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Volk und Land · 1919-10-02 · Heft 40-41 (2.10.1919) · p. Seite 1287-1288

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 40-41 (2.10.1919)
Date
1919-10-02
Page
Seite 1287-1288 (sequence 24)
Language
German
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1287---- -.T. :r.. VOLK UND LAND --- - -^-;-^ 1288 iiii(!iii[iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iii[iiiiiii:iii,'i:iiiiiii.iiii;iiiii,'iiiiiiiiiiiiiiiiiii:iiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiii{iiimiiiiii!iiii!!iiiiiiiiiiiiiii!;:mmiiiiii.,iiii ii||:i!imimimiiimiim»iimiiiiiii»iii.,!!mimiiiiiiiiii[iiimiH!iiiiiiiimiiiiiiimimiiiimMiiig | ------= REFERATE ' ..-^:= | 1 I I Tr ZIONISTISCHE BEWEGUNG Dr. Victor Jacobson Es war Mitte des Jahres 1906. Die zionistische Bewegung, schwer wund noch vom Verluste ihres Führers, zitternd unter der Nachwirkung des Uganda- Konfliktes, stand — wer kann sich das heute noch vorstellen? — im Kampf mit dem Territorialismus. In dem neu geschaffenen siebengliedrigen Engeren Actions- Comite unter Leitung David Wolffsohns waren die Meinungen geteilt, wie man sich diesem Gegner gegenüber verhalten sollte. Die Mehrzahl war für eine „klare“ Stellungnahme: Wenn möglich, Verständigung mit Zangwill, sonst aber Kampf gegen ihn. Ussischkin war es, der sich mit der ganzen Leidenschaft seiner Persönlichkeit gegen beide Extreme wandte. „Es gibt einen dritten Ausweg“, sagte er, „intensivste Arbeit in Palästina“, und verlangte mit äußerstem Nachdruck die Stärkung der Position der Palästinabank, der Anglo Palestine Company. Dank seiner oft berufenen „Starrköpfigkeit“ wurde der Beschluß gefaßt, eine Filiale der A. P. Cin Beirut zu gründen. Zum Direktor dieser Filiale wurde Dr. Victor Jacobson berufen. Damit trat ein Mann in eine leitende Position in die zionistische Organisation, der ihr schon seit langem gedient und der er seine organisatorischen Fähigkeiten als Mitglied des russischen Zentralkomitees und des Großen Actions-Gomites bereits nutzbar gemacht hatte. Dr. Victor Jacobson ging nach Beirut und hat seine Aufgabe dort vom ersten Tage an gleich in einer Weise aufgefaßt, die bis dahin in der zionistischen Organisation unbekannt war. Es war damals nicht gerade sehr leicht, Filialdirektor der A. P. C. zu sein. Sowohl die politische wie die finanzpolitische Leitung der Organisation standen der Palästinaarbeit skeptisch oder gar mißtrauisch gegenüber. Die große Angst vor dem Verlust der paar Mittel, die man besaß, beherrschte die ganze Politik, und da die große Idee fehlte, fehlte auch der Glaube an die Begeisterung, die es ermöglicht hätte, beim Volke die Vervielfachung dieser Mittel zu verlangen. So war Dr. Victor Jacobson darauf angewiesen, im engsten Rahmen und in ständigem Kampf um sein Budget, eine Position zu entwickeln, von deren finanzieller und politischer Bedeutung er damals schon aufs tiefste überzeugt war und von der er im voraus wußte, daß sie entwickeln und aufbauen die Verankerung der zionistischen Bewegung an einem- Punkte bedeutete, der von größter Wichtigkeit für unsere ganze Politik werden mußte. Vom ersten Tage seines Wirkens in Beirut hat Herr Dr. Jacobs-on die politische Seite seiner Aufgabe begriffen. Er sah ein, daß es sich darum handelte, an diesem- Zentrum des Arabertums ein jüdisches Zentrum zu schaffen, und er hat auch vomersten Augenblick! anerkannt, wie nötig es war, sich mit den Arabern zu verständigen, wenn man sich ihnen gegenüber behauptenwollte, ln Beirut wurden von Dr. Jaoobson die ersten Fäden gelegt zu einer arabischen Politik der Zionistischen Organisation, wurde zum1 erstenmal systematisch versucht, arabische und jüdische Forderungen gegeneinander abzuwägen, arabische und. jüdische Bedürfnisse aufeinander einzustellen. Es wirkt verblüffend, wenn man heute nachliest, wie genau .Dr. Jacobson die politische Entwicklung vorausgesagt hat, .wie er immer wieder verlangte, daß seiner Filiale eine größere Wirkungsmöglichkeit gewährt würde, damit er imstande sei, der Bank die Bedeutung zu verschaffen, die sie für unsere Politik brauchte und/ die ja damals leicht zu erringen war. Statt dessen mußte er sich mit einem Direktorium herumqaälen, das ihm immer und immer wieder Vorhaltungen wegen zu großer Expansion machte, das seinen Kredit aufs Aeußerste beschränkte und das in völliger Verkennung der Bedeutung des Mannes und der Bedeutung seiner Aufgabe ihm oft gegenüberstand wie der Lehrer mit dem Prügel dem Schüler. Dr. Jacobson ließ sich nicht irremachen. Unter seiner Leitung wurde die Filiale der A. P. C. in Beirut ein blühendes Unternehmen, voll der größten Zukunftsmöglichkeiten, und es bleibt ewig bedauerlich, daß die Kurzsicht der Finanzlcitung der Zionistischen Organisation es fertiggebracht hat, nach dem1 Abgang Dr. Jacobsons diese glänzende Entwicklung abzuschneiden. Wie gut (vväre es^ wenn wir heute statt einer kleinen Bankfiliale ein großes Institut in Beirut hätten, in der Stadt, die inzwischen zum- Stützpunkt der antizionistischen Politik im Orient geworden ist! Dr. Jacobson war es auch, der immer wieder darauf drängte, daß der zionistischen Politik ein Zentrum, im Mittelpunkt der Türkei geschaffen werde, und seinen unablässigen Vorstellungen ist die Einrichtung der Konstantinopler Abteilung des Engeren Actions-Gomites zu verdanken. Es war selbstverständlich, daß zu ihrem Leiter Dr. Victor Jaoobson /berufen wurde. Es ist -heute n-och nicht an der Zeit, auf die Bedeutung der Arbeit Dr. Jacobsons in Konstantinopel einzugehen. Es war sicher die undankbarste und schwierigste Aufgabe, die jemals innerhalb der Zionistischen Organisation zu leisten war. Die Bewegung war unter der Dürre des Wolff9ohnschen Regimes äußerlich klein und innerlich ohne Schwung. Es war eine Zeit, wo der Zionismus »den Zusammenhang mit den geistigen Strömungen innerhalb und außerhalb des Judentums fast verloren hatte, wo man sich ängstlich an die Erhaltung der Organisation klammerte und/ darin schon eine grandiose Leistung sah, woman nichts zu geben hatte und (nichts zu fordern wagen konnte. Beziehungen bestanden nicht; die paar Fäden, die man noch von Herzl übernommen hatte, waren längst zerrissen — es waren niemals viele, und sie waren niemals stark gewesen. Alles mußte neu geschaffen werden, nicht nur die Instrumente der Politik, sondern ihre Grundlage, und alles war sozusagen gestellt auf die zwei Augen des einen Mannes in Konstantinopel. In langsamer systematischer Tätigkeit hat damals Dr. Jacobson nicht nur ein Fundament gelegt für eine Arbeit, die, wenn sie hätte ausreifen können, es zuwege gebracht hätte, auch unter türkischem Regime zu einer möglichen Realisierung unserer Bestrebungen zu gelangen, sondern die auch von Anfang an sich auf alle Möglichkeiten einrichtete. Sie stellte den. Grundsatz auf und verfocht ihn gegen alle Anfeindungen, daß eine Bewegung wie die zionistische mit der Sympathie aller in Frage kommenden Faktoren rechnen und bestrebt sein müsse, Anschluß zu finden an alle Strömungen, die der nationaljüdischen Bewegung parallel liefen. Dr. Jacobson empfand die ungeheure Modernität der zionistischen Bewegung. Er sah, wie sie im- Zuge der Zeit lag, uni daß es nötig und möglich war, sich mit der allgemeinen Entwicklung zu verbünden. Darum auch war seine Politik von Anfang eingestellt auf den Grundsatz der absoluten Aufrichtigkeit und Offenheit allen Faktoren gegenüber, mit. denen verhandelt wurde, auf jene Politik*, die sich in ihrer Reinlichkeit und Geradheit später im Kriege so außerordentlich bewährt hat. Dem Anschluß an die Strömungen außerhalb entsprach die Verbindung mit dem Geistigen im Judentum. Das war das eigentlich' Neue der Politik Dr.

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