Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1919)
- Date
- 1919-10-02
- Page
- Seite 1267-1268 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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1267 VOLK UND LAND Aussichten aut lohnende Bauten für die Gesellschaft gegeben. Im Anschluß hieran möchte ich noch aut Metulah Hinweisen, die nördlichste der jüdischen Kolonien, die sechs Stunden (zu Pferde) von Jessod-ha-maalah entfernt, am Fuße des Hermons liegt; sie hat im Sommer erheblich kühleres Klima, als die südlicher gelegenen Gegenden und mehrere richtige Wintermonate. Metulah ist zum Luftkurort besonders geeignet, und wurde als solcher schon vor dem Kriege benutzt; es war seinerzeit ein kleines Hotel; mit vorzüglicher ländlicher Verpflegung dort. Die 1 Kolonie hat eine gesunde Lage und gutes Quellwasser; vor dem Kriege war die türkische Rej gierung im Begriff, die Kreisregierung von dem j einige Stunden entfernten Djedeida nach Metulah j zu verlegen. Dadurch trat die Notwendigkeit ein, j die jüdische Position in Metulah zu verstärken, um einer Arabisierung der Kolonie vorzubeugen, die sich schnell zur Stadt entwickelt hätte. Neue Kolonisten waren schon herangezogen und neue Arbeitergruppen (Kwuzoth) hatten ihre Tätigkeit bereits begonnen. Für die nahe Zukunft ist amzunehmen, daß, j wie oben erwähnt, ein Luftkurort auf dem Karmel I entstehen wird, der, trotz der geringen Höhe über j Haifa, eine Sommerreise nach dem Libanon überflüssig machen und für die vielen, des Klimas ungewohnten, neuen Einwanderer von größtem Werte sein wird; er ist übrigens nur ä.x Stunden von der Stadt entfernt. Eine Ergänzung zu diesem Kurort würde ein modern angelegter Luftkurort in Metulah bilden, jder gleichzeitig einen Aufschwung j der Kolonie bedeutete. Durchs Jordantal führt ein i schöner Weg dahin, und in der Nähe liegen das alte Caesarea Philippi, interessante Kreuzfahrerschlösser und die Jordanquellen. VI. Es wäre nun noch auf die Kolonien im allgemeinen einzugehen, soweit sie im Vorstehenden nicht erwähnt sind. Eine Stärkung und Vergrößerung der alten Kolonien ist voraussichtlich eine der ersten Unternehmungen der nächsten Zukunft und bereits geplant. Sie ist besonders wichtig für die an Bevölkerungszahl kleinen Kolonien. Eine an vielen Stellen gemachte Erfahrung — ich nenne nur Moza, Ben-Jehuda und Metulah — zeigt, daß Mißerfolg 'oder zu geringer Erfolg oft eiine Folge der kleinen Volkszahl, besonders an abgelegenen Punkten ist. Aber auch die großen Kolonien in Judäa und Saimaria werden bedeutende Vorteile von einer Zuwanderung haben. Die öffentlichen Lasten werden leichter von vielen Schultern getragen, als von wenigen. Um nur ein Beispiel zu erwähnen: In den Kolonien, sogar in den größeren, fehlt in der Regel ein kleines Hospital, in dem besonders Arbeiter in solchen Krankheitsfällen Aufnahme finden können, in denen ein Transport nach der Stadt Schaden bringen würde. Auch gibt es kleine Kolonien ohne Aerzte — ein System, das unter allen Umständen jetzt beseitigt werden muß. Diese und viele andere Gründe erfordern eine Vergrößerung der Kolonien, die wiederum eine Belebung der Bautätigkeit mit sich bringen wird. Ich erwähne nur noch kurz die Aussichten der hauptsächlichsten Kolonien : A. Pethaeh-Tikwah, das vor dem Kriege bereits 4000 Einwohner hatte, ist die einzige Kolonie, die einen ständigen Zufluß von neuen Elementen und eine lebhafte Bautätigkeit aufwies; sie hat seit vielen Jahren schon den Charakter einer kleinen Landstadt. Obgleich in dieser, der ältesten Kolonie, zahlreiche Fehler und Mißstände zu verzeichnen sind, so sind doch die Aussichten für die Zukunft gut, besonders weil Pethaeh-Tikwah das Zentrum des jüdischen Orangenbaues ist — 1268 eine der rentabelsten Baumkulturen im modernen Palästina. Ganz zweifellos wird sich der größte Teil derjenigen Einwanderer, die landwirtschaftliche Betätigung suchen, dem Pflanzungsbau zuwenden, da (.lei' Landwirtschaft Fernstellende diesen leichter erlernen als Getreidebau und Viehzucht. Es ist also gerade in Pethaeh-Tikwah auf eine reichliche Arbeitsmöglichkeit für die Gesellschaft zu rechnen. B. Rischon-le-Zion als Mittelpunkt des Weinbaues sieht ebenfalls einem großen Aufschwung entgegen, da voraussichtlich unter den neuen Verhältnissen eine Ausdehnung des Traubenanbaues, auch für andere Verwertungsarten als für Wein, stattfinden wird. Die Produktions- und Absatzorganisation, die Genossenschaft „Karmel" funktioniert bekanntlich seit zwei Jahrzehnten zur allseitigen Zufriedenheit. — ln der Nähe sind Arbeiterkolonien entstanden und die Anlegung weiterer wird in Ri schon und in den anderen Kolonien der Baugesellschaft lohnende Arbeit bieten. C. Rechoboth, die erfolgreiche Gründung der Gesellschaft „Menucha wenachla" in Warschau (1890), ist wegen ihres gesunden Klimas besonders geschätzt; es hatte sich dort im letzten Jahrzehnt eine Anzahl reicher Zionisten niedergelassen und auch in Zukunft wird es wohl von solchen, die lieber in einer Kolonie wohnen und sich gleichzeitig durch Anlegen von Baiumpflanzungen betätigen wollen, bevorzugt werden. D. Ben-Schemen und Hulda werden voraussichtlich vergrößert werden, da anzunehmen ist, daß der dort angelegte Herzlwald in Kürze eine weit größere Menge von Arbeitern beschäftigen wird, besonders da die Nationalfondsfarmen ja nun noch mehr als bisher zur Heranbildung jüdischer landwirtschaftlicher Arbeiter und späterer Kolonisten werden benutzt weiden. Alut Herstellung zahlreicher Arbeiterhäuser ist also aueth hier zu rechnen. E. Das bisher gesagte gilt auch für Neß-Zionah, Ekron, Katra, Kastinie und Ruchamah, die alle durch Auffüllung ihrer Volkszaihl bedeutend profitieren werden. Natürlich ist die Anlegung neuer Kolonien zur Verengerung des alten Netzes der jüdischen Niederlassungen eine Aufgabe der allernächsten Zukunft; das zur Einrichtung derselben und zur Anleitung der neuen Elemente notwendige Menschenmaiterial steht zur Genüge unter den erfahrenen Kolonisten und Arbeitern der alten Kolonien zur Verfügung, auch an Agronomen zur Oberleitung fehlt es nicht. Der Betätigung der Baugesellschaft steht also ein weites Feld offen. F. Für die Kolonie in Samaria trifft dasselbe zu; bei meiner vorjährigen Reise durch Samaria fiel mir wieder auf, wie zahlreiche Punkte in diesem schönen Gebiete, ausgezeichnet durch Wasserreichtum und günstige Lage, noch der Hand des jüdischen Kolonisten harren. Gerade hier ist bis jetzt viel zu wenig geschehen. Ich möchte in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam machen, daß schon vor Jahren Davis TrietsCh auf einen Umstand hingewiesen hat, der heute erhöhte Beachtung beim Beginn der neuen Periode jüdischer Kolonisation verdient; man sollte bei Errichtung neuer Niederlassungen die Punkte bevorzugen, an denen schon im Altertum Städte lagen und die im Laufe der Jahrhunderte ihre Eignung bereits erwiesen haben. An manchen dieser Punkte, die in der altjüdischen Zeit volksreiche Städte trugen, sind heute kleine, elende, arabische Dörfer, die oft nur aus wenigen Hütten bestehen. Bedeutende Städte, ich nenne nur Caesarea am Meere und Beth-Schean im'Jordantale, haben erst seit neuerer Zeit wieder eine geringfügige Bevölkerung, andere liegen ganz verlassen. Besonders die Küstenlagen sind hier wichtig und