Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 38-39 (18.9.1919)
- Date
- 1919-09-18
- Page
- Seite 1211-1212 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1211 VOLK und LAND 1212 Gemeinschaft. So auch Baukultur und Stil. Womit wir diese Einschaltungschließen wollen. Es bliebe uns in diesem Abschnitt noch übrig, die Bauten für die Wohlhabenden und schließlich die öffentlichen (Bauten etwas eingehender zu besprechen. Daß ein sehr fühlbares und recht umfangreiches Bedürfnis nach solchen Bauten sich bereits jetzt schon bemerkbar macht, ist bekannt. Uns liegen selbst bereits hunderte von Anmeldungen vor von Familien, welche Heime für sich unter Zurverfügungstellung erheblicher Baumittel durch uns herstellen lassen wollen. Ebenso von Industriellen, welche neben ihren geplanlen Anlagen die Errichtung vom Wohnhäusern für sich se'bst und ihre Familie sofort nach Oeffnung der Grenzen Palästinas für die Einwanderung in Angriff nehrmen lassen» wollen. Und so wie diese werden viele andere Kreise auch nicht ein einziges Jahr mit ihrer Seßhaftmachung in Palästina zögern wollen. Was nun die Bauten für diesen Teil der Einwanderung betrifft, so ist unzweifelhaft, daß gerade aut diesem Gebiete schon im Anfänge sehr viel Schönes und Mustergültiges geleistet werden kann, da die Mittel hierzu in reichem Umfange zur Verfügung stehen werden. Es erscheint durchaus als im Bereich des Möglichen liegend, diese Bauten genau ebenso komfortabel in jeder Beziehung zu errichten und auszustatten wie nur irgendwo im der Welt, da nicht abzusehen ist, aus welchem Grunde es gerade in Palästina an der Beschaffung irgend welcher zum vollkommenen Bauen notwendigen Bedürfnisse mangeln sollte. Natürlich wird die Einfuhr der hierzu notwendigen Baumaterialien, Maschinen, sanitären Objekten, anfangs wohl auch zum größten Teile der Möbel, in den ersten Zeiten infolge der allgemeinen Frachtraumknappheit auf gewisse Schwierigkeiten stoßen, doch ist ja der zu erwartende allgemeine Import der Baugesellschaft für die Massenbauten an sich ein so enormer, daß diese Sonderbeschaffungen ihm gegenüber schließlich kaum wesentlich ins Gewicht fallen dürften. Vorausgesetzt also, daß uns alle mm Errichten komfortabler Bauten notwendigen Bestandteile zur Verfügung stehen werden, können wir die Errichtung der Heime für den wohlhabenden Teil unserer Einwanderung ganz nach den besonderen Wünschen desselben und nach unseren besten hiesigen Maßstäben ausführen. Die Unterschiede, die sich aius der besonderen Lage und dem Klima des Landes ergeben, sind hierbei natürlich ebenso zu berücksichtigen wie bei den einfacheren Bauten. Die Anlage hoher Räume, großer Veranden, Schattenhallen und Dachgärten, sowie von Zentralkühlanlagen statt der hiesigen Zentralheizanlagen sind Selbstverständlichkeiten, die sich aus der Natur des Landes ergeben. Daß die Möglichkeit der reichen Vegetation des Landes zur Vervollkommnung und zum Schmucke dieser Bauten im ausgiebigsten Maße wird herangezogen werden, versteht sich eigentlich auch von selbst. An vielen Punkten kommt auch die Bo’dengestaltung einer besonders günstigen Lösung derartiger Bauaufgaben (die Abhänge des Karmel, die Halbinsel Kerak) durchaus entgegen. Es bleibt im Rahmen dieser Ausführungen noch einiges zu sagen über die Ausgestaltung der ötfentlichen und Sakralbauten. Gerade bei der Planung der öffentlichen Bauten werden die oben entwickelten künstlerischen Prinzipien von besonderer Wichtigkeit sein, denn gerade bei ihnen liegt nach alter Erfahrung die Gefahr einer unsachlichen Stilisierung besonders nähe. Der äußere Anblick und die innere Ausgestaltung unserer S c h u 1 g e b ä u d e soll freudige Empfindungen bei der Jugend hervorrufen, die dem düsteren Cheder entnommen ist. Unsere Hochschulen haben in ihrer Erscheinungsform den Geist der Wissenschaft zu repräsentieren, von der Technik muß verlangt werden, daß sie auch technische Musterbauten in jeder Beziehung seien, und den Studenten Gelegenheit zum Studium am eigenen Gebäude in reichem Maße geben. Theater, Krankenhäuser, Verwaltungsbauten haben jedes im ganzen äußeren Habitus unzweideutig ihre Bestimmung und ihr Wesen jedem Bürger zu offenbaren. Diese Bauten sind ausschlaggebende Mittel für die ästhetische Erziehung'eines Volkes. Und von ihnen allen Ungeschmack und alle Entgleisungen verderbter Kultur fernzuhalten, muß unser Streben sein. Im höchsten Grade 'trifft dies für die religiöse n Zwecken geweihten Bauten zu, deren Formgebung von vornherein als eine der höchsten Angelegenheiten der nationalen Kultur betrachtet und dementsprechend behandelt werden muß. Ueber das Wesen technischer Bauten, Fabriken usw., ist in einem vorangehenden Abschnitt bereits das Notwendige gesagt. Eine Angelegenheit, die ebenfalls von Anfang an mit Sorgfalt vorbereitet und mit Tatkraft behandelt werden muß, ist die Herstellung bzw. Beschaffung von Einrichtungsgegenständen für die Wohnungen der Ansiedler. Wie die Dinge liegen, kann auch hier, bei dem vollkommenen Fehlen nicht nur jeder nationalen handwerklichen Tradition, sondern überhaupt von brauchbaren jüdischen Möbelhandwerkern das Heil nur in einer großzügigen zusammenfassenden Herstellung von Typenmöbeln gefunden werden. Abgesehen davon, daß aller Voraussicht nach keine noch so gesteierte Einzelherstellung in der i-age sein würde, en ungeheuren Bedarf nach Einrichtungsgegenständen auch nur annähernd zu decken, da bei den herrschenden hohen Transportkosten es kaum irgend einem Ansiedler möglich sein wird, eigene Möbel mitzubringen, a'iso alles neu hergestellt werden muß, so wird durch die fabrikmäßige massenweise Herstellung von guten Typenmöbeln erstens eine Fülle von Geschmacklosigkeiten vermieden, zweitens eine große Summe nationaler Arbeit durch vernünftige Organisation eingespart und drittens der Preis der Erzeugnisse gegenüber der Einzelherstellung gesenkt, ihre Qualität dagegen gehoben werden. Ec ist natürlich nicht daran zu denken, daß nun eine „nationale Werkstätte“ von einem Punkte des Landes aus alle Siedlungen mit Möbelindustrieerzeugnissen versorgen könnte, doch wäre es sehr zu erstreben, daß in jeder größeren Siedlung oder in einem Komplex von solchen eine derartige Werkstätte entstünde, deren einheitliche Zusammenfassung und Leitung für das ganze Land zumindest im Bereich des Möglichen liegt. Derartige Versuche sind in europäischen Siedlungen mit Erfolg unternommen worden. Inwieweit die Baugesellschaft auch an dieser Entwicklung der Möbelindustrie Anteil zu nehmen in der Lage sein wird, läßt sich heute ebenfalls noch nicht übersehen. Doch bleibt es ein ndziel der Gesellschaft, dem Ansiedler das fertige Haus mit allem Zubehör an Einrichtungsgegenständen liefern zu können. In vielen Fällen wird auch bei der Erstellung von in Auftrag gegebenen Fabriken und Werkstätten die Lieferung und der Einbau der Maschinen und des sonstigen Einrichtungsmaterials mit übernommen werden können. (Forts, folgt.)