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Volk und Land · 1919-09-18 · Heft 38-39 (18.9.1919) · p. Seite 1239-1240

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 38-39 (18.9.1919)
Date
1919-09-18
Page
Seite 1239-1240 (sequence 32)
Language
German
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1239 wie ein Soldatenmantel wird in eine glatte Mettwurst verwandelt. Kein Mensch würde das „von selbst1* fertigbringen. Nach einer festen Regel haben Millionen diese Kunst gelernt, einer wie der andere. Es ist die vollkommenste Art, den Soldatenmantel zusammenzulegen, eine bessere gibt es nicht. Nun, genau diese Arbeit: das Auffinden und klare Formulieren der zurzeit vollkommensten Handgriffe und Arbeitsmethoden ist in der Landwirtschaft noch voll zu leisten. Bisher fehlt jede Spur davon, und die Eolge ist eine ungeheure Kraftverschwendung. Vergangenen Sommer kam ich an zwei Kartoffeläckern vorüber auf denen die gelegten Kartoffeln mit dem Haken zuigedeckt wurden. Auf dem ersten brachteri zwei Pferde und ein Mensch das Gerät nur mühsam vorwärts und hinterließen eine jammervoll krumme Furche. Auf dem zweiten wurde die gleiche Arbeit mit einem Pferde spielend leicht und sauber vollführt. Weshalb? Der Boden war auf beiden Aeckern der gleiche. Der Unterschied war der folgende: Acker Nr. 2 war rechtzeitig gepflügt. Das Pferdegeschirr saß tadellos, der Haken war geschärft, geschmiert und in vollkommener Ordnung. Die zwei Pferde auf Acker Nr. 2 hatten schlecht sitzende Kummete, die ihr Fell teilweise bis aufs Fleisch durchgescheuert hatten. Der Haken war weder geschmiert noch geschärft, noch richtig eingestellt. Der Acker war zu spät gepflügt, und darum schollig statt krümelig. Der Aufseher ging fluchend in der krummen Furche hinterher, riß den Haken aus dem Acker und bastelte eine Weile vergeblich, daran herum. Weder er noch der Arbeiter kannten eiine feste Regel über das Behandeln der Geschirre noch über das Anschirren der Pijerde oder die Instandhaltung des Hakens. Diesie Dinge sind zwar nicht unbekannt. Irgendwo in gelehrten Büchern sind sie umständlich beschrieben. Diese Kopfarbeit ist also einmal getan. Aber während sie ohne lebendige Verbindung mit dem wirklichen Leben im Buche verstaubt, unterliegt die Arbeit auf dem Acker, auf die es schließlich allein ankommt, der zufälligen Erfahrung und Begabung d<er Arbeitenden. Hier liegt eine große und wichtige Aufgabe vor, die so rasch und energisch wie möglich in Angriff genommen werden muß. Für jede Arbeit, nein, für jeden Handgriff, gilt es, die beste Arbeitsmethode zu finden und sie so klar und einfach in Worte zu fassen wie das preußische Exerzierreglement oder die „Nor- 1240 malien“ in den amerikanischen Fabriken, in denen das Taylorsystem in Anwendung ist. Wie in diesen Fabriken jeder Arbeiter zur Einführung in e'ine neue Arbeit eine „Arbeitsanleitungskarte“ erhält, so sollte in jedem Pferde- und Kuhstall, auf dem Speicher und in der Scheune eine solche kurzgefaßte Anleitung hängen, und es sollten Funktfcmsmeister zur Stelle sein, di,e jedem Neuling die Arbeit so lange zeigen und einüben, bis er sie in dieser besten Art sicher beherrscht. Mau wird einwenden: wo sind die vielen und gepignieten Mensohen, die doch zunächst einmal selbst ausgebildet werden müssen, bevor sie als Funktionsmeister oder Instruktoren dienen können? Aber diese Menschen sind da, ich hätte fast gesagt, sie liegen auf der Straße. Man muß sie nur in die rechten Wege leit,en. Die vielen Angehörigen der gebildeten Stände, die jetzt in der Landwirtschaft eine neue Existenz suchen, vorab die völlig entwurzelten Offiziere, die gerade durch ihre Ausbildungstätigkeit von vornherein wissen, worauf es bei der Sache ankommt. Anstatt sie hier- und dorthin zu stopfen und aus zunützen, wie es der Zufall gerade fügt, sollten sie in besonders für ihre Ausbildung geschaffenen Lehrgütern gesammelt werden, um dort vor allem die Grundlage des Berufes, die besten Handgriffe und Arbeitsweisen kennen und völlig beherrschen zu lernen. Auch für Ingenieure, die sich mit dem Taylorsystem eingehend beschäftigen wollen, bietet die Landwirtschaft ein fruchtbares Arbeitsfeld. Und dann denke ich, daß auch unser,e Maschinen- und Gerätefabriken nicht zurückstehen, sondern ihre Erzeugnisse uns zu solchen Versuchen zur Verfügung steifen werden. Der Leser c^enkt vielleicht: ein frommer Wunsch mehr, und schickt sich an, das Blatt beiseite zu legen. Halt still, lieber Leser. Wir reden nicht ins Blaue, sondern sitzen bereits auf einem solchen Lehrgut, das für die Vorbildung berufslos gewordener Kriegsteilnehmer von der Landwirtschaftskammer für Pommern, begründet wurde und demnächst seinen Betrieb beginnen wird. Dort soll auch der hier erwähnten neuen Aufgabe im Landbau alle Aufmerksamkeit gewidmet, und dabei die Handarbeit u’ieder zu der Ehre gebracht werden, die diesem Sattelpferde aller menschlichen Kultur gebührt. Rudolf von Kochützki, (Lehrgut Grinsimghof, Züllichow i. Pommern.) im „Tag“. VOLK UND LAND aiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiig II ■ BUECHE BB ESPRECHUNGEN - - — II 1-1 Sämtliche in „Volk und Land“ erwähnten und besprochenen Bücher und Druckwerke aller Art erhalten unsere Leser am schnellsten durch die Sortimentsabteilung des „Welt -Verlages“, Berlin NW. 7, Dorotheenstr. 35 Probleme des modernen Judentums Er. Jakob K 1 a t z k i n : Probleme des modernen Judentums (Berlin, Jüdischer Verlag 1918, 193 S. gr. 8°). Eine völlige neuartige Theorie des jüdischen Nationalisdas jüdische Erez Israel das Heil und einziges Ziel der Bewegung, Galuthjebein nur „heroische“ Uebergangszeit,. Galutharbeit nur Notstandsarbeit, Ablehnung des Kulturzlonismus. Man; sieht: eine völlig andere Darstellung als üblich, eine eingehende Besprechung erscheint geboten. Klatzkin beginnt mit den Irrwegen des nationalen Instinktes. Nachdem die Aufklärungszeit das hergebrachte Judentum in seinen Grundfesten völ ig erschüttert hatte, die jüdische Gesetzestreue also nicht mehr das Judentum schlechthin war, mußte ein neuer Existenzgrund für das Jude-Sein gefunden werden, das seiner alten Grundlage verlustig gegangen war. Man erfand den jüdischen Liberalismus, jenen „Geist des Judentums“, der es ermöglichen sollte, zugleich Jude und Deutscher, Jude und Franzose usw. zu sein; man verkümmerte das Judentum zu einer Lehre; man hat die Vorteile der Assimilation; man meidet die Treulosigkeit des völligen Abfalls. Aus ähnlichen Gedankengängen die westeuropäische jüdische Rechtgläubigkeit (d. h. m. E. soweit sie den Volksbegriff leugnet: ihr Tun ist national, die religiösen Gebräuche sind auch die nationalen .Gebräuche, ihre Gesinnung ist Assimilation). Diesen Bewegungen der „Halbassimilation“ steht gegenüber der Nationalismus. Zwei . Momente bestimmen unsere Nationalität: „das Moment h i s t o r i-

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