Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 40-41 (2.10.1919)
- Date
- 1919-10-02
- Page
- Seite 1253-1254 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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1251 VOLK UND LAND 12V3 beitsdienstes gestatten. Aber unser Genuiawcs u hat ein grundlegendes Interesse daran, von dieser Möglichkeit nur denen gegenüber Gebrauch /u machen, die ihm (den; Gemeinwesen) durch den Arbeitsdienst zu seinem Aufbau verholten haben, der in keiner anderen Weise ähnlich günstig und nach allen Seiten wirksam durchzuführen ist. Aber bei wesentlich verbilligten Gestehungskosten und bei zinslosem Geld kann das Gemeinwesen es auch billiger machen als zu sechs Prozent. Oder aber, es kann aus den sechs Prozent des Weites der Heimstätte nicht nur die „Pacht“ oder „Amortisatioiisgebühr“, sondern auch teilweise oder ganz - die Steuern decken, d:e es für weitgefaßte Aufgaben des Staatswesens nötig hat. Die Bedingungen unseres Aufbaus und unserer Entwickelung zu einem Staatswesen sind weit von allem Herkömmlichen entfernt. Höchst unnormal ist auch der Geldmarkt der Welt. Alle Grundlagen des Finanzwesens sind ins Wanken geraten. Mehr als je ist die „Ware“ (die „Sache“) Trumpf. Geld ist nur eine Form. Wir sind bereit, unser Gemeinwesen auf „Arbeit“ aufzuba-uen. Arbeit, die den höchsten und grundlegendsten und vornehmsten „Sachwert“ schafft; nämlich Heimstätten für Mensclien. Halten wir uns also nicht für verpflichtet am Hergebrachten zu kleben, eine Zinsknechtschaft auf uns zu nehmen, wo die Grundlage der eigenen Arbeit eine so viel realere ist. Schaffen wir uns wenigstens in dem möglichen Maße eine Währung aus eigener Kraft, aus eigener Arbeit und Leistung! VOM BAUEN UND VOM WOHNEN (Schluß.) Zu d). Von großer Wichtigkeit wird es für die Gesellschaft sein, in immer weiteren Kreisen der Bevölkerung und bei der Leitung des Ansiedlungswerkes Verständnis und Sympathien für die von ihr verfolgten Methoden im Bauwesen zu werben Die hierzu nötige Beeinflussung wird in der ersten Reihe von der erwiesenen Zweckmäßigkeit der bereits von der Gesellschaft ausgeführten Bauten auszugehen haben. Doch läßt sich auch im Wege der Propaganda, sowie der Aufklärung und Belehrung durch Bild, Schrift und Vorträge in den entstehenden Sied lungen viel erreichen. — Die Widerstände, welche gegen vernünftige Baumethoden und gegen eine großzügige Organisation des Bauwesens auf treten werden, sind, zumal nach den bisherigen Erfahrungen im Lande, sehr stark und vielseitig. Abgesehen von dem starken Motiv entgegenstehender wirtschaftlicher Einzelinteressen anderer Bauunternehmer, ist es auch der individuelle Eigenwille, der bei den Juden stärker noch als bei anderen Rassen ausgeprägt ist, welcher diesen Tendenzen stets erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Die Ueberwindung dieser Widerstände kann nicht mit Gewalt, sondern mir durch Geduld und Ausdauer erzieh werden. Ein starkes Hilfsmittel bei der Durchsetzung der von der Baugesellschaft erstrebten Tendenzen wird es sein, wenn sie in der Lage sein j wird, ihren Auftraggebern, besonders auch bei der Finanzierung der Bauten, besondere wirtschaftliche Vorteile zu bieten. Es sind also von ihr alle Bestrebungen zu unterstützen, welche die Schaffung eines billigen Baukredites zum Ziele haben. Doch ist gleichzeitig dahin zu wirken, daß solche Kredite in erster Reihe nur denjenigen gewährt werden, welche es über sich gewinnen, zugunsten der im allgemeinen Interesse liegenden Bestrebungen der Baugesellschaft ihre mehr oder minder berechtigten Sonderanschauungen und Sonderinteressen zurückzustellen. Die „Politik“ der Baugesellschaft in dieser Beziehung muß darauf hinauslaufen, den Einzelnen das bisher mit Vorliebe befolgte Prinzip der Vergabe der Bauten an den erstbesten (scheinbar) billigsten, sonst aber völlig unqualifizierten Unternehmer immer mehr als falsch und als für ihn selbst letzten Endes höchst unvorteilhaft erkennen zu lassen. In der Tat liegen ja auch die Verhältnisse so, wie sie Dipl.- Ing. Michel*) kennzeichnet: „Die bisher in Palästina übliche Methode, die ein Mittelding zwischen eigener Regie des Auftraggebers und K’einunterneh- | mung unter Vorherrschen der Akkord Vergebung I war, ist nicht entwicklungsfähig und vor allem durchaus ungeeignet, fortschrittliche Baumetl.oden einzuführen. Eine große Rolle spielt hierbei die Unzulänglichkeit der Rechtsverhältnisse. Baukontrakte sind, weil man ihre Innehaltung nicht erzwin- | gen kann, so wertlos,, daß man gemeinhin ganz auf; sie verzichtet. Die Folge ist, daß ein Unternehmer i den andern unterbietet, mit dem Hintergedanken, nachträglich doch höhere Preise herauszuweincu, | was ihm auch immer gelingt. Kostenanschläge und! Rentabilitätsberechnungen sind somit ganz unzuver-! lässig. Was an der Qualität der Arbeit und der j Materialien gesündigt wird, ist traurig. Es dürfte nicht schwer sein, dem bauenden Publikum in kurzer Zeit den großen Vorteil klar zu machen, den es im Gegensatz zu diesen Verhältnissen erzielt, wenn es seine Bauverträge mit einer potenten Gesellschaft abschließt, welche ihm die pünktlichste und gewissenhafteste Innehaltung einer jeden Vertragsbestimmung mit größter Sicherheit gewährleistet und den Bauherrn vor jeder nachträglichen unliebsamen Ueberraschung — sjwohl was Preis, wie Qualität des Bauwerks anbetrifft, wie auch in Bezug auf den vereinbarten Fer.igstellungstermin absolut schützt. Es ist vielleicht hier noch am Plaize, der Meinung entgegenzutreten, daß die Vereinheitlichungsuna Typisierungstendenzen im Baugewerbe zu extremen Verhältnissen und zur völligen Ausschaltung; des individuellen Wohncharakters der Einzeln! führen müßten. Dem ist jedoch keineswegs so, j sondern vielfache Erfahrung beweist, daß derjenige, I der es versteht, das Gegebene eigenartig anzuwenden, auch in diesem Rahmen durchaus peri sönliche Wirkungen erzielen kann. Bleibt ihm doch | das Arrangement der Einzelteile bis zu einem gej wissen Grade und die Anordnung des für den Gej samtcharakter so überaus wichtigen Schmuckes voll- I kommen Vorbehalten. Es lassen sich also bei ent- | sprechender Fähigkeit im Rahmen des Typenhauses und der Typenmöbe! dieselben und geschmackvollere persönliche Noten und Wirkungen erzielen, *) ln Heft 31 von „Volk und Land“. *