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Volk und Land · 1919-10-02 · Heft 40-41 (2.10.1919) · p. Seite 1285-1286

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 40-41 (2.10.1919)
Date
1919-10-02
Page
Seite 1285-1286 (sequence 23)
Language
German
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1285 ~= -: ■ VOLK UND LAND ■= - .= -?—= 1286 laufen habe. Dies sei nötig, um die gegenwärtige Lage zu verstellen und um zu begreifen, was erreicht worden ist. Vor 22 Jahren habe Herzl auf dem 1. Zionistenkongreß die Formel der „öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“ aufgestellt. Jahre hindurch haben die Zionisten sich mit der abstrakten Proklamierung dieser Formel zufrieden gegeben. Später aber fand Herzl es für nötig, eine genauere Interpretation seiner politischen Theorie zu geben. Die abstrakte Formet bedurfte einer konkreten Form, die Herzt ihr auf dem 3. Kongreß durch die Entwicklung des Charter-Projektes gab. Die Charteridee war einige Jahre hindurch prädominierend, bis Herzl auf einem der folgenden Kongresse offen erklärte, daß man bei den Verhandlungen mit der Türkei auf eine „eiserne Wand“ gestoßen sei. Das bedeutete, daß es unmöglich war, von dieser Macht die notwendigen Konzessionen zu bekommen. Herzl und das jüdische Volk verzweifelten nicht, sondern man suchte andere Mittel, um Palästina zu erreichen. Die Logik de,r Tatsachen führte zu intensiver Arbeit in Palästina selbst. Es gab Meinungsverschiedenheiten bezüglich dier Methoden. Im Prinzip aber war man einig. Die Arbeit, die dann in Palästina geleistet worden ist, hatte sowohl moralischen, wie materiellen Erfolg. Die hebräische Sprache begann ihre Renaissance zu erleben. Erziehungsinstitute wurden in Palästina gegründet, die Kolonien gediehen und der Jischuw im allgemeinen entwickelte sich. So war die Lage, als der Krieg ausbrach. Damals haben viele geglaubt, daß die zionistische Bewegung die Erschütterungen, denen sie ausgesetzt war, nicht überstehen könne. Man hat aber alle Kräfte zusammengenommen, die Arbeit fortgesetzt und mehr erreicht, als man erwarten konnte. Die Arbeit jener Jahre kulminierte schließlich in der historischen Erklärung Balfours. Was war die eigentliche Meinung der Balfourschen Erklärung? Sie hat zahlreiche Interpretationen gefunden. Ein hungriges Volk, das — seit Jahrhunderten von seinem Lande vertrieben — sehnsuchtsvoll seine Wiederherstellung erhofft, hat in die Deklaration die Erlösung des jüdischen Volkes hineingelesen. Es hörte in ihr die Fanfare des Messias. In gewisser Beziehung war es hierzu auch berechtigt. Denn es war der Beginn der Erlösung, wenn auch nicht die Erlösung selbst. Die Juden auf der ganzen Welt haben die Bedeutung der Erklärung verstanden. Zum erstenmal in der Geschichte hat eine Großmacht die jüdische Forderung auf Palästina anerkannt und die Möglichkeit zur Erfüllung dieser Forderung verheißen. Es muß hier ausdrücklich betont werden, daß die britische Regierung ihr Versprechen aufrichtig gemeint hat, und daß sie vollständig an der Politik festhält, die in der Balfourschen Deklaration zum Ausdruck gelangt Palästina wird eine jüdischnationale Heimstätte werden. Was man von der britischen Regierung erhalten hat und was von allen anderen Mächten anerkannt worden ist, ist nicht weniger als das, was man von der Türkei forderte, als man den Charter zu erlangen suchte. Großbritannien gibt dem jüdischen Volk talle Mittel, um Palästina zu einer jüdischen nationalen Heimstätte zu machen. Dr. Weizmann beschäftigte sich dann ausführlich mit all den Erfordernissen, die wesentlich sind, um Palästina zu einer jüdischen Heimstätte zu machen: Land, öffentliche Arbeiten usw. Er wiederholte, daß zunächst der .Boden in Palästina aufnahmefähig für die jüdischen Ansiedler gemacht werden muß. Er setzte auseinander, daß es im. gegenwärtigen Augenblick keinen freien Boden in Palästina gibt und daß verschiedene Gesetze angenommen werden müßten, um nicht mit dem rechtmäßigen Eigentumsrecht in Konflikt zu geraten, und um die jüdischen Landwirte in den Stand zu setzen, das jetzt brachliegende Land zu übernehmen. Dann wieder sei es notwendig, die Kontrolle über die öffentlichen Arbeiten zu haben. Durch Verbesserung der Wasserkräfte des Landes würde man eine Quelle für die Entwicklung der Industrien bekommen und auf diese Weise eine Grundlage für eine große städtische Bevölkerung schaffen. Auf die Frage, ob diese wesentlichen politischen Bedingungen den Zionisten gegeben werden würden, könne er antworten, daß er den festen Glauben daran habe, daß diese Bedingungen den Zionisten gewährt werden und daß sie in nicht langer Zeit imstande sein werden, mit d'ein Aufbau der jüdischen nationalen Heimstätte zu beginnen. An der Leitung sei vielfach Kritik geübt worden,; weil sie nicht einen jüdischen Staat erhalten habe. Es gibt Leute die glauben, ein jüdischer Staat könne durch; Artikel in Zeitungen aufgebaut werden. Ein Staat kann aber nur durch harte Arbeit, durch Organisierung von Menschen in diesem besonderen Territorium aufgebaut! werden. Es wäre leicht für die Leitung gewesen, eine heroische Geste auszuführen und etwas Unerreichbares j zu verlangen. Es sei möglich, daß man mit einer solchen Geste für den Augenblick den Enthusiasmus aller Juden erregt hätte, der aber sehr rasch verflogen j wäre. Denn es wäre bald klar geworden, daß es in i der Tat sehr heroisch war, so hohe Forderungen zu j erheben, aber daß man nichts erhalten hätte. Solch i eine Handlungsweise hat nichts Staatsmännisches an ) sich. Die Leitung hat einen jüdischen Staat nicht gefordert, nicht nur deswegen, weil man ihn nicht bekommen hätte, sondern auch deshalb, weil man nicht vorbereitet ist, unter den gegenwärtigen Verhältnissen einen jüdischen Staat auf sich zu nehmen. Herzl hat keinen jüdischen Staat, sondern einen Charter gefordert. Von Großbritannien hat man alle die Konzessionen und mehr erhalten, die von der alten Türkei nicht zu bekommen waren. Dr. Weizmann besprach dann die Frage der Einwanderung nach Palästina und betonte die Notwendigkeit einer Kontrolle der Einwanderung in das Land. Es sei unmöglich, die Grenzen Palästinas jetzt für die Einwanderung von Juden zu öffnen, die in panischem Schrecken aus Osteuropa fliehen. Es ließe sich gut schreiben und sprechen über eine Millioneneinwanderung nach Palästina. Aber was würde das Resultat eines solchen Zustromes sein? Tausende würden an Hunger und Krankheiten sterben, und dann würde man die Zionisten für ein derartiges Unglück, das ohne Parallele in der jüdischen Geschichte wäre, verantwortlich machen. Die Einwanderung muß kontrolliert werden gemäß den Möglichkeiten des Landes. Kritik sei auch an der Zionistischen Leitung geübt worden, weil sie angeblich zu viel Geld ausgebe. Es sei aber offenbar leichter, irgend eine philanthropische Gesellschaft zu unterhalten, als die Zionistische Organisation im Gange zu halten. Sie habe alle' Arbeiten eines Staates auszuführen, ohne aber einen Staat hinter sich zu haben. Was die Lage der jüdischen Legionäre in Palästina betrifft, so sei es richtig, daß ihre Lage nicht besser sei ,als die Lage der Juden Irgendwoanders in der Welt. Um einen entlassenen Soldaten anzusiedeln, seien 800 £ nötig. Man habe die Mittel bekommen, um 100 jüdische Legionäre anzusiedeln. Wenn der Erfolg nicht größer war, so liegt das ausschließlich an dem Mangel an finanziellen Mitteln. Gegen die Verwaltung in Palästina seien viele Klagen vorgebracht worden, und er müs.se zugeben, daß diese begründet seien. Es sei eben ein erheblicher Unterschied zwischen iden Worten zu Hause und der Tat draußen an Ort und Stelle, und die Verwaltung werde vielleicht auch weiterhin nicht zufriedenstellend sein, bis die jüdische Bevölkerung in Palästina so groß ist, daß sie einen heilsamen Wechsel bewirken kann. Zum Schluß erklärte Dr. Weizmann, er warte ruhig das Urteil des nächstem Zionistenkongresses über die Aktionen der Leitung ab. Der Kongreß werde in der Lage sein, ihre Arbeit zu verurteilen oder sie anzuerkennen, . .

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