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Volk und Land · 1919-10-02 · Heft 40-41 (2.10.1919) · p. Seite 1247-1248

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 40-41 (2.10.1919)
Date
1919-10-02
Page
Seite 1247-1248 (sequence 4)
Language
German
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1247 VOLK UND LAND 1248 und uns überlegen, daß die jüdische Welt nach den besten bisherigen Schätzungen einen ,,National- Wohlstand“ von mindestens 100 Milliarden Francs aufweist, so wird es keinesfalls übertrieben scheinen, wenn unsere erste nationale Am leihe bereits in Höhe von einer Milliarde Francs aufgelegt wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird ein solcher Betrag wesentlich überzeichnet werden. Aus einer solchen nationalen Anleihe für den Aufbau Palästinas, die etwa vom zionistischen Actions-Comite in Verbindung mit einem aus jüdischen Finanzleuten Englands und Amerikas zu bildenden Ausschuß aufzulegen wäre, sollten folgende Aufgaben in Angriff genommen werden: Allgemeine Vorarbeiten (wie Organisation usw.), die keine direkte Rentabilität ergeben, — etwa innerhalb 10 °/o der Anleihe. # Aus dem Rest von zirka 90 »Vo öffentliche Arbeiten, welche in unserem Fall umfassen soll: Verkehrseinrichtungen, wie Straßen und Wege, Bahnen, Häfen, Post, Telegraph und Telephon, Automobillinien, Seeverkehr usw. Be- und Entwässerung, sowie Wasserkraftanlagen (mit Elektrizitätsversorgung des Landes) durch Verwertung der Flüsse, Errichtung von Stauwerken, Talsperren usw. Aufforstung und sonstige Baumpflanzungen zum Zwecke der Verbesserung des Klimas und der Wasserwirtschaft, sowie zwecks Gewinnung von Holz und Früchten. Sanierungs-Arbeiten (Bekämpfung vom Malaria, Einrichtung eines Sanitätsdienstes (Hospitäler, hygienische Institute usw.). Vorbereitung von Heimstätten einschließlich dies Baues von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, Bodenvorbereitung, Anpflanzung usw. Bei einem so weit gefaßten Programm der öffentlichen Arbeiten ist es ohne weiteres klar, daß im Laufe der Zeit Milliarden hier lohnend angelegt werden können, und daß auf keinem . anderen Wege die Einwanderung und Niederlassung großer mittelloser Massen ähnlich rasch und zweckdienlich durchzuführen sind. In ganz groben Ziffern und für eine erste Periode von 5—10 Jahren wird sich sagen lassen, dab das Verkehrswesen allein etwa 100 Millionen Francs beanspruchen mag. Sowohl Be- und Entwässerung wie auch die Aufforstung lassen sich in so großem Rahmen durchführen, daß fast jeder erhältliche Betrag in jeder dieser beiden Aufgaben Platz finden würde. Was von entwickelteren Staaten in Jahrzehnten und Jahrhunderten in diesen Beziehungen geleistet worden ist, haben wir in Palästina im Interesse einer schleunigen Besiedelung so schnell als möglich nachzuholen. Hunderte und Tausende von einzelnen Stauwerken und Talsperren — von zusammenhängenden Systemen abgesehen — sind zu errichten. Eine zielbewußte Aufforstung kann sich über reichlich 10 000 qkm meist hügeliger und bergiger Terrains erstrecken. Hat doch Palästina schon vor dem Kriege keinerlei nennenswerten Waldbestand besessen und auch das wenige, das vorhanden war, ist dem Kriege zum Opfer gefallen. Die Beschaffung von Wasser ist besonders lohnend. Wo Wasser ist, läßt sich eine zehnfache Bevölkerung ernähren. Bewässertes Land hat den vielfachen Wert des unbewässerten Bodens. Die Rentabilität der Bewässerungsanlagen tritt sofort bei Besiedelung der bewässerbaren Flächen ein. Auch Aufforstung rentiert schnell. Schon vom zweiten Jahre an hat man in Palästina von Eukalypten nennenswerte Erträge gehabt. Es gibt eine Reihe schnell wachsender Holzbäume, deren Rentabilität von Fachleuten auf 100 <>.o und mehr per Jahr angegeben wird. Der Anbau von Karuben (Johannisbrotbäumen) würde beispielsweise neben dem Nutzen der Aufforstung ein wertvolles Produkt \ on vielseitiger Verwendung bieten usw. usw. Aber weit über den Rahmen der genannten öffentlichen Arbeiten hinaus geht der Nutzen einer großzügigen Aktion zur Vorbereitung von Heimstätten. Unsere Einwanderer sind ja nur zum geringsten Teil landwirtschaftlich irgendwie erfahren (knappe 4 % der gesamten jüdischen Welt haben berufsmäßig irgendwie mit Landwirtschaft zu tun.) Der Erfolg der jüdischen Ansiedlung in Palästina ist daher in allererster Linie davon abhängig, wie weit es uns gelingt, durch die beste Form der Vorbereitung die landwirtschaftliche Ansiedlung zu erleichtern. Hunderttausende von Heimstätten sind derart vorzubereiten, daß unsere Einwanderer sozusagen fertige Besitztümer — in der Hauptsache Gartenparzellen — vorfinden, auf denen sie die bereits eingeleitete Arbeit nur fortzusetzen haben, wofür ihnen ebenfalls die besten genossenschaftlichen Einrichtungen, Lehrkräfte und Fachleute usw. zur Verfügung stehen. Rechnen wir innerhalb der ersten 5 oder 10 Jahre nur 200 000 oder 300 000 mittellos einwandernde Familien, denen Heimstätten zu errichten wären und taxieren wir den Herstellungswert dieser Heimstätten auf nur je 3—5000 Goldfrancs, so würde dieser Zweig unserer öffentlichen Arbeiten allein ein Gclderfordernis von 0,6 bis 2,5 Milliarden bedeuten. Aber es läge auch jede vernünftige Verzinsung der aufgewendeten Mittel in einem solchen System, insofern als durch weitgehende Vorbereitungen und beste Ausstattung der Heimstätten mit Bewässerung und dergl. die Ansiedler auch sofort instand gesetzt werden, hohe Erträge zu erzielen und die geringen Herstellungskosten ihrer Heimstätten entsprechend zu verzinsen. Beispielsweise wird eine Familie, die aus ihrer Gartenparzelle von einem halben oder einem ganzen Hektar etwa 1500—2000 Francs zieht, bequem für die Gestehungskosten ihrer vorbereiteten Heimstätten die Verzinsung (im voraussichtlichen Betrage von zwischen 15 und 25 Francs monatlich) aulbringen können. Auch könnte unsere neue Verwaltung die Herrichtung von Heimstätten auch für diejenigen in die Hand nehmen, die mit eigenen Mitteln sich in Palästina niederlassen wollen, so daß auch aus den hieraus erzielbaren Gewinnen die Verzinsung der Gesamtanleihe mit zu decken wäre. Wir haben bereits auf die hohe Rentabilität der Baumpflanzungen hingewiesen. Bei der Notwendigkeit einer großzügigen Aufforstung und der mit ihr verbundenen hohen Rentabilität läge es nahe, einen bestimmten größeren Teil der Alnleihe in Aufforstung anzulegen, derart, daß schon aus diesem Teil heraus die Verzinsung der Gesamtanleihe gewährleistet Erschiene. Gerade in Amerika, von

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