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Volk und Land · 1919-09-18 · Heft 38-39 (18.9.1919) · p. Seite 1197-1198

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 38-39 (18.9.1919)
Date
1919-09-18
Page
Seite 1197-1198 (sequence 11)
Language
German
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1197 VOLK UND LAND 1198 Etwas günstiger gestaltet sich die Grundlage schon für die Beantwortung der Frage nach den hierauf folgenden Unterkünften und nach der Art der Unterkünfte für diejenigen Einwanderer, welche entweder erst etwas später kommen, oder aus irgend welchen Gründen an den öffentlichen Arbeiten der ersten Zeit nicht teilnehmen können. Während uns für die Herstellung der allerersten Notbauten noch sehr wenig gelernte Bauhandwerker zur Verfügung stehen werden, wir uns bei ihrer Errichtung also schon allein aus diesem Grunde auf das allereinfachste werden beschränken müssen, so steht doch zu erwarten, daß schon nach kurzer Zeit sich ein halbwegs ausreichender Stamm von Handwerkern und solchen Leuten, welche, ohne gelernte Bauhandwerker zu sein, mit besonderem Geschick und Interesse gerade an diese ja im allgemeinen nicht allzu schwere, dabei geistig ziemlich anregende und wohl auch einträgliche Tätigkeit werden Herangehen wollen, zusammengefunden haben wird . Nachdem so die allcrwichtigste Grundfrage, die der Arbeitskräfte, einigermaßen zufriedenstellend gelöst sein wird, wird erst an die Errichtung etwas komplizierterer ‘Unterkünfte für die gioße Masse der Einwanderung gedacht werden können. Die andere Grundfrage jeden Bauens, die nach der Finanzierung, wird ja in unserem Falle nicht eine so große Rolle spielen, weil für sicher angenommen werden kann, daß in erster Linie gerade für Unterkunftszwecke für Massensiedlung sehr große öffentliche Kredite den Bauenden zur Verfügung stehen werden, da ja aut anderem Wege an eine auch nur halbwegs anständige Unterbringung der zum größten Teil fast mittellosen Einwanderer gar nicht gedacht werden könnte. Wir müssen es uns übrigens im Rahmen dieses Programmes für eine Ballgesellschaft versagen, auf die verschiedenen möglichen Arten der öffentlichen und privaten Baufinanzierung, aut das Hypothekenwesen und auf die Arten der allmählichen Tilgung der Baukosten und Erwerbung der Grundstücke und Baulichkeiten in den eigenen Besitz des Siedlers näher einzugehen, da dieses Thema einen durchaus in sich geschlossenen Gegenstand bildet, der unabhängig von den uns hier vor allem interessierenden technischen Fragen durchdacht und behandelt werden muß. yielerlei Untersuchungen und Vorschläge liegen ja aut diesem Gebiete auch bereits vor, doch scheint es uns, daß vor der Beantwortung so grundlegend wichtiger Fragen wie der nach der Nationalisierung des Bodens sehr praktisch wertvolles zu unserer Sonderfrage sich vorläufig nicht wird sagen lassen. Für die Unterbringung an diesen „dritten“ und endgültigen Punkten der Einwanderung ist das Prinzip der Einzelbehausung für jede Fanrlie nach Möglichkeit durchzuführen. Die hierfür in Betracht kommenden Bauten sollen und müssen ebenfalls nur erst für den notwendigsten Bedarf berechnet und ohne jeden vermeidbaren Luxus errichtet sein, wennschon sie gegenüber den allerersten notdürftigsten Massenunterkünften einen sehr fühlbaren Fortschritt vorstellen werden. Denn auch bei ihrer Errichtung noch werden die Faktoren der Billigkeit, Schnelligkeit der Herstellung und geringen Gewandtheit der Arbeitskräfte sich fühlbar machen, wenn aucn nicht mehr in so scharfem Maße wie bei den Notbauten. Wir werden hier schon sehr verschiedene Typen, sowohl nach Material als nach Größe wie vor allem nach dem Platze ihrer Aufstellung zu unter- . scheiden haben. Städtische, ländliche und halbländliche Siedlungen werden, alle drei gleichzeitig, in Betracht kommen; ferner wird zu unterscheiden sein nach den Landschaften: Meer, Ebene, Gebirge. Nehmen wir nur 5 Materialtypen, 5 Größentypen, 3 Arttypen und 3 Landschaftstypen, so ergibt dieses Programm allein schon die Notwendigkeit der Aufstellung von 225 verschiedenen Haus typen. Gemeinsam wird ihnen allen zu sein haben die einfache und klare Gestaltung des Grundrisses und des Aufbaues. Zu erstreben wäre im Interesse der Wirtschaftlichkeit, daß dieselben Grundelemente bei möglichst vielen der 225 Varietäten sich wiederholten, daß zum Beispiel für größere Famil.en die einfache Aneinanderreihung von mehreren Einzelräumen desselben Formates und derselben Ausstattung wie für eine kleine Familie genügte, daß ein gemeinschaftliches Grundmaß für Längen- und Höhenabmessungen der Räume eingehalten werden könnte, ebenso für Fenster, Türen und andere wichtige Einzelbauteile. Ob es vermeidbar sein wird, bei städtischer Siedlung Stockwerksbauten zum Ue bereinanderwohnen mehrerer Familien, also mehr oder minder großen „Mietskasernen“, zu errichten, wird von sehr vielen uns noch unbekannten Faktoren abhängigsein. (Bodenpreise, Verkehrsverhältnisse, industrielle Entwicklung usw.) Zu erstreben ist jedenfalls (die Einzelunterkunft für jede Familie, d e im Interesse der Raum- und Geldersparnis sowie auch der besseren architektonischen Wirkung wegen evtl, durch Einführung des Reihenhausbaues bei städtischer oder halbstädtischer Siedelung zu ermöglichen wäre. Von der grundverkehrten Anschauung, daß nun jede Familie um jeden Preis ihre freistehende „Villa“ für sich allein haben müßte, ist von Anfang an aut das energischste abzurücken. Weil die freistehende „Villa“ vor einigen 20 Jahren in Westeuropa dernier cri war, braucht sie es für das neuerstehende Palästina von 1920 durchaus nicht unbedingt zu sein. Es wäre zu wünschen, daß weitere für die Bauentwicklung bei uns in Frage kommende Kreise sich mit den Ausführungen Schultze-Naumburgs und anderer hervorragender Fachleute gerade zu dieser, für Palästina gar nicht so unwichtigen Einzelfrage einmal etwas näher vertraut machten. Dort wird die Aufstellung von freistehenden, miteinander nur durch die häßlichen Lücken dazwischen „verbundenen“ Einzelhäusern, ziumal entlang Straßenzügen, geradezu als bauliche Scheußlichkeit gebrandmarkt. (Prof. Schultze-Naumburg, Kulturarbeiten, Bd. IV, Städtebau, Seite 333—354 und 363—446.) Einwendungen, die von ärztlicher Seite gegen die Einführung des Reihenhausprinzipes für Palästina gemacht worden sind, vermögen wir uns nicht anzuschließen. Allerdings muß die Geschicklichkeit des Architekten es ermöglichen, auch den Reihenhäusern eine vollkommene und ausreichende Durchlüftungsmöglichkeit vorzubehalten. Doch erscheint uns die Durchführung dieses Grundsatzes durchaus möglich. Andererseits muß es geradezu als hygienischer Vorteil betrachtet werden, wenn ein Haus nicht von allen vier Seiten von der Sonne durchglüht werden kann, sondern mindestens auf K durch den unmittelbar herantretenden Nachgeschützt wird. Auf den beiden übrigbleibenden Seiten lassen sich dann schon mit geringeren Mitteln Vorkehrungen, wie Schattenhallen, Mattendächer, Markisen treffen, welcher einer direkten Sonnenbestrahlung der Räume Vorbeugen. Professor Peter Behrens bringt in seiner neuen „Gruppenhausbauweise“ überdies eine Variation des Reihenhausprinzip, welche die Vorteile des Reihenhauses in Bezug auf Verringerung der Baukosten und allgemeinen AJufschließungskosten sogar noch erhöht und trotzdem gleichzeitig eine gewisse Durchlüftungsmöglichikeit auch nach den quer zur Straßen-

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