Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 38-39 (18.9.1919)
- Date
- 1919-09-18
- Page
- Seite 1229-1230 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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1229 VOLK UND LAND 1230 gaben des Landaiikaufs. der Inventarbeschaffung, der öffentlichen Arbeiten usw. lösen zu können. Wenn der Gedanke der großen nationalen Anleihe mit der nötigen Energie und dem unbedingten Vertrauen in das Gelingen unserer heiligen Sache in das jüdische Volk getragen wird, so wird sie auch glänz e,n d gelingen. Und die reicheren Brüder werden gern und freudig ihre Mittel dem Volke leihen, damit es für uns alle endlich eine gemeinsame Heimat schafft. Die Zeit der großen Taten ist angebrochen, Dem K. Z. B. wird aus Palästina berichtet: Das Zirkular des Zionistischen ActJoms-Gomites, in welchem die Leitung den gegenwärtigen Stand der Bewegung in großen Zügen behandelt, hat in den führenden Kreisen des Jischubs großes Interesse hervorgerufen, Die allgemeine Stimmung der jüdischen Bevölkerung über die im Zirkulär behandelten Fragen der Immigration wird in einem Leitartikel der „Chadascboth Haarez“ vom 19. August wiedergegeben. Nachdem dort die fürchterliche Lage des jüdischen Volkes in den Ländern des Ostens besprochen ist, fieißt es: „Die Judenheit steht von einer großen Gefahr. Die jüdischen Gemeinden des Ostens, wo der größte Teil unseres Volkes' lebt, sind dem Untergang nabe. Und in dem Augenblick, wo die jüdischen Massen ihre Blicke nach Palästina richten, rufen wir Ihnen zu: „Wartet! Waget nicht herzukommen! Wir werden zunächst die nötigen Vorbereitungen treffen!“ Wo aber sind die Vorbereitungen? Ein ganzes Jahr ist bereits vorüber, seitdem das Land befreit worden ist; und während der ganzen Zeit, in der die schrecklichsten Nachrichten aus den Ländern der Ostjudenbeit kommen, haben wir nichts getan und nichts begriffen. Unter der größten Lebensgefahr unternehmen die Flüchtlinge die Reise nach Palästina. Trotz aller Verbote kommen sie. Sie kommen auf Booten durch das Schwarze Meer nach Komstantinopel. Sie durchwandern Sibirien und Japan; und selbst auf dem weiten Wege durch China und Indien kommen sie. Die Flüchtlinge füllen die Gefängnisse von Konstantinopel, leiden Hunger und Elend in den verschiedenen Hafenstädten — dies alles aus Liebe zu Zion, uml nur den einzigen Zufluchtshafen, der ihnen noch im Leben übrig blieb, zu erreichen. Wir aber rufen ihnen zu: „Wartet noch ein wenig, die Hilfe wird schon kommen!“ Das Volk, das zwischen Leben und Tod schwebt, siebt nur einen einzigen leuchtenden Funken vor sich, der das Dunikel seines Lebens erhellt: Erez Israel. Dürfen wir diesen Funken auslöschen? Haben wir das Recht, den unglücklichen Massen den einzigen leuchtenden Strahl ihres Lebens zu nehmen? Mit Schrecken vernehmen wir die entsetzlichen Nachrichten aus den Ländern der blutigen Pogrome und versuchen unser Gewissen durch Spenden an die Unglücklichen zu beruhigen. Aber was sind diese Geldspenden im Vergleich zu dem großen Ruin, den wir vor uns sehen? Unser Gefühl sollte uns doch zwängen, den Schrei um Hilfe mit dem Ruf zu erwidern: „Kommt Brüder; wir wollen gemeinsam leiden! Wir wollen unser letztes Brot gemeinsam teilen! Wir werden Euch mit unserer Liebe trösten! Gemeinsam wollen wir Wege und Mittel suchen, um unser Leben im Lande der Väter neu zu gestalten und mit unseren gemeinsamen Kräften unsere Zukunft zu bauen l“ Wir tun dies aber nicht. Wir schließen unsere Ohren, um die Hilferufe nicht zu hören. Wir wissen, daß eine große Masseneinwanderuing sowohl den Immigranten wie uns Unglück bringen kann. Wir sind gezwungen, grausam ziu sein. Wir sind gezwungen, unser Herz hart zu machen, um den Schmetiz nicht zu empfinden. Wir sagen uns: „Vernunft muß in unseren Taten entscheidend sein und nicht das Gefühl. Wir wollen uns beherrschen; wir mußten dieses Unglück ertragen, um den Jischub und seine Zukunft zu retten, weil hiervon das Schicksal unseres Volkes abhängt!“ Aber wir haben die Pflicht, hier mit Taten zu beginnen und uns nicht mit Worten allein zu begnügen. Wir.haben die Pflicht zu beweisen, daß wir uns tatsächlich mit den Vorbereitungen beschäftigen. Vor allem haben wir die Pflicht, denjenigen Immigranten zu Hilfe zu kommen, die sich in verschiedenen Städten auf dem Wege nach Palästina herumplagen. Wir müssen in Rußland und in anderen Emigrationszentren Hilfs- und Schutzkomitees gründen; aber unsere größte Aufgabe ist die sofortige Inangriffnahme von zahlreichen öffentlichen Arbeiten hier in Palästina, durch die Assanierung des Bodens und Organisierung von Arbeiten in den Städten. In unseren Kolonien haben wir große ne Boden flächen zu unserer Verfügung, — — wiederum werden die nötigen Vorbereitungen nicht gemacht, um diese Flächen, zu bearbeiten, wobei zahlreiche Kräfte Arbeit finden könnten. Wir dürfen keinen Augenblick vergessen, welches Opfer wir von unseren - unglücklichen Brüdern verlangen und welche große Verantwortung wir auf uns nehmen, wenn wir ihnen zurufen: „Niemand wage es zu kommen!“ Möge die nötige Vorbereitung wirklich bald und in großem Maße in Angriff genommen werden; dann und nur dann werden wir das Recht haben, mit ruhigem Gewissen zu sagen: „Wartet noch ein wenig, die Hilfe wird schon kommen!“ .. S Am 1. Oktober beginnt ein neues Quartal Wir bitten unsere Leser in ihrem eigenen Interesse, 1 die Abonnements rechtzeitig zu erneuern ......Illlllllll.lllllUliiimilllllllllliKiiillllllllllii.iiilli