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Volk und Land · 1919-09-18 · Heft 38-39 (18.9.1919) · p. Seite 1241-1242

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 38-39 (18.9.1919)
Date
1919-09-18
Page
Seite 1241-1242 (sequence 33)
Language
German
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1241 ■- — -^ •:=-= VOLK UND LAND -=--^=.... . ■, ..._ ■— 1242 scher ( j e b u 11 J e 11 h e i t unci das Moment historischen Wollen s, des Willens zur Gebundenheit iftd Gemeinschaftsbildurig für alle Zukunft*). Ein I n li a 11 des Judentums aber darf niemals Kriterium des Judentums (als eines Volkstums) sein, nur Formen können ein nationales Kriterium sein. Der Zionismus besagt in seinem tiefsten Grunde die Eliminierung des Inhaltes aus dem nationalen Kriterium, das sich nur von Formen, vornehmlich Land und Sprache bestimmen läßt. Der Zionismus stellt daher die strengste Konsequenz der nationalen Erkenntnis dar. Er ist die Säkularisierung des Begriffes Israel. Er bedeutet eine neue Epoche als Grundlage eines neuen Kriterums des Judentum s/4 Die Existenzfrage des modernen Judentums. Klatzk i n widerlegt den Glauben' an die Unmöglichkeit einer jüdischen Assimiiierung. Die jüdische Assimilation ist möglich (ob sie geich ehrlols ist). Unsere Erhaltung in den zwei Jallrtausenden der Verbannung war allein durch unsere Religionsverfassung möglich, die uns als Staat im Staate extra commercium et tonnubium inmitten der andern Völker hat bestehen lassen. Unsere Religionsverfassung war recht eigentlich unser „tragbarer Staat/4 „Die Zerstörung unserer Religionsverfassung ist die Zerstörung unseres dritten Hauses, unseres Hauses im Galuth. Der zurückbleibende, von Gesetzesschwere befreite und ins AKmenschlidhe verfliegende Geist des Judentums ist nicht mehr national gemeinschaftsbildend: er flattert in fremden Gebilden umher und wirkt nur noch als Gespenst.“ Palästina als nationales Zentrum. Unser Dasein in der Diaspora ist unerträglich, unmöglich, unehrenhaft. Erez Israel! „Gewiß, das hebräische Palästina wird das Judentum' in Grenzen bannen und diie Judenheit in und außerhalb der altneuen Heimiat teilen. Aber dies darf uns nicht schredken. Lieber soll unser Volkstum an einem Orte verwurzelt ein Ganzes werden, als daß es bruchartig und verstümmelt in vielen Vaterländern herumschweift und in Unstetigkeit seine Universalität behaupte. Und wenn die Wiedergeburt unseres nationalen Volkstypus, des Ganzjuden, den nationalen Tod des Halb- und Vierteljuden bewirkt, so ist damit nicht nur die Judentums frage, sondern auch die Judenfrage — und auch für die Juden, die keine sein möchten — radikal gelöst. Wir lebten als religiöse Gemeinschaft in einem Gott und können nunmehr nur in einem Vaterlande und in, einer Sprache wahrhafte und ganze Juden geiin.“ Die zionistische Idee „fällt ein Todesurteil über das Galuth Judentum, ja sie bedingt dessen Untergang durch die nationale Formierung und Entfaltung des Palästinajuderotumis: je mehr Palästina national reift und erstarkt, desto schneller welkt und erstickt das Galuth“. Die nationale Rechtslage des Galuth. „Haben die Juden Vaterländer gewonnen, so hat das Judentum sein Vaterland für immer verloren. Auch unsere Forderung nationaler Rechte imi Galuth hängt davon ab. Haben wir mehrere Vaterländer, so sind wir keine Volkseinheit. Assimi lauten und Halbassimilanten sind in ihrem Bekenntnis folgerecht und aufrichtig. Es gibt auch im Völkerleben eine zweite Ehe, und sie kann für einen Teil und zuweilen für beide Teile glüücklich sein. Zionisten aber, die ihre Wohnländer als Vaterländer ansprechen und eine Heimstätte für das jüdische Volk fordern; die das Eigene nicht preisgeben, aber auch auf das Fremdgut nicht verzichten mögen; die ihre patriotische Gesinnung selbstlobend dem Landesvolke beteuern und gleichzeitig als Vertreter des nach Heimkehr schmachtenden Volkes feierlich auftreten; die gleichsam als Bürger zweier Heimatländer Doppelrechte geltend machen — wären der Unaufrichtigkeit zu zeichnen, wenn nicht Mangel an logischer Klarheit und Entschielieit sie glimpflich entschuldigen würde. Gleichviel, es gibt im Völkerleben keine Bigamie, i Franzose und Jude, Deutscher und Jude, Schwede j und Jude zu beurteilen wie deutscher Franzose, schwe- | discher Spanier, italienischer Pole. (Das Verhältnis von Amerikaner und Jude ist jedoch ein anderes: Amerikaner und Jude wie Amerikaner und Angelsachse, Amerikaner und Skandinave, Amerikaner und Franzose usw: Amerika ist ein werdender Staat, Amerikanertum ein werdendes Volkstum. Das Verhältnis von Erez Israel zu Großbritannien ist gleichfalls völlig klar: Erez Israel zu Großbritannien wie Wales zu Großbritannien, wie Canada zu Großbritannien, wie Neuseelands zu Großbritannien usw.: Großbritannien ist der Staatenstaat, die civitas Dei, „the true league of nations“.) Nur Assimilanten und Halbassimilanten dürfen die Aufhebung des historischen Antagonismus zwischen dem jüdischen Volke und den Landvölkern fordern und erwarten : „Wir Nationaljuden können vom Fortschritt der MerfschliChkeit keine Beseitigung dieses Antagonismus im Galuth erhoffen, sondern eine Verfeinerung, die Versittlichung und m i t h i n d i e V e r t i e f u n g des nationalen Gegensatzes. Erblicken wir doch den Kulturfortschritt nicht in der Erörterung, sondern in Kraftentfaltung und Lebenserhöhung des Völkischen, nicht in einer grenzverschiebenden Vereinerleiumg, sondern in Steigerung der nationalen Mannigfaltigkeit und in Mehrung der nationalen Unterschiedlichkeiten.“*) Aufgaben des Unterwegs. Man verwechselt jüdischen Nationalismus und nationales Judentum. (Unsere Gesinnung ist Zionismus, unser Tun Assimilation): wir darben der Sprache uind des Landes. Hat in der vergangenen Zeit das Ghetto und seine Absonderung uns erhalten, so sollten analoge Mittel auch weiterhin zur Erhaltung in der Diaspora dienlich sein (können. Die heroische Existenzform. Wollen wir uns im Galut auch weiterhin erhalten, so muß gegen die Versuchungen der Gleichberechtigung und Gleichstellung, gegen die Assimilation „heroisch“ Widerstand geleistet werden. Nur das selbstgewollte Ghetto, die Absonderung, ermöglicht die Galiutexistenz, nur eine nationale Elite vermag das Weh und; den Trotz des aussichtlosen Kampfes wider die Assimilation eine Zeitlang zu führen. „In Erez-Israel solll das Judentum seihe Norm erlangen. In Erez-Israel wird das Judentum den herrischen Charakter verlieren. Erst in dieser Wiederverwurzelung wird es sich nicht als ein (Elite-, sondern als ein Volksjudentum entfalten können/4**) Die zionistische Zuversicht. Das Judentum hat jm Galut keine Dauerzukunft Dem Volke droht der Untergang und es gibt nur eine Rettungsmöglkhkeit. „Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen. Und wenn ihr nicht wollt, ist und bleibt es ein Märchen.“ „Die fremde Kultur in der Fremde wird uns zu einer nationalen Gefahr. Ist unsere Eigenkultur im Heimatboden verpflanzt, so wird all das Fremde, das wir mitbringen, uns zum Segen werden. Wir werden bereichert aus- und einziehen. Schließlich ruht in diesem Fremden viel von unserem Eignen, das uns enteignet wurde: Wir haben überall Pitoms und Ramses gebaut. Haben nicht unsere“ Väter ihr Eignes, Erworbenes mitgenommen, als sie bereichert aus Aegypten auszogen? m Heute würde man es Expropriation der Expropriateure nennen. Der Zionismus will die Gefahren der Fremdkulturen beseitigen. Er wird eben dadurch den Juden für das Allgemeinmenschlichej auch für das Fremde, freimachen.“***) *) a. a. O. S. 115 und 116. **) a. a. O. S. 177. ***) a. a. O. S. 193.

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