Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1919)
- Date
- 1919-10-02
- Page
- Seite 1263-1264 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
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1263 VOLK UND LAND 1264 tragen wird. Es ist mit Bestimmtheit a.izunehmen, daß die in der Vergangenheit beobachtete übermäßige Boden- und Mietsspekulation in Zukunft aufhört, da ja voraussichtlich der Grand und Boden nationalisiert wird. Die Bautätigkeit ward hierdurch keine Einschränkung, sondern eine Erweiterung erfahren, da bei Aufhebung der durch die Bodenspekulation bewirkten Bodensperre und der Einführung des Erbbaurechts der Kreis derjenigen sich enorm vergrößert, die in der Lage sind, sich Häuser zu bauen — schon durch Wegfall der Erlegung des Kaufpreises für den Boden. Durch die Annahme einer vernünftigen Bauordnung läßt sich die Anhäufung von Wohnungen und Menschen in einem Haiuse, die in Tel-Awiw üblich war, beseitigen — was wiederum auf die Ausdehnung der Bautätigkeit wirken muß. Auch aut die Errichtung öffentlicher Gebäude in erheblicher Zahl ist in Jaffa mit Bestimmtheit zu rechnen. Auf die nahe gelegenen Kolonien, zu deren Verbindung mit Jaffa schon vor längerer Zeit eine Kleinbahn geplant war, deren Ausführung nun wohl bevorsteht, komme ich noch zurück. II. Die zwischen Jaffa und Haifa liegenden Kolonien werden wo-hl schon Bahnanschluß' haben, da nach neu eingegangenen Nachrichten die Engländer, die während des Krieges bis zur Front gebaute, von Kairo kommende zweigleisige Linie (mit ägyptischer Spurweite) bereits bis Haifa durchgeführt haben. In Haifa wurde in der Nähe der Felder der deutschen Kolonie am Meere ein neuer Bahnhof gebaut. Diese Tatsache in Verbindung mit dem bevorstehenden Hafenbau und der besonders günstigen Lage Haifas sichern der Stadt, die bisher nur 20 000 Einwohner zählte, eine Vergrößerung auf das Vielfache. Das vor dem Kriege durch die „Terraingesellschaft Palästina* angekaufte, umfangreiche Gelände, das sich im wesentlichen zwischen dem alten Bahnhot und dem Technikum erstreckt, ist bereits parzelliert, der Bebauungsplan ist längst fertig und der Beginn des Baues der hier in AlussiCht genommenen 325 Häuser (die Bauplätze sind sämtlich verkauft) wird nun nicht länger auf sich warten lassen (und hat vielleicht schon angefangen. Dieses Terrain, das einen Ankaufswert von zirka H/s Millionen Francs hatte, steigt schon etwas nach dem Karmel zu an Und stellt nach dieser Seite das einzige zur Stadterweiterung geeignete Gelände dar. Eine Verbindung mit dem weiteren, auf dem Karmel vor und nach Beginn des Krieges erworbenen Boden, auf dem eine umfangreiche Villen- und Gartenstadt geplant war, ist vorgesehen: die Parzellen sind wohl alle ebenfalls längst in festen Händen. Auf diesem Terrain werden auch bald Hotel- und Sänatorienbauten zu errichten sein, da es sich besonders dazu eignet; ein für Autos fahrbarer Weg zur Stadt ist vorhanden, ein kleiner deutscher Luftkurort in der Nähe. Die Stadterweiterung nach der anderen Seite wird sich nun sicher in der Gegend des oben erwähnten neuen Bahnhofs vollziehen, in der Richtung von der deutschen Kolonie zum Karmel eck, aut beiden Seiten der Straße Haifa—Jaffa. Auf diesem Boden lag die Stadt im Altertum, wie die Ausgrabungen beweisen. Er war ungesund wegen der dort befindlichen Sümpfe, die zu beseitigen die türkische Regierung nicht für notwendig hielt; sie sind vermutlich anläßlich des Bahnhofsbaues verschwunden. Im ganzen sind also drei große Komplexe vorhanden, deren bauliche Erschließung ein Kapital von vielen Millionen Mark in Bewegung setzen wird. Wenn das bereits fertiggestellte Technikum seiner Bestimmung zugeführt wird, trägt es sicher ebenfalls zum Aufblühen Haifas erheblich bei. — Haifa ist die an Naturschönheiten : reichste Seestadt Palästinas und geht als Hafen, Seebad, Luftkurort und Toarstenstadt einer großen Zukunft entgegen. Ich möchte in diesem Zusammenhänge darauf hinvveisen, daß ein Umstand bei der Frage der ' Neubesiedelung des Landes noch nicht genügend gewürdigt wird: der außerordentliche Reichtum an Naturschönheiten wird im Verein mit den sich an das Land knüpfenden historischen und religiösen Erinnerungen einen Touristenstrom von bisher ungeahntem Umfange nach Palästina führen, dem jetzt nach dem Fall der alten Regierung und der Beseitigung der Unsicherheit des Lebens und Eigentums kein Hindernis mehr im Wege steht. Das Land ist zur Anlage von Winter- und Sommerkurorten hervorragend geeignet; für erste re kommt ( die Gegend des Genezarethsees, für letztere besonder der Karmel und der Hermon in Betracht. Das ergibt für die Gesellschaft die Möglichkeit, für viele Hotel- und Sanatorienbauten, audi Wohl für die Uebernahme des Baues ganzer Kurorte. Ich komme hierauf im Kapitel über den Genezarethsee noch zurück. III. Jerusalem ist die alte Hauptstadt des Landes, und wird sicher auch in der Zeit der Wieder auf riCh tung des jüdischen Volkes, an deren Beginn wir jetzt stehen, eine überragende Rolle spielen. Da die bisherigen Wohnviertel der Juden Jerusalems fast sämtlich in hygienischer Beziehung viel zu wünschen übrig lassen, ist eine Anlegung von neuen Stadtteilen an der Peripherie wahrscheinlich, besonders in Hinsicht auf die Erbauung der hebräischen Universität, deren Grundstein bereits vor einigen Monaten gelegt wurde und die eine Anziehungskraft ohnegleichen auf die akademische jüdische Jugend aller Länder ausüben wird. AiuCh viele andere öffentliche Bauten werden in dem neuen Verwaltungszentrum Palästinas nötig sein und das Stadtbild wesentlich verändern, das schon jetzt eine ziemliche Anzahl großer Bauten in dem schönen Jerusalemer Haustein aufweist. In den ersten "Monaten nach der englischen Besetzung wurde bereits eine Wasserleitung in Betrieb gesetzt, die einem viele Jahrhunderte empfundenen Bedürfnisse entspricht und für die Hebung der öffentlichen Gesundheitspflege von hervorragender Bedeutung ist. Kurze Zeit darauf eröffneten die Engländer eine elektrische Kleinbahn nach Hebron, durch die die alte Stadt Abrahams eine Schnellverbindung mit Jerusalem erhielt, die ihr eine neue Blüte verspricht. (Auch die Möglichkeit, die bisher in der Mehrzahl unproduktive jüdische Bevölkerung Jerusalems jetzt den verschiedensten Berufen zuzuführen, bringt eine weitere Erhöhung der Bautätigkeit mit sich. ICh möchte bei dieser Gelegenheit auch auf einen Umstand hin weisen, der in der kommenden Zeit größere Beachtung finden wird: die Möglichkeit einer erhöhten Besiedelung der kleinen Städte, die vor einer Reihe von Jahren schon Davis Trietsch empfahl und die einer zu großen Anhäufung von MensChen in wenigen großen Städten entgegenarbeiten würde. Außer Hebron kommen an kleineren Städten mit bisher geringfügigen Judenziffern besonders Ramleh, Lydda, Tuill-Kerem und BeTseba in Betracht, die sämtlich Bahnanschlüsse haben, an größeren Gaza und Nablus. Erstere ist Zentrum und Ausfuhrhafen des südpalästinensisChen Gerstenbaues (40 000 Einwohner). Letztere die Hauptstadt Samarias (30 000 Einwohner) und der bedeutendste Produktionsort von Oel und Seife, sehr schön und gesund an Ebal und Garisim gelegen. Alle diese Orte kommen als künftige Wohnstätten zahlreicher Juden in Betracht und bieten lohnende Aussicht auf Wohnungsbauten.