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Volk und Land · 1919-09-18 · Heft 38-39 (18.9.1919) · p. Seite 1201-1202

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 38-39 (18.9.1919)
Date
1919-09-18
Page
Seite 1201-1202 (sequence 13)
Language
German
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1201 -= ■■■-= ~^=--—VOLK UND LAND =..^-.-== -■■■.-= 1202 durchaus zu erwägen und natürlich bei jeder Matcrhüiorm anwendbar, fajjs sich nicht gewichtige Einwände, wie das Eindringen von Ungeziefer in die Häuser, dagegen erheben sollten. Dann bliebe noch immer Baumpflanzung als Schatten- und Schünheits-j wohl auch als Ertragspender in unmittelbarer Nähe der Häuser, vorzusehen. Es ist 1912 in Berlin der Versuch gemacht worden, aus porösen Lochziegeln (Kleineschen Deckensteine) obigen Formates eine Wohnzelle von 2:4 m i. L. mit flachem Dach herzustellen. Die Errichtung nahm zwei Arbeitstage eines gelernten Maurers in Anspruch und kostete fix und fertig mit innerem und äußerem Putz, Tür, Fenster, Holzfußboden und unterem Schwellenkranz 130 Mark. Das Dach war begehbar. Das ganze Gebäude hat einen weiten Wagentransport durch Berlin ohne Nachteil bestanden, da die Wände durch nach einem bestimmten System eingelegten Bandeisen geschützt waren. Vorher diente es zwei strenge Winter hindurch a’s Baubüro und hat sich als durchaus wetterdicht, im Sommer kühl und im Winter gut heizbar erwiesen. Wenn wir imstande wären, für die ersten Zeiten der Einwanderung tausende von derartigen Zellen, evtl, eines etwas größeren Formates (2,50:4,50 m im Lichten) für die Einwanderer zu erstellen, so wäre damit die Unterkunftsfrage, soweit es sich jetzt und von hier aus beurteilen läßt, auf das trefflichste gelöst. Zu der Frage der Ansiedlung der in erheblicher Zahl damals in Palästina eingewanderten yemenitischen Juden wurden aiuf Veranlassung des jüdischen Nationalfonds im Jahre 1913 Kostenanschläge von einigen der größten deutschen Massivbaufirmen für die Errichtung derartiger massiver Häuschen von 2,50:4,50 m und 3 m Höhe eingezogen. Der damals erzielte Offertpreis betrug 400 Mark pro Haus (fix und fertig), was zwar dem dreifachen des damaligen hiesigen Herstellungspreises entsprach, aber andererseits nur einen Bruchteil des in Palästina üblichen Preises darstellte. Drei derartige aneinandergereihte Einheiten entsprechen in der Grundfläche dem oben aufgestellten Normalhausprogramm von zirka 30 qm Nutzfläche (ergeben genau 33,75 vm) und würden also nach dem damaligen Offertpreis auf nur 1200 Mark für das Normalhaus zu stehen kommen, in Wirklichkeit in Eigenbauregie vermutlich noch ganz bedeutend billiger, da die großen deutschen Firmen seinerzeit gar kein Interesse daran hatten, und auch gar nicht imstande waren, etwa besonders günstige oder billige Angebote zu machen. Massive Dreiraumhäuser von größerem Umfange wurden unter der Bauleitung des technischen Abteilung des Palästina-Amtes Ende 1913 in Merchawia zu,m Preis von 2400 Mark hergestellt (also dem Doppelten des von den deutschen Firmen Veranschlagten) und galt dies damals noch im allgemeinen als erstaunlich billig. Diese Angaben mögen zur Information über den Herstellungspreis dieser ersten massiven Ansiedlerunterkünfte genügen. Greifbare Unterlagen zur Kalkulation lassen sich daraus nicht gewinnen, zumal niemals mit einer derartigen Massenherstellung, wie sie heute in Aussicht steht, gerechnet war. Die zu erwartende Herstellungssumme für das massive Normalhaus schwankt zwischen einigen hundert und einigen tausend Mark. Wir setzen daher oben in eine überschlägliche Berechnung der für diese Unterkünfte auf zuwendenden Gesamtbaukosten die mittlere Sumhie von 2000 Frcs. pro Haus ein, niur um zu irgend einer Art von Uebersicht über den Umfang des Kapitalbedarfes der Gesellschaft zu gelanen. Das System der HerstcTung von in Form und Ausstattung gleichem Einzelhäusern (ZeUele.neaten) und die verschiedenen Möglichkeiten ihrer Aneinanderreihung usw. muß als das Ideal in baulicher und vor allem wirtschaftlicher Hinsicht für die ersten Ansiedlungsjahre gelten. Für bestmögliche Lüftung der Ansiedlerhäuser ist durch entsprechende Aufstellung zur Hauptwindrichtung, durch geeignete Anlage der Türen und Fenster und durch sonstige bauliche Maßnahmen (besondere Ventilationsklappen in den Außenwänden o. ä.) zu sorgen. Die Anlage ein^s besonderen Unterkellung würde bei diesen Massenschnellbauten, so wünschenswert sie wäre, doch bereits über das gegebene Baupiogramm, welches sich mit dem unumgänglich notwendigsten für die erste Unterkunft begnügen wollte, hinausführen. Doch kann auch hierfür durch die Initiative der Ansiedler mit leichter Mühe viel erreicht werden, wenn jeder sich angelegen sein läßt, neben oder am besten unter seinem Hause eine Grube auszuheben, welche, mit Brettern abgedeckt, einen einigermaßen kühlen Aufbewahrungsraum für Speisen usw. Sollte sich ein solches Vorgehen als unmöglich erweisen, so wäre allerdings dafür einzutreten, daß auch bereits bei den ersten definitiven Wohnanlagen wenigstens ein für das Nötigste ausreichender, wenn auch kleiner Kellerraum von vornherein im Bauprogramm mit vorgesehen wird. Von anderen Einrichtungen, welche von den besten Kennern unserer Ansiedlungsbedingungen bereits für die ersten Wohnanlagen gefordert werden, seien hier noch folgende aufgezählt: Vorhallen, welche einerseits dazu dienen, die direkte Sonnenbestrahlung von den Hauswänden fernzuhalten, andererseits einen sehr notwendigen gedeckten Aufenthaltsraum hinter dem Hause ergeben. Diese Plätze können vielleicht für den Anfang ganz leicht, etwa aus Holz oder Bambusstangen mit Mattenbedeckung hergestellt werden, werden aber vielfach als unentbehrlich für das dortige Klima bezeichnet. Ebenfalls eine besondere Rücksichtnahme auf . die subtropischen Verhältnisse Palästinas ist die von allen Seiten immer wieder geforderte Vorrichtung der Fliegenschutzfenster in Form von hinter oder vor den Glasfenstern anzubringenden Drahtgazeflügeln oder Rahmen. Gerade für die Einführung solcher kleinen Konstruktionen wäre die Herstellung von normalisierten Fenstern nach einem bestimmten Typ außerordentlich wünschenswert, da sonst die jedesmalige Herstellung für den besonderen Fall gerade diese Dinge sehr verteuert und so ihre Anwendung oft verhindert. Solche Drahtgaze wird übrigens von einer Stuttgarter Firma in fast unsichtbarer Ausführung geliefert. Eine weitere Einrichtung, welche ebenfalls durch das Klima bedingt ist, ist die von palästinensischen Frauen geforderte Anbringung einer besonderen Kochmöglichkeit für die heißen Sommermonate außerhalb des Küchenraumes, jedoch dicht am Haus. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, daß eine richtige Kochmaschine mit dazugehörigem Kamin heute noch zu den Seltenheiten in Palästina gehört und ein Zeichen des Wohlstandes bildet. Wenn wir also solche, wie beabsichtigt, in allen Häusern vorsehen, so ist dies schon a’s bedeutender Fortschritt anzusehen. Ob es außerdem noch im Rahmen des Möglichen liegen wird, überall von vornherein auch die zweite „Sommerkochgelegenheit'* vorzusehen, oder ob man deren

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