Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1919)
- Date
- 1919-10-02
- Page
- Seite 1275-1276 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1275 VOLK und LAND 1276 nötilj, ärztlicherseits die Malaria zu bekämpfen. Gewiß kann die Zahl der Anopheles sinken, wenn zufälligdie Maßnahmen ihnen ungünstig sind. Die Teiche, Zisternen und Regentonnen sowie die kleinen Wasseransammlungen blieben jedoch dauernd als Brutplätze in der Nähe der Häuser bestehen. Ozzara teilt mit, daß trotz gleichartiger Kultivierung die Küstenländer Amerikas weniger unter Malaria leiden, als die Länder an den großen Strömen. Warum dann der Unterschied? Grassi behauptet, daß die intensive, von Berieselung begleitete Bodenbebauung in der Lombardei sogar die Verbreitung von Anopheles gefördert habe. Wir werden uns also aut die Bodenkultur allein nicht verlassen können, aber uns mit ihr zu gemeinsamem Vorgehen in Verbindung setzen. Auch die Industrie unternimmt Veränderungen der Wasserverhältnisse und ist an solchen interessiert. Beide, Landwirtschaft und Industrie müssen ihre Projekte dem Gesundheitsamt zur Kenntnisnahme, Genehmigung oder Veränderung vorlegen, während dieses wiederum sie von seinen Projekten benachrichtigt. Die Zeit, die zu diesen Vorbereitungen verwandt wird, kann aber auch schon gleichzeitig praktischer Arbeit dienen. Die allgemein bekannten Brutstätten in der Nähe von Ortschaften und Straßen können sofort in Angriff genommen werden. Nach Erledigung der Vorarbeiten beginnt der planmäßige Kampf. Im Sommer besteht er im A>bfischen der Larven, Petrolisieren der stehenden Gewässer und dem Reinigen der Ufer von jeder Vegetation. Im Winter sind die Anophelen in den Keilern und Gewölben durch Abbrennen, Ausräuchern mit Schwefel in Pfannen, Pyretrum oder Tabackräucherung zu bekämpfen oder durch Abspritzen mit Pyretrumtinktur, Mikrotan oder Form- ■ aldehvdseifengemisch mit Verstäuber zu entfernen, i Auch die Anwendung von Cyanwasserstoff kann ( versucht werden. Er so'I auch bei unvollkommener Abdichtung in 15 Minuten bei etwas stärkerer Konzentration als 0,02 bis 0,03 °o, die bei vollkommener Abdichtung erforderlich sind, gute Dienste leisten. Wegen seiner Giftigkeit ist geschultes Personal dazu notwendig. Diese Arbeiten müssen alle je nach Bedarf wiederholt ausgeführt werden. Von denen, die einen dauernden Erfolg sichern, sind auch nur die dauernd kontrollierten Maßnahmen wirksam. So erwähnte ich schon die Wasserleitung in Jerusalem. Ihre Bedeutung kann groß sein, wenn die Zapfstellen so eingerichtet werden, daß jeder überfließende Tropfen abfließen und unschädlich gemacht werden kann, sonst werden nur neue Brutplätze geschaffen. Ebenso bedarf natürlich die ganze Anlage hygienischer Beaufsichtigung. Wo Zisternen unvermeidlich sind, werden sie sich nach dem Vorschläge Ra ghav endras dadurch unschädlich machen lassen, daß sie angeme’det werden müssen, und dann amtlich gereinigt und geschützt werden. Nicht angemeldete müssen zugeschüttet werden, denn auf die Reinigungdes Besitzers ist kein Verlaß. Auch die Abfuhr spielt eine große Rolle bei der Malariaverbreitung. Gerade darin sind die Verhältnisse in Palästina oft schauerlich, was bei der Armut der Bewohner nicht verwunderlich ist. Wie gefährlich das ist, zeigt eine Mitteilung Werners, daß die Latrine eine Prädüaktionsstelle für manche Anophelesart ist und man sie dort fände, wenn sonst nirgends. Von den Korrekturarbeiten an Bächen ist zunächst die Verbesserung der Ufer zu erwähnen in dem Sinne, daß sie möglichst steil sein sollen, um den Anophelen die Ansiedlung unmöglich zu machen. Prince schlägt vor, sie mit festen Massen zu versteifen. In Sumpf gebieten faßt sich das durch Weidengetlecht :im leichtesten erreichen. Bei langsam fließenden Bächen muß für Strömlingsbeschleunigung gesorgt werden. Das wird sich nach dem Beispiel von Bussiere manchmal dadurch erreichen lassen, daß man die Windungen ausgleicht und für ein gerade laufendes Bett sorgt. Auch kann man durch Verschmälerung des Bettes dafür sorgen, daß auch wenn wenig Wasser vorhanden ist, die Strömungsgeschwindigkeit nicht zu gering wird. Alle Kanäle mit wechselnder Wasserfülle müssen eine mög liehst schmale Grundfläche haben oder eine sich nach der Tiefe zu verscbmälernde eventuell keilförmig verlaufende. Besonders gefährlich sind die Flußläufe, die in Ländern mit ungleichmäßigem Regentafl periodischer Natur, wie das auch für Palästina zutrifft, zeitweise sehr stark gefüllt sind und später in der Trockenzeit nur noch eine Kette zusammenhängender Sümpfe bilden. Da wird man durch Stauen der Wassermassen etwas erreichen können und kann hier die Industrie zum Bundes- I genossen haben. Ohne Kontrolle wären derartige Maßnahmen wertlos. Carter hat in Amerika die Wirkung von Stauwasser aut Anopheles studiert.! Er fand, daß schon ein Vorteil darin besteht, einen i Morast mit tiefem Wasser zu bedecken. Bei einer | Wasseroberfläche ist für die Anopheles nicht mehr ' im ganzen Gebiet Platz, sondern nur an den Rändern Und wenn diese steil sind, so schadet der Wellenschlag ihnen, wenn man dem Wind Zu- ) gang verschafft. Es müssen nur strömendes Holz, Blätter und anderes mehr abgefangen werden, da dies die Bmt begünstigt. Die Schaffung periodischer Niveauunterschiede durch Zu- und Abfließenlassen von Wasser innerhalb der Entwicklungszeit bewirkt Hemmung der Brut. Beim 'Unschädlichmachen von Sümpfen soll man ihre Entstehung zuerst zu vermeiden trachten. Dabei spielt das Absetzen der Sinkstoffe eine große Rolle, indem der Fluß durch Erhöhung des Terrains seinem Nebenfluß und sich selbst den Abfluß verstopfen kann, wenn er in regenarmer Zeit weniger Wasser führt. Dem zuvorzukommen wird man die Techniker beauftragen. Hat sich erst einmal ein Sumpf gebildet, so kann er durch Ableiten getrocknet werden. Am besten verbindet man damit das Anbauen von Pflanzen und Setzen von Bäumen, die viel Wasser brauchen. Die Franzosen bauten zu diesem Zweck in Mazedonien Gemüse; in Palästina wird der Eukalyptusbaum viel verwendet. Auch die kleinen Maßregeln sind im Auge zu behalten. Kleine Moräste kann man zuschütten oder durch Senkgruben, welche die wasserundurchlässige Bodenschicht durch drin gen, zur Austrocknung bringen. Aut Teiche kann man Fische setzen, doch müssen sie vorher gereinigt werden, um den Fischen den Zugang zu den Larven zu ermöglichen. Petrolisieren schadet den Fischen nach Macdonald nicht. Enten sollen noch wirksamer sein als Fische. Jede Gelegenheit zur Bildung einer noch so kleinen Brutstelle muß ausgeschaltet werden. So wird aus den Berichten der amerikanischen Armee mitgeteilt, daß die Soldaten, um ihre Speisen vor Ameisen zu schützen, Büchsen mit Wasser unter die Tischbeine gestellt hätten und dadurch ein Brutplatz geschaffen worden sei. In jeder Vertiefung des Bodens, in den zahlreichen Höhlungen der Kalkberge Palästinas wie auch in etwa künstlich durch Eisenbahnbauten erzeugten Löchern ist die Gefahr für Entstehung eines Brutplatzes gelegen. Eine sorgsame Kontrolle muß für ihre Vermeidung und Unschädlichmachung Sorge tragen. Bis diese Arbeiten wirksam sind, werden wir an Verteidigung denken müssen, um uns vor den Stichen der Anopheles zu schützen. Da haben sich die Drahtgitter außerordentlich bewährt. Mit ihrer