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Volk und Land · 1919-09-18 · Heft 38-39 (18.9.1919) · p. Seite 1237-1238

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 38-39 (18.9.1919)
Date
1919-09-18
Page
Seite 1237-1238 (sequence 31)
Language
German
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1237 VOLK UND LAND 1238 Sprache proklamieren wollen, wie es sich Sehalom Asch und Nathan Birnbaum in Czernowitz erlaubt haben. iEs wäre übrigens sehr interessant, zu erfahren, ob Birnbaum in seinem neuesten Entwicklungsstadium als Generalsekretär der Agudath-Jisrael in Zürich noch auf demselben Standpunkt steht wie in Czernowitz.) Die Jidisch Sprechenden werden in Massen kommen, und die Masse kann nicht bei ihrer täglichen Arbeit noch eine Sprache lernen, wenn sie sich auch ohne dies verständigen kann, zumal man aus dieser Not eine Tugend macht und ihr sagt, daß auf Grund des Prinzips der Demokratie sie es nicht nötig hat, Hebräisch zu lernen. In New York muß man natürlich Englisch und in Buenos-Aires Spanisch lernen. In Palästina, in unserem Palästina braucht man .nicht Hebräisch zu lernen. Hebräische Lehrer werden kaum ausreichen, um den Schuldienst zu versehen. So daß man nur hoffen darf, daß bei energischer Arbeit es vielleicht gelingen würde, das Hebräische soweit zu fördern, daß wenigstens die nächste Generation hebraisiert wird. Kein Mensch denkt daran, die jidische Sprache zu unterdrücken. Die großen Massen der Einwanderer werden Jidisch sprechen. Mit der Tatsache muß man rechnen. Wir müssen aber wissen, was wir in Palästina wollen. Wir wollen erreichen, daß wenigstens die nächste Generation Hebräisch spricht.“ („Die Arbeit“.) Ch. Krupnick. Vom „Abrücken“ Allenthalben hört man jetzt ein überaus törichtes Wort. Den Juden, die mit den schärfsten Tonarten der Umwälzung (Kommunisten, Unabhängigen und dergl.) nichts zu tun haben, wird unaufhörlich „nahegelegt“: sie sollten doch von jenen anderen demonstrativ „abrücken“! Diese unüberlegten Worte hört man, wie gesagt, sehr viel, und zwar von Juden wie von Christen, von Konservativen, Zentrumsleuten, Liberalen, ja sogar von Mehrheitssozialisten. Von denselben Leuten, die ein Hallo über das andere schreien würden, wenn sich in Deutschland: etwa eine politische Partei der Juden auftun wollte. Von wem sollen wir Juden als Juden eigentlich abrücken? Auf einen „unabhängigem“ Juden kommen in Deutschland drei mehrheitssozialistische (wenn auch nicht an der Spitze, so doch im eigentlichen Kader der Partei), zehn demokratische und hundert unpolitische. Und wenn wir von kommunistischen, spartakistischen, bolschewistischen Juiden in Deutschland reden wollen, nicht vom „unabhängigen“, so müssen wir in unsere Proportion statt drei „hundert“ und statt zehn „tausend” einsetzen. So will mir denn scheinen, daß es sich bei der Parole vom „Abrücken“ auch nur um einen Bluff handelt, aut den Christen wie Juden hineingefallen sind, und gegen den sie sich fortan mit und aus guten Gründen wehren sollten. Was aber die sentimentalen Tiraden betrifft, daß es sich für die deutschen Juden „gebührt“ hätte, der Revolution sozusagen von, einer Parkettloge aus zuzuschauen, so ist darüber folgendes zu sagen: Es gibt kaum etwas Verächtlicheres als einen Menschen oder eine ganze Klasse Menschen, die mit verschränkten Armen dabeilhocken, wenn der Staat, dem sie selber angehören, unter den wildesten Zuckungen eine politische Umwälzung durchlebt. Von solchen Menschen glaubt und sagt man mit Recht: sie pflegen abzuwarten, welchen Verlauf die Dinge wohl nehmen würden, um sich dann auf die Seite der siegreichen Partei zu schlagen. Solon von Griechenland hat durdh Gesetz verordnet, daß solche Individuen vom Leben zum Tode befördert werden sollen. (Neue Jüd. Monatshefte.) Georg Davidsohn, M. d. N. Taylorsystem in der Landwirtschaft Eines dier verderblichsten Vorurteile ist das von der „ungelernten Arbeit“, wozu die landläufige Meinung auch die Landarbeit zählt. Im Grunde gibt es überhaupt keine Arbeit, die nicht gelernt werden müßte. Welche Möglichkeiten aber eine systematische Durchdringung der Handarbeit mit Kopfarbeit bietet, hat man erst durch die Anwendung des nach seinem Erfinder benannten Taylorsystems erkannt. Dieses System besteht darin, jedien einzelnen Handgriff einer Arbeit wissenschaftlich zu untersuchen und auf seine leichteste und einfachste Form zu bringen. Eine immer wiederkehrende Bewegung an einer Maschine wird beispielsweise so untersucht, daß an der Arbeitshand eine Glühbirne .angebracht und die Bewegung dann kinematographisch aufgenommen wird. Dabei entstehen auf der Platte zeitlich unterbrochene helle Linien, deren fortgesetzte .wissenschaftliche Untersuchung und Korrektur schließlich zum Auffinden des zweckmäßigsten Handgriffs führt. Ebenso .werden die Handwerkszeuge und Maschinen, ihre Anordnung, der Arbeitsraum, die Erholungspausen, kurz jalle mit dem Arbeitsprozeß zusammenhängenden Faktoren untersucht und auf ihre zweckmäßigste .Form gebracht. Die Folgen dieser auf Erhöhung der Kopfarbeit und Verminderung der Handarbeit beruhenden Methode sind: Verbilligung der Produktion, Erhöhung der Löhne und des Unternehmergewiinns, Herabsetzung der Arbeitszeit und Verminderung der Unfälle. An die Stelle der „Aufseher“ treten die „Funktionsmeister“, die jedem einzelnen Arbeiter die genau festgelegten Handgriffe so lange zeigen, bis er sie völlig beherrscht. Ein Beispiel für den Erfolg dieser Methode ist die Verbesserung des Mauerns durch Gilbreth. Seine andauernden Untersuchungen ergaben, daß von den 18 beim Mauern üblichen Handgriffen 13 überflüssig waren. Er beschränkte sich auf 5, yereinfachte die Baumethode, erfand neue Werkzeuge und erhöhte dadurch die Leistung eines Maurers von 120 auf 350 vermauerte Ziegel in der Stunde. Seitdem hat das Taylorsystem einen Siegeszug angetreten, der so wenig an der Grenze seines Heimatlandes haltmachen wird, wie dde Dampfmaschine oder das Flugzeug. Sie wird auch in der Landwirtschaft Eingang finden, und es gibt augenblicklich wohl kein zweites Hilfsmittel, das so geeignet wäre, den vielen Arbeitskräften, die bei uns wohl oder übel aus anderen Berufen in die Landwirtschaft iibergehen müssen, diesen Uebergang zu erleichtern. Werden auch Kinematograph und Stoppuhr bei den mannigfachen Freilandhantiemngen der L4kda‘rbeit nicht die gleiche Rolle spielen wie in der äußerst spezialisierten Industrie: das Wesentliche — Handarbeit durch Kopfarbeit zu ersetzen — muß auth h er geschehen. Wir brauchen übrigens nicht nach Amerika zu gehen, um zu erfahren, wie das gemacht werden muß. ln unserm eigenen Lande haben wir einen Beruf, in dem das „Taylor-System“ von alters her geübt wird: nämlich den des Soldaten. ' Wer gedient hat, weiß es, wie hier jeder Griff bis ins kleinste durchgedacht ist. In einfachen und klaren Regeln ist die Behandlung wie die Handhabung der Waffen«, das Aufschlagen des Zeltes, das Packen des Tornisters, das Verhalten« beim Angriff und Rückzug genau festgelegt. Das Hin werfen und Aufspringen beim Feuergefecht wird nicht beliebig ausgeführt, sondern jede kleinste Bewegung dabei ist von Kopfarbeitern auf Grund, eingehender Versuche bestimmt, so daß der Soldat sie ohne weiteres Nachdenken ausführen kann. Man stelle sich einmal vor, welcher Salat auf den Rücken einer marschierenden Truppe herumflattern würde, wenn nicht eine unabänderliche Anweisung das Rollen des Mantels festsetzte! Ein so ungefüges Ding

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