Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 38-39 (18.9.1919)
- Date
- 1919-09-18
- Page
- Seite 1219-1220 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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1219 VOLK UND LAND 1220 Pflüge und sonstiges Arbeitsvieh, Kühe, Ziegen, Schafe, Hühner, Tauben usw. 1000 AI. Diverses: Pumpen mit Wasserleitung, Reparatur der Häuser, Küche, Apotheke, Bibliothek, Meteorologisches Institut, Rettungsringe, Dynamit. Produkte und Nahrungsmittel für 1 Jahr: Zukker, Petroleum, Salz, Oel usw. Mobilar’ Geräte und Wäsche, passende Kostüme für die Schüler 2000 Ab Die Gründung der Farm beläuft sich auf 13 000 £. II. Administration und Arbeiter. Die Lehrer und Leiter, Buchführcr, Feldscheer, Tischler, Schmied, Schlosser, Anstreicher, Drechsler, Klempner und Gehilfen, die landwirtschaftlichen Arbeiter und die Schüler (in der ersten Zeit) werden monatlich zirka 800 t kosten. Die Einnahmen. Die Einnahmen der Muster farm fangen unmittelbar nach ihrer Gründung an: 1. durch Personen- und Wagentransport, 2. durch Verkauf frischer Fische, 3. durch Verkauf konservierter und geräucherter Fische, 4. Hausindustrieverkauf (Netze, Perlmutter usw.), 5. durch die technischen Werkstätte durch Herstellung und 'Reparatur von Kähnen, 6. durch Ueberschuß an Gemüse, Milch und Dünger. % Da noch kein instimt dieser Art im Lande besteht, sind wir nicht in der Lage, die Einnahme auch nur in ungefähren Zahlen anzugeben. Nun bleibt uns noch die Menschenfrage, wer die Leitung der einzelnen Betriebe übernehmen kann. Im Lande wird es schwer sein, die geeigneten Leute zur Leitung des Unterrichts zu finden. Man wird also entweder vom Auslande die nötigen Spezialisten engagieren, oder man wird im Lande Leute wählen, die diesen Fächern nahestehen, und sie zwecks spezieller Ausbildung ins Ausland senden. Beide Wege erfordern eine gewisse Zeit. Die Ansicht der Kolonisationsleitung entschied bis jetzt nur für die Berufung ausländischer Spezialisten, ein Weg, der ans vielen wohlbekannten Gründen meist mißlungen ist. Ndn ist es vielleicht ratsam, den anderen Weg zu versuchen, d. h. im Lande lebende Fachleute nach dem Auslande zwecks Ausbildung zu entsenden. Jedenfalls ist das Vorhandensein geschulter Fachleute unerläßliche Voraussetzung des Ganzen. Als Schüler wird jeder Jüngling im geeigneter* Alter aufgenommen, wenn er Hebräisch und Rechnen lauf Programm einer Volksschule kann, körperlich und geistig gesund ist und zu einem „Wasserberuf“ Lust hat. Den Vorzug haben stets die, die schon aut der See, in der Landwirtschaft oder Industrie tätig watren. Wenn es nötig sein wird, wird man aus Saloniki jüdische Fischer und Bootsleute engagieren können, besonders in der ersten Zeit. Man könnte dann auch eine ^geregelte Einwanderung von dort nach Palästina in die Wege leiten. m Nach ungefähr dreijähriger Arbeit verlassen die ausgebildeten Arbeiter, die fähig sind, selbständig zu arbeiten, die Farm. Sie erhalten Kähne, ein Haus und ein Stück Land, am Ufer des Meeres una alles andere Nötige, was sie in Raten abzahlen und gründen neue kooperative selbständige Fischerkolonien mit Teichen, gemeinsame Läden usw. am Ufer des Meeres und an ihrer Stelle werden in die Farm neue Schülervaufgenommen. Wenn die Imigration groß werden wird, könnte man in diesen Kolonien nach viele unserer eingewanderten Brüder beschäftigen - und so werden wir auch Seepioniere haben. C. L e h r s ch i f f e. Palästina war das Ziel religiöser und wissenschaftlicher Reisen für hunderttausende Juden, Christen und Muselmane jährlich. (Den letzteren galt es auch als Station auf ihrem Wege nach den heiligen Orten Mekka und Medina.) Es ist kein Grund dafür vorhanden, daß die Bewegung nach dem Kriege abnehmen wird. Im Gegenteil, die neuen Bedingungen des Landes werden viele Schwierigkeiten den Reisenden aibnehmen und werden ihren Besuch selbst derjenigen Orte ermöglichen, die bis jetzt schwer zu erreichen waren. In Anbetracht des Handels wird Palästina als Eingang von Europa nach Asien gelten, das Lager des internationalen Warenaustausches zwischen Ost una West werden. Dies sind die allgemeinen Gründe, welche die Schiffahrt in unseren Häfen in hohem Maße wichtig machen und zu diesen kommen noch spezifisch jüdische Gründe: Palästina als nationale Heimstätte für das jüdische Volk wird eine Imigratiion von Millionen Juden aller Länder an sich ziehen. Die Rolle des Juden als Kaufmann und Veri mittler wird besonders im obiggenanntem 'interj nationalem Verkehr sich geltena machen. Die Schiffsreparatur nahm vor dem Kriege fast gar keinen Platz ein, weil die Häfen nicht geregelt waren. Mit dem Bau der Häfen wird auch deren Werftbetrieb Rechnung getragen werden. Besonders wird der Hafen in Haifa groß werden, und dort wird sicherlich auch "Platz sein für Schiffbau und Reparatur. Die Häfen unseres Landes (Zidon, Pie sehe th u. a.) zeichneten sich schon von jeher durch ihre Schiffe und Transporte, wie aus der Geschichte wohl bekannt ist, aus. Wir müssen sie erneuern. Wir müssen uns sofort daran machen, die Seemannskunst im weitesten Sinne dieses Wortes neu zu entfalten und als natürliche Fortsetzung der Farm brauchen wir ein Uebungsschiff. j Zu dem genannten Lehrerkollegium der Farm komme also noch ein Kapitän zur Leitung des Schiffes und zum Unterricht in der Nautik. D. S c'h ule für Meereskunde. Die Musterfarm und das erwähnte Schiff werden die jüdischen Seearbeiter Palästinas schaffen. Wir müssen aber unsere Arbeit auf wissenschaftlicher Grundlage in Betracht der besonderen Verhältnisse des Landes aufbauen, und sie durch gehörige Forschungen vervollkommnen und immer auf der nötigen Höhe der modernen Technik zu stehen. Zusammen mit der praktischen Arbeit müssen wir theoretische Arbeitskräfte heranziehen und zu diesem Zwecke eine besondere Schule für Meereskunde zu gründen, zu gleicher Zeit mit der praktischen Arbeit in der Farm und auf dem Schiffe. Diese Schule soll durch Theorie die Praxis in der Farm und auf dem Schiff ergänzen. Die Schule wird eine Fachschule sein, und alle Wissenschaften, wie Biologie, Naturkunde, Mathematik usw. werden mit besonderer Berücksichtigung der Meereskunde betrieben werden. Die Aufgabe dieser Schule soll nicht sein „Diplombesitzer“ in die Welt zu bringen, sondern jungen Leuten die Fähigkeit zu geben, der Wasserkultur zu nützen.