Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1919)
- Date
- 1919-10-02
- Page
- Seite 1273-1274 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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VOLK UND LAND 1273 10 Sanitätsinspektoren, die alle 3 bis 4 Monate einmal jedes Haus besuchen 'und gründlich inspizieren. Außerdem bedart man geübter Desinfekteure, Trainpersonal und Erdarbeiter. Sergent rechnet für kleine Maßnahmen der Brutplatzbekämpfung für eine Meile in der Stadt und 5 Meilen auf dem Lande je einen Mann. Am Orte der Zentrale wären Depots zu errichten, wo die notwendigen Materialien auf- 1 gehoben werden. Das wären Mikroskope, Objekti träger, Farben; Desinfektionsgerät, Sapaol, Pyra- 1 tum, Schwefel, Mückennetze und Draht, Pferde, Esel, Autos, Wagen, ferner Listen, Karten und Proi pagandamaterial. I Vor Eintritt in die Kampfhandluing muß eine Aufklärung über Stärke und Stellung des Feindes erfolgen. Um in unseren Karten die nötigen Ein-; Zeichnungen über die Häufigkeit der Malaria machen zu können, haben wir zwei Wege: den Milz- und den Blutindex. Die Blutuntersuchüng ist zeitraubender und bedart eines größeren Apparates. Wenn sie negativ ausfällt, kann es durch das Abwandern der Parasiten im die inneren Organe bewirkt worden sein, während die Milz bei ungenügend behandelten Kindern meist vergrößert ist. Nötig ist dabei nur, daß man die Kinder in den ersten Lebensmonaten bis zum achtzehnten Monate unberücksichtigt läßt und mur bis zum zehnten Lebensjahre geht. In höherem Lebensalter kann durch eine Art von Immunität auch die Milz eines Parasitenträgers nicht mehr vergrößert sein. Der Vorteil der Milzuntersuchung ist ferner eine ziemliche Konstanz. So wird z. B. von französischer Seite aus Mazedonien folgende Zusammenstellung mitgeteilt: Juni 1917 November 17 15.1.—15. II. 18 Milzuntersuchung 11,41 13,04 10,86 ' Blutuntersuchung 7,06 11,11 3,3 j Der Blutindex ist stärkeren jahreszeitlichen j Schwankungen ausgesetzt als der Milzindex. Am- : dererseits stören durch andere Krankheiten verur- ' sachte Milztumoren die Berechnung, besonders der Kalaazar, dann Recurrens, Typhus, Leukämie und hämolitischer Icterus. Bei Vergleichen des Ergebnisses von verschiedenen Orten und Jahren ist es sehr erwünscht, daß derselbe Untersucher sein Urteil abgibt, da dieses doch mehr persönlicher Natur ist. Alle Angaben haben natürlich nur dann einen Wert, wenn für Vergleiche Alter und soziale Stellung der Kinder /sowie das Klima berücksichtigt wird. Die soziale Stellung ließe sich in ihrer hygienischen Bedeutung wohl am besten im Verhältnis zum Körpergewicht zahlenmäßig erfassen. Auf diese Weise wird man sich schon ein Bild von der Verbreitung der Malaria machen können. Trotzdem erscheint mir der Blutindex als einzige Möglichkeit, um auch die |Art der Infektion zu erkennen, um andere Milztumoren sicher auszuschließen und auch die erwachsenen Parasitenträger zu entlarven als absolut notwendig. Um nun bei den klinisch Gesunden mit seltenem Blutbefund möglichst einen brauchbaren Anhaltspunkt durch die Untersuchung im dicken Tropfen zu haben, könnten wir uns der Provokation bedienen. Für Massenuntersuchungen wäre das unmöglich, wenn nicht die Provokationsmethode selbst jhre hygienische Bedeutung hat. Da \vird die Schutzimpfung gegen Pocken, die allgemein durchgeführt werden muß und gegen Typhus, wo sie notwendig ist, bei den Nachschauterminen Gelegenheit zu guten Resultaten geben. Unterstützen kann man das noch durch Auswahl der für Rückfälle günstigsten Jahreszeit. Haben wir so ein Bild von der Verbreitung der Parasiten im Menschen, so müssen wir uns weiter mit der Ueberträgerin bekannt machen. Nicht jede 1274 Anophelesart überträgt Malaria; das ist nicht nur wissenschaftlich von Bedeutung. In den Philippinen wurden 100 000 bis 250 000 Dollar gespart, weil nachgewiesen werden konnte, daß Anopheles malefactor, die in Baumstümpfen brütet, Malaria nicht überträgt. Zum Nachweis wird die Untersuchung der Speicheldrüsen aut Sporozoiten genügen, eine Infektion Gesunder soll man zu Versuchszwecken nicht vornehmen. Mit absoluter Sicherheit wird die Entscheidung dadurch allerdings nicht herbeigeführt. 'Aus Kkewra im Punjab wird mitgeteilt, daß sich bei Anopheles rossii Sporozoiten niemals in den Speicheldrüsen nachweisen ließen und doch war ihre Infiziertüchtigkeit experimentell und statistisch bewiesen. Zur Herstellung der Flugweite der Anopheles soll man nach Ohrenstein und Prince einige Anophelen in einem Käfig mit pulverisierter wässeriger Anilinlösung bespritzen, fliegen lassen, dann einfangen und untersuchen. Ich glaube nicht, daß es auch unter vielen gefangenen oft glücken wird, einige von den markierten zu erwischen. Im allgemeinen rechnet man nicht über 2 km Flugweite. Eine wichtige Rolle spielt dabei die herrschende Windrichtung, denn ihr entspricht die Richtung der Malariaverbreitung von einem Herde aus. Auch die Lebensweise der Anophelen bedarf des Studiums. Einige Anophelen legen ihre Eier nicht in stehende, sondern in reine fließende Wasser. Da würde nur eine unterirdische Drainage durch Austrocknen schützen. Zum dritten müssen wir uns ein Bild von den Wasserverhältnissen machen. Es muß festgestellt werden, wo trägefließende Bäche oder zeitweise trockene vorhanden sind, wo Sümpfe und überschwemmbares Land. Milz und Blutindex, Wasser und Windverhältnisse sollen auf einer Karte eingezeichnet werden, um einen Ueberblick über die Aufgaben geben zu können. Ein tüchtiger Verbündeter im Kampfe gegen die Malaria ist eine rationelle Bodenkultur. Einerseits hebt sie den Stand der Bewohner, andererseits gehen die beiderseitigen Interessen in Bezug auf die Wasserverhältnisse parallel. Eine gute Drainage sichert die Durchlüftung des Dunges durch -Wegschaffen überflüssigen Wassers und die Pflanzen brauchen keinen Tropfen Wasser mehr, als sie gerade aufnehmen können, wenn der Reisanbau unberücksichtigt gelassen werden kann. Große Sümpfe aber liefern, wenn sie trocken gelegt werden, außer dem Nutzen der Malariaverminderung vielen Bauern Siedelungsland. So wird durch gemeinsame Arbeit gerade der kostspieligste Teil der Malariabekämpfung auch rein wirtschaftlichen Zwecken dienstbar gemacht werden können. Die Sozialisierung des Wassers in Palästina wird am besten dabei mitwirken zu verhindern, daß sich nur wenige in den Besitz dieses kostbaren Gutes setzen, und daß sie es in unhygienischer Weise verschwenden. Nur dürfen wir diesen Teil der Arbeit uns nicht ganz aus der Hand nehmen lassen. Schlechte Kanäle würden eine Wasseransammlung bewirken und neue Quellen für Malariaverbreitung bilden. Es darf nicht Vorkommen, was Orto aus Italien berichtet, daß, um Kohlen zu sparen, die Pumpen stillgelegt werden, die im Sommer das Wasser von den Drains in den Hauptkanal äbführen sollen. Eine dauernde Kontrolle derartiger gemeinsamen Zwecken dienender und gemeinsam mit der Landwirtschaftszentrale unternommener Arbeiten wird unumgänglich sein. Noch gefährlicher als die Verabsäumung der Kontrolle scheint imir eine Ansicht zu sein, die manche Malariaforscher wie Rossi in Italien und Watson in britisch Guajana vertreten, nämlich, es sei bei rationeller Bodenkultur überhaupt nicht mehr