Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 38-39 (18.9.1919)
- Date
- 1919-09-18
- Page
- Seite 1223-1224 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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1223-=-- VOLK UND LAND ■ =--^.. 1224 DER HAURAN H nur an ist die Bezeichnung für ein Gebiet östlich vom Jordan, dessen Grenzen verschieden angegeben werden. Wir gebrauchen hier den Namen als Benennung tür das ganze Gebiet, das im Norden von der Ebene von Damaskus, im Süden von Gil-ead, im Westen vom Jordan und im Osten von der syrischen Wüste begrenzt wi.rd. Es ist eines der wertvollsten Gebiete Syriens, und von der Bestimmung seiner politischen Zugehörigkeit wird die militärische und wirtschaftliche Politik des neuen Palästinas im hohen Maße ab hängen. Seine politische Zugehörigkeit ist noch nicht bestimmt und der Zweck dieses Aufsatzes ist, für seine Einfügung in die Grenzen Palästinas einzutreten. Es ist offenkundig, daß freundliche Beziehungen zu den Arabern sowohl im Interesse eines neuen Arabien als auch eines neuen Palästina notwendig sind, und darum kann eine Politik territorialer Expansion auf Kosten der Araber das letzte sein, was die jüdischen Vorkämpfer für Palästina wünschen. Gleichzeitig liegt es auch im Interesse der Araber, in ihre politische Sphäre kein Gebiet einzuschließen, das später zu einer palästinensischen Irredenta werden würde. Die Großmächte, die sich jetzt mit der Regelung der türkischen Verhältnisse befassen, unterliegen einer starken Versuchung, der Linie des geringsten Widerstandes zu folgen und den Hauran und andere wichtige Gebiete östlich des Jordan jenen zuzusprechen, die im Augenblick an Zahl oder an Einfluß die stärksten sind. Bei der Regelung der palästinensischen Angelegenheit handelt es sich aber um die Erlassung von Normen nicht für die Gegenwart, sondern für die Zukunft. Bei der Festsetzung der endgültigen Grenzen des Landes muß man darum nicht an das gegenwärtige, sondern an das zukünftige Palästina denken. Nicht an das Land, das heute nichts als der geographische Ausdruck ist, sondern an die Wünsche des Volkes, das zu neuem und kräftigem Leben erwacht ist. Die politische Zugehörigkeit des Hauran in der historischen Vergangenheit würde einen interessanten Gegenstand für eine Monographie bilden. Josua eroberte ihn, als die Juden zuerst in Palästina eindrangen, durch einen Sieg über Og, den König von Baschan, aber wie so manche von Josuas Eroberungen, ging auch diese in der Richterzeit verloren. Er fiel den Juden erst wieder unter David zu, der ja auch seine Oberhoheit über Damaskus ausdehnte. Salomo betrieb schon eine ganz entschiedene Handelspolitik, und seine Reichtümer rührten von dem Handelsverkehr zwischen Akaba und dem Mittelländischen Meere her. Unglücklicherweise opferte er seine Besitzungen im Hauran und im Norden für den Aufschwung von Jerusalem, welcher am meisten von der Entwicklung des Ueberlandhandels von Akaba profitierte. Er war ein Ismail Pascha vor seiner Zeit. Mit dem Aufkommen von Syrien und Assyrien verlor Israel den Hauran und gewann ihn nicht wieder bis in den Tagen des Herodes. Dieser litt unter den Räuberbanden von Leja, bis es ihm gelang, mit Hilfe eines Juden aus Babylonien namens Zamaris Ordnung zu schaffen, welcher eine von Herodes gebaute Feste besetzt hielt und die von Babylonien kommenden jüdischen Pilger schützte. Das Ergebnis war, daß das Land „voll Volkes“ wurde. Für eine kurze Zeit war der Hauran der römischen Provinz Syria angegliedert, unter Herodes Enkel Agrippa aber gehörte sein größter Teil wieder zu Palästina. Unter Trajan bildete ganz Transjordanien eine Grenzprovinz Arabia und kam zu beträchtlicher Blüte. Ihre Haputstadt war Bosra. Mr. Sidebotham, der „Student of War“ des Manchester Guardian, schreibt in seinem Buch „England und Palästina“: „Hier könnte der jüdische Staat einen Ersatz für Damaskus finden, wenn diese Stadt außerhalb seiner Grenzen fiele und vom Hauran über Leja könnte die Verbindungsbahn zwischen dem neuen britischen Dominion in Palästina und dem neuen britischen Reich in Mesopotamien verlaufen und den Handel des türkischen Orients in eine Richtung lenken, die der Großmacht günstig ist, welche im Mittelländischen Meere herrscht und die Interessen der südlichen Teile des türkischen Reiches wahrnimmt.“ Dieser kurze Ausblick zeigt, daß Israel in jeder Periode politischer Größe den Hauran besaß und daß er ihn nur verlor, wenn es mit mächtigen Nachbarn um sein Dasein kämpfte. Die Politik Roms, welches, da Syrien eine seiner Provinzen war, an dem Lande das einzige Interesse hatte, es blühend und zufrieden zu sehen, ging darauf hinaus, es mit Palästina zu vereinigen. Die Friedenskonferenz ist jetzt in der Lage Roms und hat #Jie Zukunft des Hauran und des Transjordaniens zu entscheiden. Soll er mit Syrien vereinigt werden, wie unter der Herrschaft der Nachfolger Alexanders des Großen? Soll er einen Teil Palästinas bilden, wie unter den julischen Kaisern? Oder soll er als ein Teil Arabiens angesehen werden, wie dies unter Trajan der Fall war, zu dessen Zeit es allerdings keinen palästinensischen Staat gab? Diese Fragen sollen später erörtert werden. Wir wollen hier nur zwei Grundsätze feststellen. Der erste ist, daß Großbritannien als Mandatar des Völkerbundes in Palästina verpflichtet ist, nicht nur für Palästina wie es heute ist, sondern auch für das neue jüdische Palästina, das erstehen soll, sein bestes zu tun. Es soll auch Mandatar für Neuarabien werden und es ist nicht ausgeschlossen, daß sein Interesse als Schützer des einen mit seinem Interesse als Schützer des anderen kollidiert. Wie die Kollision aiusgetragen wird, das wird davon abhängen, ob der Hauran für die Zukunft Palästinas oder für die Zukunft Arabiens notwendiger ist. Diese Frage muß als die Hauptfrage angesehen werden. Der zweite Grundsatz ist, daß Trajans Politik die Schaffung einer eigenen transjordanischen Grenzprovinz nichts gegen eine jetzt erfolgende Vereinigung mit Palästina beweist. Wenn man Trajans Politik nachahmen wollte, so müßte man den Hauran zu einer Reichskronkolonie zur Kontrolle der syrischen Wüste juna der Verkehrswege zwischen dem Mittelländischen Meere und Mesopotamien machen. Wenn England dies tun will, so ist das recht schön, aber es ist nicht eine Lösung, sondern eine Hinausschiebung des Problems. Es steht außer Frage, daß diese Grenzprovinz als eine Reichsprovinz der britischen Krone verwaltet werden müßte. Die Zeit wird kommen, wo sie notwendig ein Teil Palästinas oder ein Teil Arabiens werden muß. Es wäre allerdings besser, wenn die Entscheidung jetzt getroffen würde. Ein Blick aut eine Karte von Palästina zeigt, warum Palästina und der Hauran füreinander so wichtig sind. Der wichtigste natürliche Einschnitt Palästinas ist das Tal von Esdrelon, das durch die