen Kampf um die Eroberung des orientalischen Marktes hin. Auch die Vereinigten Staaten und Japan stehen w'ohlgerüstet auf dem Plan. Eine japanische Handelsmission, bestehend aus 30 Professoren und Geschäftsleuten traf kürzlich in der Absicht ein, die Lage zu studieren, und, wenn möglich, große Lieferungsverträge abzuschließen. Die Amerikaner tun das Ihrige, um im Orient eine ihnen gebührende Stellung zu erobern. Die amerikanische Handelskammer in Konstantinopel, die immer schon die Zentrale für die Förderung des amerikanischen Handels war (der amerikanische Vize- General-Konsul Judelssohn ist Gesinnungsgenosse) hat ihre durch den Krieg unterbrochene Tätigkeit wieder aufgenommen. Amerikanische Geschäftsleute, die sich für die Levantemärkte interessieren, werden aufgefordert, sich mit der Handelskammer in Verbindung zu setzen, um den amerikanischen Handel auf die Länder der Türkei auszudehnen, die alle neuem Aufschwung entgegengeheu. Nach den Mitteilungen der New York Times ist eine neue Handelsgesellschaft, American Foreign Trade Corporation, in Bildung begriffen. Das Kapital beträgt 20 Millionen Dollar. Gegenstand der Gesellschaft ist Handel mit der Levante. Der Hauptsitz ist Konstantinopel, Filialen werden errichtet in Smyrna, Armenien, Syrien, Palästina und den Bezirken am1 Roten Meere, von wo die Waren teilweise per Karawane nach Konstantinopel gebracht werden sollen. Unter den Interessenten befinden sich die Tobacco Product Corporation und eine Anzahl großer amerikanischer Handelsfirmen. Angesichts dieses bevorstehenden Wirtschaftskampfes um den Orient wird die Frage, welchen Vorsprung die Mandatarmächte in den ihnen zugeteilten Gebieten vor den andern haben, von großer aktueller Bedeutung. Diese Frage wurde im englischen Palament vom Deputierten Wedgwood Benn im Unterhaus angeschnitten. Im Anschluß an die Erklärungen des Unterstaatssiekretärs für die Kolonien, Oberst Amery über die Schritte, welche vorgenommen werden, um die Naturschätze der neuen Gebiete, die der Verwaltung des britischen Reiches seit kurzem unterstellt wurden, zu erforschen und nachzuprüfen, richtete das obengenannte Unterhausmitglied die Frage an den Unterstaatssekretär, ob alle Länder gleicherweise berechtigt seien, mit den Mandatsgebieten Handel zu treiben. Die Antwort lautete, der Unterstaatssekretär habe gehört, daß das in Frage stehende Mandat auf Grundlage der Gle icbbegü n stigung aller Nationen erteilt worden sei. („The Times“, London, vom 24. Juli 1919.) Diese Nachrichten führen eine recht deutliche Sprache. Ob es uns angenehimi ist oder nicht, der vordere Orient befindet sich in einem wirtschaftlichen Aufschwung, und Palästina läßt sich nicht aus diesem Länderkonnex ausscheiden. Das Verkehrswesen, durch außerwirtschaft liehe Gründe gehoben und entwickelt, harrt seiner Ver Wendung. Das Blut des wirtschaftlichen Verkehrs, das Geld, ist in einem Maße im vorderen Orient gesammelt der eine ernste wirtschaftliche Entwicklung ermöglicht. Der Hunger nach Absatzmärkten und neuen Rohstoffgebieten — alles trifft zusammen, um diese wirtschaftliche Entwicklung nicht jnur möglich, sondern auch unumgänglich zu machen. Die Frage ist es nur, ob in Palästina Juden die Träger dieser Entwicklung werden sollen oder ob Armenier, Griechen und Araber die Trägerrolle übernehmen. Für die zionistische Organisation ergibt sich daraus die gebieterische Notwendigkeit, ein bestimmtes Verhältnis zu diesem Problem zu gewinnen, eine ihr eigene, zielbew'ußte Handelspolitik zu inaugurieren. Ausführlich über diese Handelspolitik ein anderes Mal. Hier sollen nur einige Punkte festgehalten werden. Selbstverständlich kann es sich nicht darum handeln, daß die Zionisten die eine konkurrierende Macht auf die Kosten einer andern fördern, indem: sie sich in den