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Volk und Land · 1919-10-02 · Heft 40-41 (2.10.1919) · p. Seite 1283-1284

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 40-41 (2.10.1919)
Date
1919-10-02
Page
Seite 1283-1284 (sequence 22)
Language
German
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1283 VOLK UND LAND 1284 Der Umfang der Einwanderung. Dr. Weizmanu habe mitgefeilt, daß selbst bei seiner düsteren Auffassung des jüdischen Rechtes in Palästina die Einwanderung nur ein paar tausend Menschen pro Jahr betragen könne. Er (Mr. Z a n g w i 11) wundere sich gar nicht, daß Dr. Nord au aus der Verbannung dagegen protestiert habe, indem er den Grundsatz aufstellte, daß die Größe der Bevölkerung die einzige Quelle für Arbeit und Wohlstand sei. Eine Emigration im vorgeschlagenen Ausmaß würde die arabische Vorherrschaft für lange Zeit unangefochten lassen, jeder Verzug jedoch sei 'gefahrbringend. Es sei ja richtig, daß das Land saniert werden müsse, und daß die ersten Einwanderer einer sorgfältigen Auswahl unterzogen werden müßten. Aber das sei doch noch kein hinreichender Grund dafür, daß der ganze Plan nicht großzügig behandelt werden könne. Vielleicht macht Dr. Weizmann den Fehler, mit den augenblicklichen Hilfsquellen zu rechnen, statt mit denen, welche in Zukunft zur Verfügung stehen werden. Es sei eine undankbare Aufgabe, einen so mit Arbeit überlasteten Mann zu kritisieren, dem die Bewegung obendrein so viel schulde. Er sei hocherfreut darüber, daß sich Dr. Weizmanin nicht widerspruchslos dem unklugen Versuch der Landesverwaltung unterworfen habe, die Juden vollkommen als Kinder zu behandeln und daß er der Bewegung den größten Städtebauer der Welt, Professor Patrick Ged de s, verpflichtet habe, um die Lage zu überwachen. Mögen diesem Beweise kräftiger Initiative andere folgen. Er könne Dr. Weizmann nur das Wort Mosches an Jehoschuah zürnten: „Sei stark und mutig, denn du sollst die Kinder Israel in das Land führen, das ich ihnen zuigeschworen habe, und ich will mit dir sein!0 Wenn in diesem Augenblick, wo die Welt neu gebaut wird, der Zionismus entweder durch eigene Fehler oder durch solche der britischen Regierung nicht etwas Positives erreicht, so würden die jüdischen Massen sich zwiefach vierraten fühlen. Denn der Zionismus habe vor der Friedenskonferenz dadurch freies Feld! gewonnen, daß die ITO keinen rivalisierenden Plan der Pariser Versammlung vorgelegt hat. Die ITO habe die Gelegenheit ungenützt gelassen, iigendwelche andersgearteten Wünsche an Großbritannien, Kanada, Australien oder sogar Amerika zu richten. Die Aufgabe, eine endgültige Regelung der jüdischen Frage herbeizuführen, hat bisher ausschließlich dem Zionismus obgelegen. Dieses aber muß der Bewegung und Mr. Balfour eine doppelte Verantwortung auferlegen. Sie müßten zusehen, in dieser Frage unter allen Umständen durchzuhalten. Eine französisch-katholische Intrige. Er wolle auch wiederholen, daß die antizionistische Agitation lediglich in französisch-katholischem Interesse sei. Soweit der Papst daran beteiligt sei, würde sich dies als Tadel gegen ihn selbst richten, da er Mr. S ok ol o w versprochen habe, ein jüdisches Palästina zu begünstigen. Frankreich verlangt, daß, wenn England das Mandat über Palästina erhalte, Frankreich das über Syrien zugesprochen werde. Aber beide Forderungen ständen nicht auf demselben Rechtsboden. Die Mehrzahl dler Juden wünsche, daß Palästina britisch wird. Die Mehrzahl der Syrier wünsche aber keineswegs, französisch zu werden. Das seien die einfachen Tatsachen. England ist beschuldigt worden, gegen Frankreich zu intrigieren. Aber die besten Kenner Syriens erklären, daß das Land von einer französischen Oberherrschaft nichts wissen wolle. Wenn die Entscheidung ausschließlich auf der Basis des Geheim Vertrages erfolgen solle, so sei Frankreich zweifellos im Recht, seine Ansprüche geltend zu machen, und England sei verpflichtet, ihm zu ihrer Erlangung zu verhelfen. Dann aber sollte es gestattet sein, rund heraus zu erklären, daß diese Länder einfach als Kriegsbeute verlost werden. Es sei jedoch einleuchtend, daß im Augenblick, wo Amerika in den Krieg eintrat, um sein Gerechtigkeitsideal zu verwirk- | liehen, dieser Geheim vertraggegenstandslos geworden sei. Frankreich wäre ohne Amerikas Hilfe zugrunde gegangen und müsse sich wohl schon dazu bequemen, Wilsons Ideal anzuerkennen. Wenn aber schon das alte Prinzip der Kriegsbeute in Anwendung gelangen soll, so möge nicht vergessen werden, daß man einen nicht geringen Teil der Eroberung Palästinas den Juden verdankt. Abgesehen von den jüdischen Bataillonen, die den Feldzug mitgemacht haben, seien die britischen Streitkräfte wesentlich durch die .einheimischen Judlen gefördert worden. Die Familie des nicht genug zu beklagenden Agronomen Aronsohn habe sich um das englische Heer besonders durch ihre Führung verdient gemacht, und eine Tochter dieses Hauses sei eine Nationalheldin geworden dadurch, daß sie sich lieber erschoß, als daß sie militärische Geheimnisse an den Feind verriet. Wenn nach allen diesen Opfern und Hoffnungen die Juden, sei es durch zionistische Stümper oder durch christliche Rancune weder in der Lage sein werden, jetzt einen Staat zu schaffen, noch die Garantien dafür aufzubringen, daß er in Zukunft geschaffen werde, wer mag da die Folge solch einer Enttäuschung ermessen? Sei die Welt noch nicht erfüllt genug von verzweifelten Gemeinschaften, dem besten Dünger für Anarchie und Chaos? Der Schatten des Schwertes. Sollen die Juden noch einmal 2000 Jahre unter dem Schatten des Schwertes leben? Jederzeit eine Beute für fanatische „booligans“, ohne die Spur einer Hoffnung im Herzen für das Herannahen einer sicheren und besseren Zukunft? Das sei das eigentliche Problem' und dieses Problem habe der Zionismus lösen wollen. Eine andere Deutung sei nicht zulässig. Das Heranwachsen einiger hunderttausend hebräisch sprechender Juden sei zwar ein interessantes Schauspiel, könne aber nicht jene radikale Umwälzung im jüdischen Leben herbeiführen, für welche die Schöpfer der Bewegung gearbeitet haben. Solch ein Ziel würde eine Art Luxus darstellen, das jüdische Volk aber kann sich jetzt keinen Luxus leisten. Es gebe dringendere Fragen, die im Augenblick gelöst sein wollen. Ohne die unerläßlichen Bedingungen würde er für die Zurückweisung Palästinas stimmen. Möge England es mit Elefanten erobern oder mögen die Araber fortfahren, den Boden mit ihrem primitiven Pflug aufzukratzen, während das Fieber die Einwohner Palästinas dahinrafft und die Steine ihre Felder unfruchtbar machen, möge der Papst auf diese Reliquie starren, die von den Ungläubigen nicht entweiht wurde, und möge das Kreuz fernerhin das Kennzeichen christlichen Hasses bleiben. Die Juden würden daraus nur, von der Wirklichkeit gezwungen, aufs neue die Lehre ziehen, daß sie allein stehen, und daß nur durch sie selbst ihnen, Rettung erwachsen könne. Er wolle aber nicht mit einer so pessimistischen Aussicht enden. Noch sei es Zeit, ein freies und volkreiches Palästina zu verwirklichen, und er hoffe, daß Dr. N o r d a u bald unter ihnen sein möge, um den Weg nach Zion heller und lichter zu gestalten. Dr. Weizmann über die Lage Das „Kopenhagener Zionistische Büro“ berichtet: Das vom Zentralbüro der Zionistischen Organisation in London herausgegebene Zionist Bulletin berichtet in Nummer 5 vom 9. September ausführlich über die Rede Dr. Weizmanns in der Massenversammlung, die von der English Zionist Federation am 3. September in London veranstaltet wurde. Dr. Weizmann führte aus, es sei an der Zeit, eine Erklärung über die gegenwärtige Lage des Zionismus abzugeben. Bevor er auf die gegenwärtigen Ereignisse eingehe, beabsichtige er, einen kurzen Ueberblick über die zionistische Bewegung zu geben und die verschiedenen revolutionären Phasen aufzuzeigen, die sie durch-

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