Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1919)
- Date
- 1919-10-02
- Page
- Seite 1261-1262 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1261 VOLK UND LAND -.-.-1262 mangei selbst die Befriedigung unserer eigenen Bedürfnisse äußerst erschweren wird. Doch ist mit einer sukzessiven Ueberwindung dieser Schwierigkeiten die Ausdehnung der palästinensischen Bautätigkeit über die engen Grenzen des eigenen Landes hinaus sehr ernstlich ins Aiuge zu fassen und gibt dem palästinensischen Großbauunternehmen die vorzüglichsten Aussichten auf eine unbeschränkte Entwicklung. Die reichen Erfahrungen welche wir in den ersten Jahren unserer Tätigkeit für die speziellen Baunotwendigkeiten jener Landstriche sammeln werden, werden uns sicher europäischen Firmen gegenüber für die Befriedigung des Baubedarfs der Nachbarländer, welcher im Zusammenhang mit dem gesamten wirtschaftlichen Aufschwung dieser ganzen Länderpartie des vorderen Orients ein außerordentlich großer sein wird und es heute schon ist, in jeder Beziehung konkurrenzfähig und überlegen sein lassen. Wir halben in den obigen Ausführungen versucht, dem Leser ein möglichst umfassendes Bild von den Grundlagen und Entwicklung&möglichkeiten des palästinensischen Bauunternehmens zu geben. Die Notwendigkeit, von wissenschaftlichen technischen Studien, welche Hand in Hand mit der wirtschaftliehen Tätigkeit der Baugesellschaft zu gehen haben, ihre Art und ihr Umfang ist in dem Schliußabschnitt der „Grundsätze“ umschrieben worden. Ein weiteres sachliches Eingehen auf diese Dinge würde uns über den Rahmen des hier Beabsichtigten weit hinausführen auf das Feld der allgemeinen technischen Erziehung und Entwicklung im neuen Palästina. Wir hoffen, daß der Leser aus allen unseren Ausführungen indes den Gesamteindruck gewonnen! hat, daß wir in der Entwicklung unseres Unternehmens im aiilgemeinen möglichst wenig dem Zufall überlassen oder uns: von den wechselnden Bedürfnissen desTages oder den überlieferten Gepflogenheiten eines nichts-als-Geschäftsbetriebes leiten lassen wollen. Vielmehr wollen wir uns in jeder Beziehung bemühen, nach Grundsätzen zu verfahren, welche geeignet sind, ein Unternehmen großen Stils zu schaffen und zu fördern, indem es sich gleichzeitig den berechtigten Anforderungen Aussichten für die Ba lm Nachstehenden soll versucht werden, eine Uebersicht über die Möglichkeiten der Bautätigkeit in den verschiedenen Teilen des Landes zu geben, unter besonderer Berücksichtigung der Fehler und Mißstände, die in der Vergangenheit zutage getreten sind, sowie Vorschläge zur Abhilfe für die Zukunft. Ferner einiges über die Schwierigkeiten der Arbeiterfrage, da ja die Gesellschaft in absehbarer Zeit mit einem großen Stamm von Arbeitern wird rechnen müssen, mit dem ein gutes Einvernehmen zu erhalten eine der vornehmsten Aufgaben der Gesellschaft sein wird. I. Ich beginne mit Jaffa, da dies der wichtigste Hafen des Landes ist, durch den die Ein- und Ausfuhr für Jerusalem und ganz Judäa und für einen Teil von Samaria geht. Jaffa ist in den letzten Jahrzehnten rapide gewachsen, der Aufschwung wird voraussichtlich jetzt bedeutenden Umfang lannehmen, besonders auch durch den neuen Hafen, dessen Bau nun nicht mehr länger auf sich warten lassen wird. Jaffa war der einzige Punkt im Lande, an dem unter den bisherigen, im Vergleich zu der kommenden Entwicklung doch kleinen Verhältnissen, eine großzügigere Bauder Allgemeinheit nach besten Kräften anpaßt und, wo nötig, unterwirft. Zu diesen Erfordernissen scheint es uns in erster Reihe auch zu gehören, daß mit größter Gründlichkeit und Systematik ohne Rücksicht auf die momentanen notwendigen Opfer an Kraft und Geld jeder mögliche Fortschritt und jede mögliche Verbesserung im Bauwesen von uns geprüft und — wenn als gut erkannt — gefördert wird. Es zeigt sich bei den großen wirtschaftlichen Unternehmungen in aller Welt immer mehr, daß nur diese Art der Betriebsführung, bei welcher Wissenschaft und Praxis als untrennbare Verbündete marschieren, zu wirklich überragenden und dauernden wirtschaftlichen und sozialen Erfolgen zu führen vermag. Adle hierfür aufgewandten Kosten haben sich bei diesen Unternehmungen als vorzüglich angelegt erwiesen. Und so werden wir auch das uns vorschwebende Ziel einer mustergültigen und führenden und auf die bauliche Entwicklung des Landes wirklichen Einfluß ausübenden Unternehmung nur unter Beachtung dieser Grundsätze erreichen können. Andererseits wollen wir uns jedoch keiner Täuschung darüber hingeben, daß derartige Unternehmungen nur in einem gut geleiteten und in der Aufwärtsentwicklung begriffenen Staatswesen möglich und fruchtbar sind, zwei Faktoren, welche leider nicht von uns abhängen. Doch geben uns die bestehenden Tatsachen der sich in aller Welt offenbarenden außerordentlichen, geistigen, organisatorischen und praktischen Fähigkeiten der Juden, der mit Sicherheit vorauszusetzenden und für die Entwicklung so vieler bisher zurückgebliebener Länder bewährten englischen Schutzherrschaft und der für einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung prädestinierten Lage Palästinas auf dem Kreuzungspunkte der mitteleuropäischen Ausfallsstraße nach Südost und des großen ägyptisch-indischen Verbindungsweges uns alle Voraussetzungen, die uns zu der Hoffnung berechtigen, daß auch diese beiden Faktoren der guten Leitung und der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung für unseren besonderen Fall zutreffen werden. Architekt Alexander Lev y. tätigkeit in Palästina tätigkeit begonnen hatte. Tel-Awiw, die moderne jüdische Vorstadt Jaffas, deren Wachsen ich vier Jaihre aus nächster Nähe mit ansah, hatte im Herbst 1913 bereits eine Seelenzahl von 1500, bei zirka 10 000 Juden in Jaffa und einer Gesamteinwohnerziffer der Stadt von zirka 55 000. Eine bedeutende Erweiterung des Bodenbesitzes war damals schon vollzogen, und bis zum Beginne des Krieges hatten Straßen- und Hausbauten auf dem neuen Boden schon große Fortschritte gemacht. Infolge des bevorstehenden enormen Anwachsens der Einfuhr, später auch der Ausfuhr, besonders aber in Anbetracht des Umstandes, daß die Einwanderung in das Land zum allergrößten Teile über Jaffa geht, wird die Zahl der Juden in Jaffa in Kürze gewaltig steigen. Es bewahrheitet sich für Tel-Awiw der alte Satz: „Wb Tauben sind, da fliegen Tauben zu.“ Ein großer Kern ist schon da, Platz zur Ausdehnung reichlich vorhanden und vermutlich schon angekauft. Eine große Rolle bei der bisherigen Entwicklung von Tel-Awiw spielte bekanntlich das hebräische Gymnasium, das sicher auch mit anderen, neu zu errichtenden Schulen weiter zur Vergrößerung der Judenzahl Jaffas bei-