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Volk und Land · 1919-09-18 · Heft 38-39 (18.9.1919) · p. Seite 1225-1226

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 38-39 (18.9.1919)
Date
1919-09-18
Page
Seite 1225-1226 (sequence 25)
Language
German
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VOLK UND LAND 1226 1225 Ebene von Jesrcel mit der Jordansenke verbanden wird. Jenseits des Jordan, etwa Jesreel entsprechend, liegt das Tal des Jarmuk, der vom Haiurangebirge nach Westen fließt. Jer Jarmuk ist die östliche Fortsetzung der Ebene, welche Galiläa von Samaria, die alte phönizische Küste von dem Strand der Philister scheidet. Die scharfnusgeprägte nordsüdliche Linie des Jordanlaufes gibt einen oberflächlichen Beobachter die Vorstellung einer starken natürlichen Grenze, aber in Wirklichkeit dehnt sich das Land nicht vom Norden nach Süden, sondern von Westen nach Osten aus. Das Jordantal ist ein bloßer Einschnitt, der dem eine geologische Geschichte erzählt, der sie ziu lesen versteht, hat aber keine hisortisehe Wichtigkeit. Es war natürlich für die biblischen Hebräer, welche zu dem Meere keine Beziehungen haften, zu sagen, daß ihr Land von Dan bis Beerscheba reiche. Für das neue Palästina aber wird das Meer das Lebenselement sein, es wird nicht durch Absperrung wie das alte Israel und Juda leben, die sich immer auf ihre Berge zurückzogen vor den Eindringlingen, die die Täler überfluteten, sondern als ein Mittelglied des großen Handelsweges zwischen dem Mittelländischen Meer und dem persischen Golf, zwischen den Ebenen des Nil und des Euphrat. Statt von Dan bis Beerscheda wird es richtiger heißen, von Haifa bis Bosrai, denn das wird, wenn Palästina prosperieren soll, der wichtigste Handelsweg sein. Palästina könnte sich über den tiefen Einschnitt des Jordan von rechtswegen beschweren. Denn wäre er nicht, so würde der Jarmuik, der vom Jebel Druz kommt, seinen Laut zum Meere über Esdrelon fortgesetzt und bei Haifa gemündet haben und Palästina wäre nicht das Land des Jordan (der weder schön noch nützlich ist und der im Juden nie besondere Gefühle ausgelöst hat) sondern das Land des Jarmuk, sowie Aegypten das Land des Nil ist, mit der Ebene von Haifa als Delta und mit dem Hauran als Sudan. Die Eisenbahn kann diesen Fehler der Natuir verbessern und die Bahn von Bosra, welche die Hedschasbahn bei Deraa (dem Schauplatz von Josuas Sieg über Og, den König von Biosan) kreuzt und dann dem Jarmuktale folgt, um durch das Tal von Esdrelon das Meer zu erreichen, ist die große Verkehrslinie, welche für das künftige Palästina das leisten soll, was der Strom geleistet hätte, wenn er nicht in die Jordansenke gefallen wäre. Wenn wir auf diese Weise die politische Geographie Palästinas ansehen, so wird uns klar, daß Palästina des Hauran beraubt, ihm aber die Ebene von Haifa und das Tal von Esdrelon zu lassen, heißt: es verstümmeln und die offenkundigen Absichten der Natur verleugnen. Nicht nur Palästina hat ein Recht auf sein Hinterland im Hauran, sondern das Hinterland hat auch ein Recht auf das Meer. Sie zu trennen, wäre unrecht gegen beide und würde ihre wirtschaftliche Entwicklung hindern. Die Größe von Bosra unter Trajan beruhte darauf, daß es der südliche Hafen für die syrische Wüste war, der Hafen zwischen dem Mittelländischen Meer und dem persischen Golf. Wenn wir die Linie Bosra—Haifa als eine große Fiußhandelsstraße auffassen, dann ist nicht einzusehen, warufn nicht Bosra ein neues Bagdad werden sollte. Eine Eisenbahn wird die beiden Orte verbinden qnd von Haifa bis Bagdad führen. Bosra—Basra wird die natürliche Wirtschaftsroute für den Ueberlandhandel sein, die die ganze künstliche und militärische Verknüpfung zwischen Konstantinopel und dem persischen Golt zunichte machen wird. Hier im Hauran liegt der Schlüssel zum materiellen Erfolg des neuen Palästina. Diese große Hauptlinie von Haifa zum Hauran und weiter nach Mesopotamien wird natürlich von zahlreichen Nebenlinien genährt werden. Aber all dieser Verkehr, so wichtig er sei, wird immer nur untergeordnet sein der großen Hauptlinie Haifa—Bosra. Diese Auffassung Palästinas als eines westöstlich orientierten Landes gibt uns neue und einfache Anhaltspunkte für die nördliche Grenze Palästinas. Das natürliche Gebiet der nördlichen Sphäre ist offenbar vom Libanon, dem Litani und dem Hermon begrenzt. Sodann könnte der anbaufähige Teil der Wüste von Jebel Drus bis Gilead das Grenzgebiet bilden. Das ist die wirkliche wirtschaftliche Grenze Palästinas im Norden und Nordosten. (Palestine.) „DER GEGENWAERTIGE STAND DER BEWEGUNG“ Von H. Garbats k i. Unter dieser Ueberschrift veröffentlichte die „Jüdische Rundschau“ in Nr. 63, vom 5. September ds. Js., ein Zirkularschrei ben des Zionistischen Aktions-Komitees, datiert, London, den 25. Tammus. Mit Freude begrüßte wohl ein jeder diese Ueberschrift, denn wir sind von unserer Leitung durch allzuhäufige Mitteilungen über die Lage nicht verwöhnt worden, so daß es eigentlich nicht wuindernehmen kann, wenn weite zionistische Kreise kaum mehr wußten, woran sie eigentlich sind. Ich möchte jedoch deswegen keinen Vorwurf gegen das Aktions-Komitee erheben, denn, wie in dem obenerwähnten Zirkulaschreriben ausgeführt, und wie jeder Einsichtige sich sagen konnte, hing es nicht von unseren Führern ab, wenn Klarheit in unsere politische Situation in Palästina noch nicht geschaffen wurde. Wir müssen un» eben in dieser Beziehung in Geduld fassen, bis die Friedenskonferenz uns die Erfüllung unserer Wünsche bringt; hoffentlich' recht bald. Schmerzlich aber war es, zu lesen, in welcher Weise sich unsere Oberste Leitung die Vorbereitung zu unserer großen bevorstehenden Wanderung nach Palästina denkt. Bei der Aufzählung der Gruppen, die von jedem Ortsverband zu organisieren sind, stehen an erster Stelle junge verheiratete Leute im Alter von 20 bis 30 Jahren, die über mindestens 5000 Frcs. verfügen. Sie sollen gruppenweise nach Palästina kommen, sich dort als Arbeiter in den Siedlungen des Jüdischen National fonds niederlassen und mit ihrem eigenen Kapital noch außerdem eine kleine Gemüse-, Geflügell¬ und Milchwirtschaft einrichten. Ferner sollen A c h u s a - Gruppen gebildet werden, mit einem ungefähren Vermögen eines jeden Mitgliedes von 25000 Frcs., das man im Verlaufe von fünf Jahren einzuzahlen in der Lage wäre. Eine Achusa-Kokmisation mit solchen Beträgen würde für den bescheidenen Unterhalt einer Familie ausreichen. Dann sollen Chaluzim - Gruppen zusammengestellt werden, die zu den schwersten physischen und moralischen Anstrengungen bereit wären, die aber außerdem noch genügend Geld für die (zurzeit noch recht teure) Reise haben müssen. Ihnen wird in Aussicht gestellt, daß man, „sobald sich die Kolonisation in den nächsten Jahren vergrößern wird, aus ihrer Mitte Arbeiter nehmen wird, um für neue

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