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Volk und Land · 1919-09-04 · Heft 36-37 (4.9.1919) · p. Seite 1167-1168

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 36-37 (4.9.1919)
Date
1919-09-04
Page
Seite 1167-1168 (sequence 28)
Language
German
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1167 VOLK UND LAND die Konferenz Ingenieur Kaplan&ky. Mit größtem Interesse verfolge der Weltverband die Arbeit des Rats. „Er verhalf um“ sagte Kaplansky — „zu unserer politischen Tätigkeit in England, und wir wollen ihm mit unserer Aktion in der Internationale dienen. In der Permanenz-Kommission der Internationale betrachten wir uns nicht nur als Vertreter des Verbandes Poale-Zion, sondern wir wollen dort den Interessen der gesamten jüdischen Arbeiterschaft $enen.“ Er berichtete dann über die Absicht des Verbandsjbüros, eine Arbeiterkommission nach Palästina zu entsenden, und forderte den Arbeiterverband auf, sich an der Kommission durch Entsendung eines Delegierten zu beteiligen. Der Vorschlag Kaplanskys wurde angenommen und als Delegierter wurde der Führer der Bäcker-Union, Sharp, gewählt. In einer besonderen Resolution protestierte die Konferenz gegen die jüdischen Assimilanten Englands, die durch ihre verräterische Verleumdung den Interessen der Juden zu schaden suchten. Brandeis über die Frage des „Jüdischen Rates“ Dem Mitarbeiter der Wiener „Jüd. Morgenpost“ soll Oberrichter Brandeis erklärt haben, daß er kein prinzipieller Gegner der Bodennationailisierumg in Palästina sei, jedoch auf dem Standpunkt stehe, daß im jetzigen) Momente die Nationalisierung nicht praktisch sei. Hingegen sei er ausgesprochener Gegner eines „Jüdischen Rates“ für Palästina, der von einem jüdischen Weltkongresse gewählt würde. Nur die zionistische Organisation, meint Brandeis, ist berufen an der Verwaltung des Landes teilzunehmen. Der jüdische Weltkongreß würde die Zionisten zwingen, den anderen jüdischen Parteien, die bisher den Zionismus Bekämpft haben, Konzessionen zu machen, wodurch die Entwicklung der zionistischen Bewegung sehr leiden würde. Brandeis verhandelte auch in dieser Angelegenheit mit Balfour, der seiner Ansicht zugestimmt hat. In informierten Kreisen nimmt man deshalb an, daß, obwohl der Punkt bezüglich eines jüdischen Rates in Palästina in das Memorandum der zionistischen Organisation an die Friedenskonferenz aufgenommen, worden ist, man doch diesen Plan fallen lassen werde. Brandeis soll auch Balfour erklärt haben: das, was ich in Palästina gesehen habe, ist noch nicht einmal der Anfang der Realisierung der bekannten britischen Deklaration. Die jetzige Situation in Palästina ist unhaltbar. Palästina kann kein Staat ohne die Juden werden, ebenso wie die Juden als Volk nicht ohne Palästina leben können. Falls die Deklaration nicht verwirklicht werden sollte, werden die Juden die Möglichkeit einer nationalen Zukunft bestimmt verlieren, aber auch die Bemühungen, Palästina zu einem entwicklungsfähigen, lebendigen Lande zu machen, werden vergeblich sein. Morgenthaus Instruktionen Lansing richtete namens Wilsons folgenden Brief an Morgenthau, als dieser seine Reise nach Polen antrat: Paris, 30. Juni 1919. Lieber Herr Morgen th au! Da idh erfahren habe, daß Sie und Ihre Kollegen von der Mission nach Polen hier in Paris an die Vorbereitungsarbeiten sdhreiten, möchte ich ihnen einige allgemeine Bemerkungen über das Wesen der Ihnen vom Präsidenten zugedadhten Aufgabe machen. Der Präsident war auf Grund der verschiedenen Berichte über die Lage in Polen von der Notwendigkeit der Entsendung einer Kommission nach Polen zur Untersuchung der jüdischen Fragen überzeugt. Dieser Standpunkt fand eine Unterstützung in der Bitte der polnischen Regierung durch Vermittlung des Herrn Paderewski, zwecks Feststellung der Wahrheit hinsichtlich der verschiedenen Berichte über Polen, eine amerikanische Mission dorthin zu entsenden. Auch der amerikanische Vertreter in Polen, Mr. Gibson, forderte hier 1168 und da eine solche Kommission und bezeichnete die Richtlinien für deren Tätigkeit. Es ist erwünscht, daß Ihre Mission hinsichtlich aller Angelegenheiten, die die Beziehungen zwischen den jüdischen und .nichtjüdischen Elementen in Polen betreffen, eine sorgfältige Untersuchung durchführt. Dies bedeutet natürlich die Durchführung einer Untersuchung über die verschiedenen Mordtaten, Pogrome und Exzesse, die stattgefunden haben sollen, über den ökonomischen Boykott sowie über die anderen Methoden von Ausschreitungen gegen die jüdische Rasse. Der Zweck dieser Mission ist jedoch nicht vorzugsweise die Feststellung der Wahrheit in bezug auf diese Dinge an und für sich; dies erscheint nur notwendig, um diesen Exzessen und Ausschreitungen auf den Grund zu kommen, damit ein Heilmittel ausfindig gemacht werden kann. Die amerikanische Regierung ist, wie Ihnen bekannt, von dem Wunsche beseelt, allen Elementen des neuen Polen, Christen wie Juden, Hilfe zu bringen. Ich bin “überzeugt, daß die Mittel, die zwecks Besserung der Lebensbedingungen der Juden ergriffen werden, auch dem anderen Teil der Bevölkerung nützen werden und umgekehrt wird alles', was zum allgemeinen, Wohle Polens!, als eines Ganzen, geschehen wird, auch der jüdischen Rasse dienen. Ich bin dessen gewiß, daß die Mitglieder Ihrer Mission an die Sache mit dem richtigen Geist, ganz vorurteilslos herantreten und daß sie den Wunsch hegen, die Wahrheit aufzudecken und fruchtbringende Mittel zur Besserung der Lage in Polen, die allen Freunden Polens große Besorgnis bereitet, herauszufinden. Ich hoffe sehr, ljeber Herr Morgenttiau, daß Ihre Mission gute Resultate zeitigen wird. Gez. Robert Lansing.“ Die Wiedergabe dieses Briefes ist wohl die beste Widerlegung der Ausstreuungen des „Kuryer Warszawski“ über angebliche Instruktionen Wilsons; wonach die Untersuchung über die Pogrome eine untergeordnete Bedeutung, die Belehrung der Juden in Polen über ihre Bürgerpflichten jedoch den Hauptzweck der Morgenthau-Mission bilden soll. Von der Pariser jüdischen Delegation Das Kopenhiagener Zionistische Büro berichtet aus Paris: In vier Plenarsitzungen des Komitees der jüdischen Delegationen, die vom 25. bis 28. Juli stattfanden, wurden die Vorschläge der jüdischen Delegationen aus Rußland und der Ukraine bezüglich der zukünftigen Gestaltung und Tätigkeit des Komitees in einzelnen besprochen. Es wurde beschlossen, nach Schluß der Friedenskonferenz ein permanentes Komitee zu organisieren, das auf einer breiteren Grundlage vor der Liga der Nationen und überall folgende vom Komitee formulierte Ziele vertreten soll: Zweck des Komitees ist: Verteidigung der bürgerlichen, politischen und nationalen Rechte der Juden der verschiedenen Länder und ihre Weiterentwicklung; Verteidigung der jüdischen Bevölkerung gegen Pogrome, Ausschreitungen und Uebergriffe; Mitarbeit bei der Organisierung der jüdischen Auswanderung; Zusammenarbeit mit den jüdischen Hilfsorganisationen, insbesondere zwecks Wiederaufbau des durch die Katastrophe des Krieges zerstörten ökonomischen Lebens. Ergänzend wird dem Kopenhagener Zionistischen Büro noch berichtet: In seinen vier Plenarsitzungen, vom 25. bis 28. Juli beschloß das Komitee der jüdischen Delegationen, seine Tätigkeit trotz der Abreise einiger Mitglieder fortzusetzen. Zurzeit sind noch 18 Vertreter von Polen, Ukraine, Litauen, Rußland, Ostgalizien, Rumänien und anderen Balkanstaaten in Paris versammelt. In den letzten Tagen kam ein neuer Ver-

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