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Volk und Land · 1919-09-04 · Heft 36-37 (4.9.1919) · p. Seite 1165-1166

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 36-37 (4.9.1919)
Date
1919-09-04
Page
Seite 1165-1166 (sequence 27)
Language
German
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1165 - VOLK UND LAND die jüdische Frage als eine einheitliche Frage des ganzen jüdischen Volkes, als eine Frage, an der die glanze zivilisierte Welt interessiert ist, aufznsieilen. Nur auf diesem Wege haben wir es dazu bringen können, daß die jüdische Frage in Polen nicht separat, sondern im Zusammenhang mit den Fragen der jüdischen Gemeinschaft in den anderen Ländern behandelt und geregelt worden ist. Auf diesem Wege müssen wir auch weitergehen, jetzt, da es sich darum handelt, die errungenen Rechte zu verwirklichen, mehr denn je. Unsere nationalen Institutionen, die wir für die Führung unseres nationalen Kampfes geschaffen haben, müssen weiter bestehen und ausgebaut werden : die Nationalräte und das allweltliche Komitee der Jüdischen Delegationen. Der Zusammenhang zwischen unseren lokalen und allweltlichen Forderungen muß noch mehr unterstrichen werden; denn in der Einheitlichkeit unserer nationalen Front auf der ganzen Welt liegt unsere Kraft. Der Traktat gibt ums die Möglichkeit, den Grundstein zu legen für ein auf Selbstbestimmungsrecht aufgebautes wohlorganisiertes Jüdisches Leben; er garantiert ums ein jüdisch-weltliches Schulwesen, das aus Staatsmitteln erhalten wird; er vermindert die Reibungsflächen zwischen uns und unseren Mitbürgern. Wir müssen alle unsere Kräfte sammeln, damit der Traktat nicht nur auf dem Papier bleibt; er soll im Leben durchgeführt werden. Man sagt uns, d.aß der Traktat überflüssig sei, weil man uns ohnehin die in ihm. entfialtenen Rechte gegeben hätte. Möge man ihn verwirklichen und damit die Richtigkeit dieser Behauptung beweisen! Wir wissen und geben uns genaue Rechenschaft darüber, daß wir in Polen unter den Bedingungen, unter denen wir hier leben, einen schweren Kampf zu führen haben werden, damit da® im Leben verwirklicht wird, was uns durch den Traktat garantiert worden ist. Zu diesem Kampf müssen wir bereit sein. Es muß baldigst die jüdische Gemeinde rekonstruiert werden und ihre Statuten in Uebereinstinnmung mit dem Traktat geändert werden. Die Gemeinde muß in ihre Tätigkeit das Schulwesen und die soziale Fürsorge für die jüdischen Massen einschließen. Die jüdisch-nationale Organisation muß aufgebaut werden. Die höchste jüdischnationale Repräsentanz, von den jüdischen Gemeinden gebildet, muß geschaffen werden. Eine neue Periode schwerer, positiver Arbeit nimmt ihren Anfang. Zu dieser Arbeit rufen wär alle schöpferischen Kräfte unseres Volkes! Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation in Polen. Warschau, im Ab 5679. Ein Aufruf des Jüdischen Volksrates in Posen Der jüdische Volksrat in Posen erläßt fogenden Aufruf an die Juden Posens. J uden! Der Frieden ist geschlossen; er hat über das Schicksal der Provinz Posen zugunsten der neuerstandenen Republik Polen entschieden. Viele Tausende von Juden, die seit Jahrhunderten im Lande ansässig sind und hier ihre liebgewordene Heimat gefunden haben, sind nurumehr polnische Staatsbürger geworden. Wir Juden haben in Europa kein eigenes Land; wir erstreben hier keine Herrschaft. Unser Schicksal ist es, seit Jahrtausenden in. Ländern zu wohnen, die von Völkern anderen Stammes beherrscht werden. Ueberall aber hat das jüdische Vok, seinen Religionsgesetzen und seiner tausendjährigen Tradition folgend, seine Anhänger zur loyalen und treuen Befolgung der Staatsgesetze, zur Förderung des Staatswohles aufgefordert. 1166 Auch v ir haben seit dem ersten Tage unserer Tätigkeit erklärt, daß wir nur den Spruch der Friedenskonferenz für maßgebend erachten und dem Lande treue Bürger sein werden, in das uns dieser Spruch bringt. Hier wie überall werden wir diese Losung befolget! und. getreu der alten Satzung unseres Volkes, an dem Wohle des Staates mitarbeiten, in dessen Mitte wir leben. Wir bilden in Polen mehr as 10 n.n der Gesamtbevölkerung. In weiten Gebieten des jetzigen Polen war unter russischer Herrschaft die freie Betätigung der Juden durch drückende Gesetze und böswillige Verwaltungsmaßnahmen unterbunden. Wir begrüßen es daher für unsere Volksgenossen!, namentlich für die jüdischen Massen in Kongreß-Polen und Galizien, mit inniger Freude, daß uns Juden durch internationale Verträge die Rechte einer nationalen Minderheit gewährt sind. Damit ist unsere wichtigste Hoffnung erfüllt. Wir sind der Ueberzeugung, daß die verbündeten Regierungen unter Zustimmung von Polen das Selbstbestimimungsrecht der religiös-nationalen Minoritäten in weiser staatsmämiischer Erkenntnis gerade deshalb in die Friedensurkunden aufgenommen haben, weil nur durch diese Rechte einem Staate mit gemischt-nationaler Bevölkerung die ruhige, ungehemmte, friediche innere Entwicklung gewährleistet werden kann. Der neue Rechtszustand wird es allen Juden ermöglichen, ihre religiös-nationalen., insbesondere ihre kuturellen Interessen selbst zu pflegen, ihre Persönichkeit und Menschenwürde dadurch zu steigern und so allesamt wertvolle, produktive Glieder des Staates zu werden. Die Verheißungen, die der Friedens vertrag uns gewährt, sind von der Naczelna Rada Ludowra uns gegenüber schon in der mehrfach liier erwähnten Kundgebung vom 13. Dezember 1918 ausgesprochen lind allgemein in der Kundgebung der Naczena Rada Ludowa vorn 30. Juni 1919 bekräftigt worden. Wenn diese Verheißungen zur vollen Wahrheit im Leben werden, dann wird die Republik Polen sebst den größten Nutzen haben. Ueberall dort, — das hat namentlich der Weltkrieg und sein Ausgang gelehrt, wo die Juden sich wirtschaftlich kulturell frei entwickeln, haben sie in hohem Maße zu den aufbauenden Kräften des Landes gehört, und sind ihm zum Segen geworden. Wir wollen keinen Staat im Staate bilden. Unser Gerne in sinn, der sich so oft bewährt hat, gilt dem Staate, in dem wir leben. Jüdischer Arbeiterrat in England An der Konferenz des jüdisch-nationalen Arbeiterrats in England, die vor kurzem in London stattfand, beteiligten sich Delegierte von 28 Arbeiter-Organisationen: Tradc-Unions, Zweige des Arbeiterrings, Poale- Zion-Vereine und Vereine der Sozialisten-Territorialisten (S.S.). Den Bericht der bi® jetzt geleisteten Arbeit erstattete Morris Mayer. Die Arbeit des Rats umfaßte sehr viele Gebiete. Das Manifest des Rats gegen die Judenverfolgungen in Rumänien fand mächtigen Widerhall. Als die Gefahr der Pogrome in Polen sich zeigte, veröffentlichte der Rat ein Memorandum über diese Frage und gewann so die englische Arbeiterschaft für die Protestbewegung gegen die Pogrome. Die Intervention der englischen Regierung in Polen vom( NovembeF 1918 ist ein direktes Ergebnis dieser Bemühungen. Der Rat wirkte auch gegen die Agitation, die Einwanderung nach England zu beschränken, und suchte freundschaftliche Beziehungen mit der englischen Labour-Party. Der Verband gründete in London zwei jüdische Trade- Unions, die der Leder- und Stockarbeiter. Er verhalt auch dem Generalstreik der Londoner Schneider zu seinem Siege. Erfolgreich war auch die Arbeit des Rats auf dem Gebiete der Erziehung und nationalen Tätigkeit. Im Namen des Weltverbandes der Poale-Zion begrüßte

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