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Volk und Land · 1919-10-02 · Heft 40-41 (2.10.1919) · p. Seite 1279-1280

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 40-41 (2.10.1919)
Date
1919-10-02
Page
Seite 1279-1280 (sequence 20)
Language
German
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VOLK UND LAND 1279 Haut des Volkes geschnitten. Jetzt hat die türkische Rechtspflege, die eine Unrcchtspflege war, aufgehört und die Richter werden jetzt ohne Bestechung auch dem Armen zu seinem Rechte verhelfen, — eine unerhörte Neuerung, der Anfang vom Ende für die Effendiklasse. Wenn der Fellaeh soviel Boden behält, wie er bearbeitet, wenn er nicht mehr der Sklave des Effendis ist, und von den Juden neue Methoden der Bodenkultur erlernt, wenn er durch guten Absatz seiner Produkte an die vielen Einwanderer in den Städten aus seiner großen Armut herauskommt, so wird er zufrieden sein 'und niemals die alte Zeit zurückwünschen. Daß ein Teil der armen Bevölkerung während des Krieges durch Hunger umkatm, ein großer Teil durch Not und Mangel unterernährt und an den Rand des Grabes gebracht wurde — wem ist es zu verdanken, als den Effendis und ihren bereitwilligen Freunden und Helfern; den Beamten? Palästina hat ja im Frieden Getreide, Wein, Oliven, Orangen und andere Nahrungsmittel in großen Mengen exportiert und doch war im Kriege, in dem jeder Export aufhörte, ein Mangel und eine Höhe der Preise da, von denen man sich in Europa keine Vorstellung macht. Warum? Weil die Effendis das Getreide aufkauften, — rationiert war ja doch nichts, unter staatlicehr Bewirtschaftung 1280 stand nichts — und dann erzählten sie dem Publikum, daß die Armee alles konsumiere! Und dabei hungerten die Soldaten mehr als die Zivilisten! Denn das für sie gelieferte Getreide wurde von den Beamten und Offizieren gestohlen und an ihre Freunde, die Effendis, verkauft. Sie selbst, diese ganze Clique, lebte herrlich und in Freuden, alles hatte sie zu Hause aufgespeichert — tant de provisions, rühmte sich einer mir gegenüber! Nur die Effendis, die ihre grobe Unwissenheit unter französischer Konversation und äußerer europäischer Eleganz zu verbergen suchen, die niemals selbst gearbeitet haben, sondern sich nur vom Schweiße der Armen mästeten, diese Herren allerdings protestieren! Wahrscheinlich im schönsten Einvernehmen die Christen, die noch zum Ueberf hiß Von den Pfaffen auf gehetzt sind, und die Mohammedaner, die mit ihnen einen letzten krampfhaften Versuch machen, ihre „wohlerworbenen“ Schätze und Rechte zu schützen. Wo die bisherige jüdische Kolonisation Schwierigkeiten hatte, wo Grenzstreitigkeiten und Ueberfälle durch Nachba n vorkamen, fast ausnahmslos steckten die Effendis dahinter. Die Engländer haben schon mit manchem aufgeräumt, sie haben die Staatsgewalt und werden auch mit diesen destruktiven Elementen fertig werden. giiiiiiiii»')iiiin»)iiii»)iiii»iii»iiiiini)iiiiiiiiii)iiiiiiiiii)iiiiii)iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiii)ii)iiiiiiiiiii)iiiiiiiiiniiiii!iiiiiinii)iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii»iiiiiiiiii»iii:miiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiii)i)iiiiiim))ii)iii)iiiiii)miiiinuiiiiimiimmmimiiig || STIMMUNGEN UND MEINUNGEN --- | Aus einer Rede Israel Zangwills Am 15. September veranstaltete die English Zionist Federation zu Ehren Max Nordaus ein Massenmeeting, dessen Hauptredner neben Schmarjahu Levin und Prof. Yahuda Israel Zangwiil war. Wir geben im Folgenden die politisch bedeutsamen Teile seiner Rede nach dem „Zionist Bulletin“ wieder. Englands Versprechen Skeptiker und Zyniker sagten, daß die Zusage der Regierung an den Zionismus zu einer Zeit gemacht worden sei, in der es mit den Kriegsaussichten schlecht stand und daß nunmehr, nachdem England von der Sympathie profitiert hat, die es mit diesem Versprechen erweckt hat, es nicht mehr zu bedeuten habe als ein Fetzen Papi-er. Die so sprechen, sind sich wohl kaum bewußt, wessen sie England damit bezichtigen. Danach wären Millionen unglücklicher Juden, deren Leben ein unerwarteter »Hoffnungsstrahl erhellt hat, einfach geprellt worden jj'nd ihre Leiden wären nach dieser Theorie nusgebeutet worden von der größten Macht der Gegenwart (und das im Augenblick ihres höchsten Triumphes. Die Juden Oesterreichs haben mitten im Kriege zu erklären gewagt, daß England mütterlicher an ihnen handle, als ihr eigenes Heimatland. Die antienglische Opposition der drei Millionen amerikanischer Juden, hervorgerufen durch das Bündnis mit Rußland, hat sich in Sympathie und Bewunderung gewandelt. Nach der Meinung der Zyniker wäre also England bereit, dieses sein gewaltiges Prestige einzutauschen gegen eine moralische Bankrotterklärung und das ausgerechnet in dem Augenblick, in welchem der Völkerbund die Möglichkeit allgemeinsten Vertrauens in Englands Ehrhaftigkeit und guten Willen erfordert. Er (Zangwiil) glaube nicht einen Augenblick daran, daß England je so niedrig und töricht handeln werde. Zwar habe das Vorgehen der Militärverwaltung in Palästina zynischem Verdacht einen geringen Schein von Recht gegeben, denn sie bevorzugte jedes Element der dortigen Bevölkerung, ausgenommen das jüdische, aber das sei zweifellos eine Folge dr Eingeborenen-Unruihen in Aegypten, und die britische Regierung habe der palästinensischen Verwaltung bereits zu verstehen gegeben, daß ein Abweich'en vom gegebenen Wort unmöglich sei. Er sei der Ansicht, daß binnen kurzem: ein tüchtiger und angesehener jüdisch-englischer Militär, der sich im: Kriege bereits die Sporen verdient hat, als eine Art „Verbindungsoffizier“ zwischen der zionistischen und der Landesverwaltung nach Palästina zurückkehren werde. Tatsache bleibe doch, daß sowohl das englische wie das jüdische Interesse und darüber hinaus das Interesse der allgemeinen Zivilisation die Errichtung eines ordentlichen Staates an der Stelle verlange, wo Europa, Asien und Afrika aneinandergrenzen. Wenn aber die Juden diesen Staat nicht schaffen sollten, so vermöge er uicht zu sehen, -woher man in diesen Zeiten verminderter Hilfsquellen und vernichteter Menschenkraft hinreichende Mittel und den noch nötigeren Schwung hernehmen wolle, um eine malariaverseuchte Halbwüste in ein blühendes Land zu verwandeln. Die Araberfrage Vor einigen Generationen bereits lenkte der beste Engländer seiner Zeit 'seine Gedanken auf einen britisch-jüdischen Staat. Es war der berühmte Philanthrop Lord Shaftesbury, der zuerst gesagt hat: „Gebt das Land ohne Volk demi Volk ohne Land!“ Man höre jetzt viel von den etwa 600000 arabischen Einwohnern des Landes. Aber widerspreche diese Tatsache Shaftesburys These? Einwohner sind noch kein Volk. Und was haben diese Einwohner denn bisher anderes geleistet, als daß sie unterm türkischen Regime geholfen haben, das Land) zu zerstören? Wo sind denn ihre Städte, ihre Wasserleitungen, ihre Gebäude, ihre Bahnen, ihre Schulen, ihre Kultur, wo ist auch nur iFire Landwirtschaft? Viele von ihnen sind noch Halb- Nomaden. Auf eiine so geartete Bevölkerung das Prinzip moderner Demokratie aufgrund ihrer zahlmäßigen Ueberlegenheit anzuwenden, und ihr demgemäß zu gestatten, überwiegenden Einfluß geltend zu machen gegenüber der jüdischen Minderheit, die doch tatsächlich bereits die

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