Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1919)
- Date
- 1919-10-02
- Page
- Seite 1277-1278 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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1277 VOLK UND LAND 1278 Hilfe allein, ohne andere Mittel konnte Grassi in den gefährlichsten Malariagegenden Italiens die Geschützten gesund erhalten. Ebenso ist es den Amerikanern in Jerusalem ohne Chinin nach Mühlens Angabe gelungen. Der Drahtschutz muß nur absolut zuverlässig angebracht sein, um nicht zur; Mückenfalle zu werden und aus rostfreiem Material I bestehen; Rauchfang und Fenster müssen so gej schützt sein und die Tür von der Hauptwindrichtung ab gewandt liegen und doppelt sein. Wo die Gefahr in keinem Verhältnis zu den Kosten stände, soll wenigstens jedes Bett mit Schleiern geschützt sein, die keine Löcher haben dürfen und dem Gesicht nicht direkt anüegen sollen. Die Enden müssen gut unter der Decke versteckt werden. Bei größeren Unternehmungen empfiehlt sich nach den Angaben Oesterlins der Massenschiutz anstatt des Einzelschutzes. Innerhalb des Wohnraumes müssen die Schlafstellen der Arbeiter in einem Drahtkäfig zusammengelegt sein. Dabei wird außerordentlich an Material gespart. Man kann die Wände mit zur Herstellung des Käfigs verwenden und braucht beim Massenschutz pro Mann nur 3—5 qm, während beim Einzelschute 8—9 qm i gebraucht wurden. Außerdem ist aber eine bessere Kontrolle durch Absuchen möglich und eine viel größere Sicherheit gewährleistet als bei den Netzen, deren zweckentsprechende Verwendung doch vom guten Willen des Einzelnen abhängig ist. Durch Einschaltung von Querwänden kann die Sicherheit noch erhöht werden. Heller Anstrich der Wände soll ebenfalls den Anophelen unangenehm sein. A/uf ihnen kann man sie leichter sehen und fangen. Die Anopheles vertreibende Wirkung der Nakeolampe kann diese Maßnahmen unterstützen. Mit diesen Arbeiten schützen wir Eingeborene und Einwanderer. Eines besonderen Schutzes bedürfen aber noch die Einwanderer, da sie besonders gefährdet sind. Dem kann man durch Zeit und Ort ihrer Ansiedlung begegnen. Die Zeit der Ansiedlung ist insofern von Bedeutung, als es wesentlich ist, daß die Neuankömmlinge sich schon etwas akklimatisiert haben, wenn die Malariasaison beginnt. Flebbe beobachtete, daß die Formationen, die vom Februar bis April im Taurus eintrafen, zu 50 Prozent und weniger infiziert wurden; von denen aber, die im August und September kamen, bis 97,2 Prozent aller Soldaten, alle jedoch über 50 Prozent. Am besten wäre es natürlich, wenn die Malaria schon vor Eintreffen der meisten Einwanderer ausgerottet wäre. Da das aber wohl kaum möglich ist, ja diese Arbeiten vielen Einwanderern erst einen Erwerb sichern, muß der Platz für ihre Ansiedlung entsprechend ausgewählt werden. Da die Flugweite der Anopheles nicht mehr als 2 km beträgt, so muß man beim Aussuchen von Wohnp'.ätzen für Atbeitermassen, die mit Hafen- und Eisenbahnbau, oder selbst der Malariabekämpfung beschäftigt werden, darauf Rücksicht nehmen, daß kein Brutplatz im Umkreis von 2 km sich befindet. Lieber soll ein weiterer Anmarschweg zur Arbeitsstätte, der durch Kleinbahn erleichtert werden kann, in Kauf genommen werden. Wo der größte Teil der Bevölkerung infiziert ist, der Milz- oder Blutindex ungefähr 50 Prozent beträgt, da muß auch für einzelne Einwanderer in der Zweikilometierzone ein Wohnungsverbot erlassen werden. Rogers schlägt Vor, daß gesunde Einwanderer in den Tropen möglichst unter sich bleiben und die meisten Tropenärzte empfehlen, sich von den Eingeborenen nach Möglichkeit zu isolieren. Das wird sich bei landwirtschaftlichen Arbeitern unter den Einwanderern nicht durchführen lassen. Ist doch gerade eine Verteilung der Einwanderer aut die landeskundigen Palästinenser, die Erfahrungen im Bebauen des Landes besitzen, aus inneren Gründen erwünscht. Ein Heraussuchen geeigneter . Gebiete in Anlehnung an die Kolonien unter Berücksichtigung der herrschenden Windrichtung wird die Infektionsgefahr vermindern können. Strenge Schutzmaßnahmen durch Gitter werden dann den Schutz vervollständigen. (Fortsetzung folgt.) ZUR ARABERFRAGE Von Ernst Wenn man das Memorandum einer ,,Gruppe von Arabern“ betrachtet, (Nr. 35 von „Volk und Land“) dieses Konglomerat von Unrichtigkeiten, unsinnigen Beschuldigungen, unwissenschaftlichen Behauptungen und ohnmächtigen Drohungen, so ist für Jeden, der die palästinensischen Verhältnisse kennt, der Ursprung dieses Schriftstückes klar. Zum Ueberfluß sehen wir noch ans den Berichten über die Reise der amerikanischen Kommission durch Palästina, daß diese auch eine Anzahl von arabischen Deputationen empfangen hat, sowohl mohammedanische als auch christliche, die sich durchaus freundschaftlich und verständnisvoll zur Frage der jüdischen Masseneinwanderung geäußert haben. Alus dieser Tatsache geht deutlich hervor, daß die eigentliche arabische Einwohnerschaft Palästinas, nämlich die arme, ganz besonders aber die Landbevölkerung vollkommen einsieht, welche weitgehenden Vorteile die neue jüdische Kolonisation ihr bietet. Die Proteste stammen lediglich von dem1 kleinen Kreise der „Effendis“ — der Wucherer, Großgrundbesitzer, Boden- und Getreidespekulanten — gewöhnlich vereinigen die Herren alle diese Eigenschaften in ihren reichen und einflußreichen Persönlichkeiten. Sie ahnen ganz sicher, daß es mit ihrer Herrlichkeit Matthäi am letzten ist, daß im neuen Palästina Herrmann.! für unbebauten Großgrundbesitz kein Platz ist, — und der arabische Großgrundbesitz ist größtenteils i unbebaut — dab es mit ihrer Bodenspekulation j und den riesigen Gewinnen daraus zu Ende ist, daß i durch die Arbeit europäisch geleiteter Banken dem Geldwucher und durch Uebergang des größten | Teiles der Produktion in unsere Hände" dem Getreidewucher ein Ziel gesetzt wird. Die von den Effendis ausgesogenen, ausgepreßten, in ewiger Schuldknechtschaft gehaltenen Fellachen (Bauern) atmen auf, sie werden durch jüdische Masseneinwanderung, durch Erschließung des Landes, durch Sozialisierung des Bodens, durch Enteignung des Großgrundbesitzes nicht geschädigt, sondern befreit. Auch die arme Stadtbevölkerung hat bei der kommenden riesigen Bautätigkeit, bei der bevorstehenden Belebung von Handel und Wandel alles zu gewinnen und nichts zu verlieren. Die ungeheure Mehrheit der Araber besteht aus Besitzlosen, und diese haben die Engländer mit offenen Armen aufgenommen, weil sie sie von der Mißwirtschaft und der unglaublichen Unterdrückung der türkischen Beamtenschaft befreiten; aber mit dieser Beamtenschaft Hand in Hand hatten stets die Effendis gearbeitet, hatten sie durch BaksChisch korrumpiert und reich gemacht, durch verwandtschaftliche Bande gefesselt und gemeinsam mit ihr Riemen aus der