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Volk und Land · 1919-09-04 · Heft 36-37 (4.9.1919) · p. Seite 1169-1170

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 36-37 (4.9.1919)
Date
1919-09-04
Page
Seite 1169-1170 (sequence 29)
Language
German
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1169 VOLK UND LAND 1170 treter der rumänischen Judenheit an und weitere neue Vertreter der Judenheit in Tschecho-S!owakien, Bukowina und Polen werden in den nächsten Tagen erwartet. In seiner letzten Sitzung arbeitete das Komitee folgendes Programm für seine zukünftige Tätigkeit aus: 1. Beendigung der politischen Arbeit in bezug auf die für verschiedene Länder noch ausstehenden Verträge mit den alliierten und assoziierten Mächten; 2. Verhütung weiterer Pogrom-Katastrophen durch politische Schritte und Pressepropaganda; 3. Aktion für die Einberufung einer allgemeinen jüdischen Hilfskonferenz; 4. Vorbereitung des zukünftigen permanenten Komitees, das nach dem Schluß der Friedenskonferenz eingesetzt werden soll. Dieses permanente Komitee soll die gleichen Aufgaben wie das gegenwärtige Komitee erfüllen und die jüdischen Bestrebungen vor der Liga der Nationen und im allgemeinen vertreten. Das Komitee der jüdischen Delegationen steht in dauerndem schriftlichen und telegraphischen Verkehr mit den abgereisten amerikanischen Vertretern und den jüdisch-nationalen Organisationen aller Länder. Jüdischer Nationalrat in Japan Aus Tokio wird gemeldet, daß der Verband der japanischen Juden eine Repräsentanz aus 12 Leuten ausgewählt hat, um als Jüdischer Nationalrat die Interessen des japanischen Judentums zu vertreten. Rabbiner- Konferenz Der palästinensische Korrespondent der „Jüdischen Preßzentrale Zürich“ berichtet: Das von der Palästina- Komimission gegründete und unterstützte Vereinigte Raibbinat zu Jerusalem, hielt kürzlich eine Konferenz ab, an der außer den Delegierten auch Vertreter der Palästina-Kommission und der Regierungsbehörden anwesend waren. In den Resolutionen wurde den Alliierten der Dank ausgesprochen, für deren Versprechen, „eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu gründen und die bürgerlichen und religiösen Rechte der Juden in allen Ländern zu verteidigen“ und im Namen der Tradition erklärt, „das Ideal des jüdischen Volkes ist, eine gesicherte Heimstätte, ein nationales Heim und ein geistig^religiöses Zentrum in Palästina zu schaffen, dort von neuem sein nationales und religiöses Leben zu führen und! sein brachliegendes Land zu beleben“. Die Konferenz fordert die Anerkennung des Raibbinates und der Rabbiinergeridite als autonom und autoritativ für alle Fragen der Religion, und sämtliche Fragen des bürgerlichen Rechtes und des Familienrechtes für die Juden untereinander. Schließlich drückte die Konferenz Ihren Protest gegen die Pogrome in Rußland, Galizien und Poen aus und forderte die Friedenskonferenz auf, diesen Schandtaten ein Ende zu bereiten. Hauptsächlich beschäftigte sich die Konferenz mit der Autonomie des Gerichtswesens, Welches manche Kreise der Orthodoxie zu einem Reservat der Rabbiner zu gestalten beabsichtigen. Die Tätigkeit des bisherigen „Mischpat Haschalam“ wurde von dem Misrachisten Rabbiner Ostrowski aus Ekron, einer scharfen Kritik unterzogen. Der Chachaim Baschi aus Jaffa forderte die Orthodoxie auf, mehr Toleranz zu zeigen und die Interessen der gesamten Judenheit Palästinas im Auge zu behalten. Außerdem wurden noch die Erziehungs- und Sprachenfrage ausführlich behandelt. Die französischen Missionen in Palästina Der Kredit von 50 Millionen für die französischen Missionen in Palästina und Syrien wurde von der Kammer bewilligt, nachdem Pichon erklärt hatte, daß die französische Regierung sich gemäß dem Abkommen von 1916 aufs energischste bemühe, dort die französischen Rechte und Interessen zu wahren. Hapoel-Hazair Führende Kreise der palästinensischen Arbeiterorganisation Hapoel-Hazair beabsichtigen sich an die Leitung der zionistischen Organisation mit der Forderung zu wenden, ihnen eine Vertretung im Engeren Actions-Comite zu gewähren. Diese Angelegenheit wird jetzt in den palästinensischen Organen des Hapoel- Hazair lebhaft diskutiert. Einbürgerung polnischer Juden in Deutschland Der preußische Minister des Innern gibt in einem Erlaß an die Regierungspräsidenten bekannt, daß, im Gegensatz zu der bisher geübten Praxis, Einbürgerungsanträgen von aus Polen und Galizien stammenden Juden regelmäßig stattzugeben ist, wenn sie in persönlicher Beziehung einwandfrei sind, bereits seit längerer Zeit in Preußen ansässig sind und eine auskömmliche Lebensstellung gefunden haben. Jidisch in den Berliner Gewerkschaften In der Berliner Schneiderbranche finden sich viel jüdische Arbeiter, besonders in der Konfektionsbranche. Zum größten Teil sind sie Mitglieder des hiesigen Schneidervereins. Da nicht alle Deutsch verstehen, haben die jüdischen Schneider eine besondere jüdische Sektion verlangt, welche die jüdischen Arbeiter in dem Verein organisieren sollte. Dieses Verlangen ist erfüllt worden. Vor einigen Wochen hat diese Sektion eine Versammlung mit jüdischen Referenten einberufen. So ist die jütische Sprache zum ersten Male von den deutschen Gewerkschaften anerkannt worden. WIRTSCHAFT Agrarreform.” und Judenfrage in Polen Parteipolitische Entwicklungen. Im Vordergrund des öffentlichen politischen Interesses in Polen steht augenblicklich die polnische Agrarfrage. Die Aufrollung dieser Frage im polnischen Landtag im Zusammenhang mit den von den Bauernparteien und Sozialisten vertretenen Reformbestrebungen hat bereits einschneidende Wirkungen parteipolitischer Natur gezeitigt, die eine Verschiebung der bisherigen parlamentarischen Machtverhältnisse und eine parteipolitische Umgruppierung von Grund aus erwarten lassen. Der unter nationaldemokratiischer Aegide zustandegekommene Mehrheitsblock des Sejms ist bereits infolge eben dieser Agrarreformbestrebungen auseinandergefallen. Der neugebildete Landsblock umfaßt außer den bürgerlichen Elementen sämtliche Bauernparteien des Sejms, und zwar nicht nur die radikalsten Gruppen unter Thugutt, Witos und Stapinski, sondern auch einen Teil der bislang zum nationalen Rechtsblock gehörenden „Polnischen Volksvereinigung“. Welche Bedeutung der Sprengung des antisemitischen Mehrheitsblockes im polnischen Landtag vom Standpunkt der jüdischen Interessen zukommt, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Durch die durch diese Spaltung herbeigeführte Stabilität der parteipolitischen Machtverhältnisse — dem alten Rechtsblock mit 135 Mitgliedern steht nunmehr die neue geschlossene nichtsozialistische Linke mit 130 Stimmen gegenüber, während die beiden sozialistischen Gruppen, der P. P. S. und der Nationale Arbeiterverband zusammen etwa 60 Mitglieder aufweisen — gewinnt die jüdische Fraktion besondere. Bedeutung. Sie wird bei wichtigen Entscheidungen zum Zünglein an der Wage. Es trat dies bereits bei der Erscheinung der Agrarreform zutage, wobei die Linksparteien um die Unterstützung durch die jüdischen Stimmen nachsuchten. Man darf von diesen neuen parteipolitischen Entwicklungen günstige Wirkungen für eine friedliche Lösung der polnischen

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