Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1919)
- Date
- 1919-10-02
- Page
- Seite 1255-1256 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1255 VOLK UND LAND 1256 ais dies im allgemeinen bisher unter Verwendung des üblichen und allein käuflichen Kitsches möglich war. Auch die Anwendung der Farbe kann zu einem großen Teil der persönlichen Neigung des Einzelnen überlassen bleiben. Im übrigen ist doch aber auch nicht zu übersehen, daß Wohnkultur und ästhetische Tradition bei der Hauptmasse unserer Einwanderung so gut wie nicht vorausgesetzt werden darf, und wir bei einem freien Spiel der Kräfte uns darauf gefaßt machen müssen, Furchtbares in dieser Beziehung zu erleben, wogegen die geplante Beeinflussung wohl sicher als das kleinere Uebel anzusehen ist. Des weiteren ist neben diesen großen Werkstätten zur Herstellung von Massenbedarf von Anfang an, und besonders im späteren Verlaufe der Entwicklung die Einrichtung von kleinen handwerklichen Musterbetrieben und von Kunsth and Werkstätten auf das lebhafteste zu fördern. Bei geeigneter Leitung wird sich auf diesem Wege ein heimisches Handwerk und Kunstgewerbe allmählich entwickeln können, welches durch individuelle und Qualitätsarbeit immer mehr die Lücken der Massenfabrikation auszufüMen im Stande sein und verfeinerten und spezialisierten Bedürfnissen dienen wird. Einen weiten Raum in der Beeinflussung und Erziehung der Massen zu vernünftiger Wohnkultur (und damit zur Förderung der Tendenzen der Palästina-Baugesellschaft) wird auch die Tätigkeit, welche von einer dazu bestimmten besonderen Stelle der Leitung des Ansiediungswerkes für Bauberafung und Aufklärung auszugehen hätte, einnehmen müssen. Mit der Autorität des Staates werden von solchen Stellen die privat Bauenden auf die Wichtigkeit und den Nutzen sozialer Baugesinnungen und entsprechender Betätigungen immer wieder hinzuweisen sein. Andererseits werden Bauunternehmungen, welche die gleichen Tendenzen verfolgen, von dieser autoritativen Stelle aus in jeder Weise gefördert werden müssen. Indem die Baugesellschaft also in der oben beschriebenen Weise alle zweckdienlichen Mittel in Anwendung zu bringen versuchen wird, welche zur Förderung ihrer Bestrebungen in bezug aut die von ihr bevorzugten Materialien oder der von ihr angewandten Methoden dienen können, wird sie durch die hierdurch zu bewirkende Vergrößerung ihres Geschäftsumfanges nicht nur der Allgemeinheit, sondern auch sich selbst in vollkommenster Weise nützen. . Zu e). Es ist unzweifelhaft, daß alle Bestrebungen der Siedlung, welche darauf hinausgehen, die Typisierung und Normalisierung im Bauwesen herbeizuführen, nur im Interesse einer großen Ballgesellschaft gelegen sein .können und deshalb von ihr mit herbeigeführt und gefördert werden müssen. Wir können ajuf die vielen Einzelfragen, welche mit der Typisierung im Bauwesen und mit der Normalisierung der einzelnen Bauteile Zusammenhängen, hier nicht im Speziellen eingehen. Zum Zwecke einer ganz kurzen, aber zusammenfassenden Information empfehlen wir den Lesern die nur 43 Selten starke Broschüre: Die Typisierung im Bauwesen von Dipl.-Ing. Erich Leyser, Berlin (bei Oscar Laube, Verlag Dresden, 1918.) Es seien aus ihr nur einige wenige Sätze im Auszuge mitgeteilt, welche besonders wichtige Punkte beleuchten. Nachdem der Verfasser auf die durch die Typisierung gu erzeugende Veredelung der Produkte hingewiesen hat, bespricht er die Folgen der gleichzeitig erzielten Verbilligung und weist darauf hin, daß infolge der Verbilligung Gegenstände, die bisher nur den besser bemittelten Kreisen zugänglich waren, auch der weniger begüterten Bevölkerung nähergebracht werden, somit eine Hebung des kulturellen Niveaus erreicht wird. Bei der speziellen Anwendung aut Bauwesen wird äut die ausschlaggebende Wichtigkeit, die in der Verbilligung der reinen Baukosten liegt, (neben einer gesunden Bodenpolitik, billigen Aufschlieliungskosten und. billiger Geldhergabe) hingewiesen und gesagt: ,,Diese Baukostenverbilligung läßt sich nach meiner Ueberzeugung am ehesten durch eine starke Typisierung des Grundrisses, durch Einführung von Einheitsformen für die einzelnen Bauteile und Anwendung des disziplinierten, wohldurchdachten Baubetriebes erreichen.“ Diese drei Abteilungen werden dann in der kleinen Schrift behandelt, die Grundrißtypisierung mit besonderer Rücksicht auf die Flachbauweise, die ja auch für uns in Palästina in ganz überwiegendem Maße von Interesse ist. Die Fragen der Grundrißtypisierung für die Kleinwohnung sind vom Verfasser als Geschäftsführer des Groß-Berliner Vereins für Klein Wohnungswesen auf das eingehendste systematischwissenschaftlich behandelt worden, die dabei angewandten Methoden werden kurz geschildert und die Resultate beschrieben. Der Schluß dieses Absatzes sei im Wortlaut hier gesetzt. ,,Es ist viel wichtiger, verhältnismäßig wenige, aber reife Lösungen zu vervielfachen, als mit einem falschen Individualismus unter dem Durchschnitt stehender Leistungen zu protzen. Die Gefahr, daß solche Typen zu langweiliger S'traßenbildung führen könnten, ist gänzlich ausgeschlossen, denn durch Farbe, Straßenführung, Zurückspringen der Fluchtlinien, Gruppierung und Material lassen sich so unendlich viel Variationen finden, daß eine öde Schematisierung ausgeschlossen erscheint. — Verbilligen wir aber die Kleinhausbauweise, so machen wir sie volkstümlich. Und wir verbilligen sie nicht nur, wir gestatten durch die Typisierung auch genaue Kostenanschläge, wirken weiterhin auf die Verkürzung der Bauzeit und dadurch auf eine Ersparung an Bauzinsen. Wir (können auch die Bauzeit im voraus leichter bestimmen als bei einem individuellen Bau. Die gleichzeitige Herstellung einer Reihe von Häusern in gleichen Abmessungen trägt durch die einheitlichen .Bestellungen in Massen, die gleichzeitige Anlieferung der Baumaterialien ebenfalls zur Verbilligung bei. Eine einheitliche Bauleitung wird erleichtert und die Baugenossenschaften besonders würden in ihren Geschäftsbetrieben die Vereinfachung spüren, die ihnen daraus bei der Abrechnung, Aufstellung der Kostenanschläge, beim Abschluß der Verträge und bei Aufgabe der Bestellungen erwächst.. Im folgenden Abschnitt weist der Verfasser aut die Vorteile hin, die das typisierte Kleinhaus gegenüber dem individuellen in bezug auf die Beleihbarkeit, die bei so kleinen Objekten bisher immer sehr schwierig war, genießt. Das dem persönlichen Bedürfnis und Geschmack seines Erbauers angepaßte Kleinhaus verliert für die Allgemeinheit dadurch an Wert, dagegen ist das auf immer wiederkehrende Bedürfnisse zugeschnittene Typenhaus auch leichter taxierbar und beleihbar. An Einzelbauteilen, welche für eine Normalisierung in Betracht kommen, erwähnt Leyser in seiner Schrift folgende: ,,Eiserne Träger*), Türen, *) Eiserne Träger und Ziegelsteine sind in Deutschlnad bereits seit vielen Jahren ganz allgemein mit bestem Erfolge normalisiert.