Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 38-39 (18.9.1919)
- Date
- 1919-09-18
- Page
- Seite 1195-1196 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1196 1195 -- - VOLK UND LAND aut 'dem Lande sind aber nichts besseres gewöhnt. Arbeiter rundzelt aus weißem Zeltleinen, von Europa eingeführt, oder vom einheimischen Militär erworben. Durchmesser 4—6 m, in der Mitte etwa 3—3,50 m hohe Rundstütze, an der Peripherie Zelttuch, bis auf den Boden reichend,anit Heringen befestigt; um das Zelt herum kleiner Entwässerungsgraben. Platz für 6—8 Arbeiter. Zum Schutz gegen Kälte im Winter: der Größe des Rundzeltes entsprechend Boden bis 1 m Tiefe ausgehoben, an der Peripherie Mauerwerk bis 0,80 m Höhe über Erdoberfläche, darüber Rundzelt gespannt mit 4 m hoher Stütze in der Mitte, Auch Einbau eines Rauchabzugkanals für Oefen möglich. Verwöhntere italienische Maurer haben bei Schnee und Eis einen ganzen Winter in einem solchen Zeltbau gewohnt. Für Bauaufseher und Beamte rechteckiges Zelt mit Ueberdach (grünes Zelt von Reichelt-Berlin) 2,50/3,50 m groß. Platz für 1 Fe’dbett mit Moskitonetz, 1 Waschtisch, 1 Stuhl und für einen großen Koffer. Ueberdach bewirkt Luftzug, dadurch Zelt kühler im Sommer, bei Regen Geräusch desselben nicht so lästig empfunden als bgi einfachem Zelt. Die Firmen liefern auch größere Zelte gleicher Konstruktion zum gemeinsamen Arbeiten, Wohnen und Essen für Beamte., An zwei gegenüberliegenden Seiten gut zuknöpfbare Oeffnungen als Eingang zum Lüften. Aiuf dem Fußboden wasserundurchlässiges Zelttuch, darüber Strohmatten. Transportable Holzbaracken, mit doppelten Wänden, werden aus dem Auslande eingeführt. 4 Zimmer mit zwei Eingängen für zwei kleine Familien oder 4 Beamte, Größe der Zmmer 4/4 m. Nachteile: In dem langandauernden subtropischen Sommer zu heiß, selbst bei der hohen Zimmerhöhe von 4 m. Brutstätte für Wanzen. Im Winter Kälte von unten, weil Baracke meistens nur provisorisch aufgestellt, keine Verbindung mit dem Erdboden. Vorteile: schnell aufslellbar und leicht transportabel. L e h m h ü tt e n meistens aus geformten Lehmsteinen 40/30 20 hergestellt, im Sommer küh’er als Kalksteinmauerwerk, Fundament, 50 cm stark bei solider Ausführung aus Bruchsteinmauerwerk in Kalkmörtel. Zimmerhöhe etwa 3,50 m bis 4 m', möglichst groß wegen Hitze. Dach ä la Turka, an den Sparren Reisig oder ßchilfrohr befestigt, darüber 10—15 cm starke Sandschicht. Dach muß von einheimischen Handwerkern gut ausgeführt und nach jedem Regen frisch abgewalzt werden. Besser doppelte Lage vion Asphaltpappe, am besten Wellblech, doch sehr teuer. Zum Schutze gegen Hitze kann Wellblechdach mit 8 cm starker Erdschicht abgedeckt werden, die vor dem Eintritt der Regenzeit wieder entfernt werden muß. — Reichlich überstehendes Dach, günstig zum Schutz gegen Regen für aufgehende Lehmmauern, die bei Wasserandrang leicht einstürzen. Deshalb auch aufgehendes Mauerwerk, zuweilen mit Glattstrich versehen oder mit Asphaltpappe bekleidet. Fußboden für höhere Ansprüche aus Betört mit Zementglattstrich, letzterer nicht zu' fett, da bei großer Hitze leicht Risse entstehen. Provisorisch ausgeführte Türen und Fenster sind nicht dicht, doch einheimische Arbeiter nicht anspruchsvoll. Fenster 60 80 groß, ausreichend, da südliche Sonne sehr viel Licht verbreitet. Oefen aus Mauerwerk für Heizung mit Holzkohle zum Kochen (Oeffnungen mit Roststäben und Eisenplatten) durch einheimische Maurer herstellen lassen, die darin sehr geschickt sind. Wo Steinmaterial vorhanden, und bei länger dauernden Bauausführungen am besten Baracken aus Bruchsteinmauerwerk. Schutz gegen Fliegen und Moskitos (Malaria) Drahtgaze, in Holzrahmen gefaßt, an Fenster und Türen. Schutz gegen Sonne für höhere Ansprüche: vor den Fenstern provisorisches Vordach mit Schilfrohr oder dergleichen, Besprengen mit Wasser, besonders in der Mittagszeit, wirkt sehr abkühlend. Auch hier ist wieder sehr mit der Benutzung englischer zurückzulassender Heeresunterkünfte zu rechnen. Soweit diese nicht verfügbar sind oder Picht ausreichen, muß für sonstige billige hinreichende Unterkunft gesorgt werden. Nur der einzelne Fall kann entscheiden, ob transportable Baracken oder feststehende provisorische Bauten jeweils anebracht sein werden. Es ist woh! zu denken, daß ei Anlagen wie Stauwerk oder Kraftwerk, welche große Arbeitermassen jahrelang an örtlichen nicht allzuweit gedehnten Baustellen festhalten (im Gegensatz zu Straßen- und Bahnbauten) sich im Laufe der Arbeiten und der Jahre aus den ersten sehr leichten und provisorischen Bauten an denselben Punkten baulich besser ausgestattete Siedlungen entwickeln, welche nach allmählicher Fertigstellung des großen Bauwerkes sich zu einer Gartenstadt oder zu einem Industriedorf umgewandelt haben können. Speziell sind ja zahlreiche Stauwerke“ als Bewässerungsanlagen für unmittelbar danebenliegende Siedlungen gedacht. Es ist nicht anzunehmen, (daß diejenigen Teile der Einwanderung, welche in den ersten Jahren an diesen großen öffentlichen Arbeiten teilgenommen haben, sich später in erheblichem Maße der Landwirtschaft zuwenden werden. Viel eher läßt sich vermuten, daß sie zum großen Teil durch die bei diesen Arbeiten gewonnenen Erfahrungen das Grundelement für-die sehr notwendige Bauarbeiter- und Handwerkerklasse abgeben werden. Das zur Landwirtschaft im eigentlichen Sinne besonders geeignete und vorbereitete Einwanderungselement wird ja bei der geringen Zahl der uns für diesen Zweck zur Verfügung stehenden Kräfte von Anfang an in der Landwirtschaft selbst sich betätigen müssen und nicht für die Teilnahme an den öffentlichen Arbeiten in Betracht kommen. Es läßt sich von hier aus sehr schlecht etwas über die Wahl des Materials und der Airt der Unterkünfte an den großen Arbeitsstellen sagen. Ob die sehr schnell zu errichtenden Holzbaracken in Betracht kommen werden, ist von der Möglichkeit und dem Preise schneller Holzeinfuhr abhängig. Doch soll im allgemeinen wegen der damit verbundenen Unzuträglichkeit der Einrichtung von Holzbauten — wenn irgend möglich — von uns durch Ausfindigmachung und Anwendung von anderen geeigneteren Schncllbaumethoden entgegengetreten werden. Für jedes andere Material, auch für Lehm- und Gipsbauten kommt jedoch eine bedeutend größere Geschicklichkeit der Hersteller in Frage, an welcher wir Ja gerade im Anfänge großen Mangel haben werden. Bei Unkenntnis all dieser wichtigsten Faktoren läßt sich also ein praktischer Vorschlag nicht machen, auch lassen sich Preise für die Errichtung dieser e s‘en Unterkünfte natürlich nicht geben. Es lassen sich eben nur die Prinzipien festlegen, nach denen sie hergestellt werden müssen: Schnelligkeit und Billigkeit, bei möglichster Einfachheit der Herstellung*). *) Weiteres über provisorische Unterbringungen findet der Leser in Teil III dieser Ausführungen unter „Typ I“ und dem dort beigefügten Erläu t erungsibericht zum Projekte einer vorgeschobenen Landarbeitersiedlung an den J. N.-F. vom Jahre 1912,