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Volk und Land · 1919-10-02 · Heft 40-41 (2.10.1919) · p. Seite 1269-1270

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 40-41 (2.10.1919)
Date
1919-10-02
Page
Seite 1269-1270 (sequence 15)
Language
German
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1269 —" VOLK UND LAND — - - 1270 zukunftsreich; ich erinnere auch an das oft von Trietseh hervorgehobene rapide Wachstum einzelner Städte im Orient, wie Port Said und Mersina. Es bedarf nur eines Zusammentreffens glücklicher Umstände — unü dies ist jetzt gegeben um auch in Palästina ähnliche Entwicklungen möglich zu machen. Eine Initiative der Baugesellschaft könnte hier reiche Früchte tragen. O. Um nun noch Untergaiiläa zu erwähnen, so würde ein schneller, großzügiger Ankauf der Ebene Jesreel einen gewaltigen Aufschwung bringen. Zahlreiche Kolonien ließen sich hier anlegen - ein Unternehmen, das mit Hilfe der schon vornandenen Kolonien und der bewährten Genossenschaften von Merchawja und Dagania durchführbar und schnell rentabel wäre. Gerade Galiläa hat nach den Berichten der jüdischen Historiker, besonders des Josephus, eine dichte Besiedlung und eine ganz ungeheure Volkszahl gehabt — die Berichte sprechen von 200 Städten und Dörfern. Den See Kinereth umgab ein Kranz blühender Ainsiedlungen; Kefar Nachum beispielsweise hat nach dem Urteil der Archäologen, die die Ausgrabungen dort Vornahmen, zur Blütezeit etwa 30 000 Einwohner gehabt! (Jetzt sind es nur drei (3J1) Und das alles ohne moderne Verkehrsmittel und ohne Industrie — wir brauchen also heute, wo uns alle Hilfsmittel der Technik zu Gebote stehen, den Vorwurf der Uebertreibung gewiß nicht fürchten, wenn wir eine Entwicklung 'ohne Gleichen erwarten. V'II. Zum Schluß noch einiges über die Arbeiterfrage. Sie war in der vorigen Periode der Kolonisation ein besonders schwieriges ungelöstes Problem. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das neue Palästina den jüdischen Arbeiter von dem Lose des ewig heim- und landlosen Proletariers bewahren muß — durch Bereitstellung einer billigen und zweckmäßigen Arbeiterwohnung mit einer kleinen Landparzelle. Dem Vernehmen nach beabsichtigen bereits verschiedene Unternehmungen ihre Arbeit in Palästina damit zu beginnen, daß sie diese Grundforderung der neuen Zeit Von vornherein erfüllen. Wenn der Arbeiter seßhaft wird und durch Bebauung seiner Parzelle an die Scholle gefesselt ist, vielleicht auch durch Aufnahme einer hausindustriellen Beschäftigung für sich und seine Angehörigen von den Schwankungen des Arbeitsmarktes unabhängig gemacht, dann ist der Arbeiterfrage viel von ihrer bisherigen. Schärfe genommen. Eine Einrichtung würde die Lösung der Arbeiterfrage allerdings wesentlich erleichtern; das von Prof. Balloa vorgeschlagene Arbeiteheer, das alle ungelernten Arbeiter in einer militärisch organisierten Gemeinschaft umfaßt. Es arbeitet zu bestimmten, vom ,,Staate“ festgesetzten Bedingungen; er sorgt auch für Unterbringung, Beköstigung und Bekleidung usw. Es ist durchaus nicht notwendig, die Verwendung dieses Arbeitsheeres aut Unternehmungen des „Staates“ zu beschränken; jeder Unternehmer, der unter Staatsaufsicht diese Arbeiter zu den vom Staate vorgeschriebenen Bedingungen und Löhnen beschäftigen will, kann sie bekommen. Ich berufe mich darauf, daß Herzl in seinem klassischen, heute leider nicht nach Gebühr gewürdigtem Werke „Der Judenstaat“ diese Frage in bejahendem Sinne entschieden hat und dem ganzen, von ihm zuerst aufgestellten Plane den größten Wert für den Aufbau der neuen Gemeinschaft beimaß. Wenn die Baugesellschaft mit der Verwirklichung dieser großen Idee rechnen könnte, so würde einer baldigen Aufnahme ihrer Arbeit auf breitester Basis nichts im Wege stehn, und ein voller Erfolg ihr gewiß sein. Ernst Herrmann, Haifa. (Bilderanhang folgt.) DIE JUEDISCHE PALAESTINAEINWANDERUNG UND DIE MALARIAPROPHYLAXE Von I. To e p 1 i tz. Die Bestrebungen zur Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina haben in den letzten Monaten bei allen Kulturvölkern Anerkennung gefunden, und die Einwanderung größerer jüdischer Massen wird in absehbarer Zeit eingeleitet werden. Zum Gelingen dieses großen Werkes ist es nötig, die dabei in Betracht kommenden Fragen einer genauen Prüfung zu unterziehen. Da möchte ich im Gegensatz zu den viel erörterten wirtschaftlichen Fragen einmal aut ein anderes Problem hinweisen, das viel mehr als die Erfüllung dieser oder jener wirtschaftlichen Forderung zu einer gedeihlichen Entwicklung des jungen Gemeinwesens ausschlaggebend mitzuwirken imstande ist; ich meine die Malariaprophylaxe. Die Bevölkerung- Palästinas war vor dem Kriege ausgiebig mit Malaria infiziert. Brünn und Goldberg berichten, daß von den Kindern unter 5 Jahren in Jerusalem 50 Prozent infiziert seien; 60 Prozent der Parasiten sei Tropica. Mühlens gibt an, daß innerhalb der Mauern 40—50 Prozent infiziert sei, doch sei die Malaria da nicht nur eine Krankheit der Kinder. Von dem häufigen Vorkommen der Malaria in der Ebene Jesreel und in den Kolonien an der Küste, speziell in Chedera, habe ich mich 1914 selbst überzeugt. Erschwerend fällt ins Gewicht, daß die Malariaparasitenstämme Jerusalems nach Mühlens vielfach gegen Chinin resistent sind. Daß die Verhältnisse im Kriege nicht besser geworden sind, dafür zeugen die trotz befohlener Chininprophylaxe häufigen Malariaerkrankungen der deutschen Truppen in Palästina; 70 Prozent Malariakranke waren noch nicht das höchste. Es ist sogar anzunehmen, daß die Verbreitung der Infektion durch die erhöhte Gelegenheit zum Stechen für die Anopheles beim Zusammen wohnen vieler Menschen unter ungünstigen hygienischen Umständen auf einem Raum, wo bisher nur wenige lebten, beträchtlich zugenommen hat. Wenn nun auch die Parasiten nicht in der Mücke überwintern, so ist doch mit einer bleibenden erhöhten Infektion der Bewohner zu rechnen. Gewiß ist das geringe Verständnis der türkischen Behörden für allgemeine Hygiene viel mit j Schuld daran, und es ist anzunehmen, daß eine; von modernem Geist geleitete Verwaltung vieles bessert. Schon jetzt ist in Jerusalem eine Wasserleitung gebaut worden, und damit der Grund dazu gelegt, die Hauptquelle für Anophelesbrut, die Zisternen, aus der Welt zu schaffen. Goch auch dieser Fortschritt genügt bei weitem nicht. Ja es besteht sogar die Gefahr, daß infolge ver- I mehrter Wasserzufuhr bei mangelnder spezieller I Aufsicht neue Bmtplätze geschaffen werden.

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