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Volk und Land · 1919-09-04 · Heft 36-37 (4.9.1919) · p. Seite 1159-1160

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 36-37 (4.9.1919)
Date
1919-09-04
Page
Seite 1159-1160 (sequence 24)
Language
German
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1159 VOLK und LAND 1160 zu nationalisieren ist entschieden eigenartig. Air. Parker vom amerikanischen Einwanderungsbüro sagte darüber etwas, was des Nachdenkens wert ist und für den Geist der neuen Gesetzgebung bezeichnend ist. Als der Krieg ausbrach, wußte die Regierung nur, wie viele Einwanderer den amerikanischen Boden betreten hatten, aber sie wußte nichts über ihren Aufenthalt, ihre Art zu leben oder ihre Anstrengungen, sich zu assimilieren. Man wird den Werdegang dieser Gesetzgebung und den Geist, der darin zum Ausdruck kommt, im Auge behalten müssen. Dr. Julius Katzenstein. * STAEDTE• BAU Das Jerusalem der Zukunft Unter diesem Titel finden wir in der Zeitschrift „The Observer(< einen Aufsatz, der einen auf Veranlassung der englischen Okkupationsbehörde aufgestellten Bebauungsplan für die S ta d t e r we i t e rung von Jerusalem behandelt. Dem interessanten Artikel, der unsere größte Aufmerksamkeit verdient, entnehmen wir folgende Ausführungen : „Unter den neuen Verhältnissen war Jerusalem gezwungen, sich auszudehnen, und da die Stadt innerhalb der Mauern bereits übermäßig dicht bevölkert war, mußte Vorsorge für eine Erweiterung getroffen werden. Die neue Behörde beeilte sich rasch, diesem Bedürfnis zu entsprechen* und veranlaßte Herrn W. H. McLean, Ingenieur der Stadtverwaltung von Alexandria, ihr über die Grundlinien der Stadterweiterung Vorschläge zu machen. Der Entwurf, der von ihm verfaßt wurde, ist zurzeit im Architektursaal der Kgl. Akademie ausgestellt und gibt zusammen mit zwei photographischen Ansichten und einem kleinen Modell eine sehr gute allgemeine Vorstellung von dem Inhalt des Vorgeschlagenen. Rings um die Stadtmauern ist eine vollständige Zone reserviert und das ganze Gelände östlich und südlich der Stadt einschließlich des Kidron,- und Hinnomtales einer Verordnung unterworfen, daß dort Bauten einer besonderen Erlaubnis bedürfen, die nur erteilt wird, wenn die charakteristischen Merkmale dieses Geländes nicht gestört werden. Im Norden und Süden sind diese Einschränkungen nicht notwendig, weil hier die Oberfläche offener gestaltet ist und auf weniger Plätze von besonderem Interesse Rücksicht genommen werden muß. Dieses Gelände ist nach seinen Grundzügen zu einer Entwicklung geeignet, So daß es für die neue Stadt gewählt wurde. Augenscheinlich hat Herr Mc Lean versucht, in der verhältnismäßig kurzen Zeit, die ihm zur Verfügung stand, zu viel des Guten zu tun. Wir müssen ihm vorwerfen, daß er, gelinde gesagt, etwas rücksichtslos gegen seine Kunst als Städtebauer War, als er einen Plan vorlegte, der selbst ein oberflächliches Studium der Lage und Bedingungen vermissen läßt. Wahrscheinlich ist er nicht als endgültige Lösung gedacht, aber in einem solchen Falle ist es höchst unklug, Straßenzüge und andere Einzelheiten festzulegen, die irreführen können. Da der Plan den Vermerk trägt „durch die Stadtverwaltung von Jerusalem am 20. Juli. 1918 geprüft“, so ist es augenscheinlich, daß nur kurze Zeit für seine Vorbereitung zur Verfügung stand. Eine so nachdrückliche Kritik verlangt Rechtfertigung. Beginnen wir mit der einfachsten Seite des Falles, der natürlichen Gestaltung des Terrains. Da e9 im allgemeinen wellig ist, enthält es Steigungen bis zu 1:12. Der Entwurf breitet über das Ganze ein schachbrettartiges Netz von Straßen nach amerikanischem Muster aus, von denen einige ungebührlich steil aus fallen und nur wenige, sozusagen zufällig, mit den natürlichen Zügen der Landschaft zusammenfallen. Der Plan zeigt eine Vorliebe für die gerade Linie, di* im vorliegenden Falle ganz verfehlt ist. I Das Entwerfen von, Bebauungsplänen hat schon j lange die Stufe überholt, wo es als ausreichend erj schien, ein Straßenmuster über eine vorgeschriebene I Flache .auszubreiten. Soziologen haben bereits seit langem darauf hingewiesen,, daß ihre einzige Grundlage durch die Bedürfnisse und Gewohnheiten der künftigen Bevölkerung gebildet werden darf. Esi würde zu weit führen, diese auseinanderzusetzen, und es soll t daher nur angedeutet werden, daß ihre Lebensgewohnj heiten sehr wesentlich von denen in den Großstädten i Europas und Amerikas aWeichen, auf denen sich der Plan von Mc Lean aufbaut. Klima, Gewohnheiten und Beschäftigung widersprechen durchaus dem vorgesdilagenen Entwurf. Der Osten beansprucht nicht weniger als der Westen ein sorgfältiges, inniges Studium der sozialen und wirtschaftlihen Faktoren als Grundlage der Stadterweiterung. Der Verfasser dieses Planes fordert die Kritik heraus, weil er etwas Unmögliches unternommen hat, nämlich einen endgültigen Entwurf niederzulegen, ohne die Kenntnis der Einzelheiten, die für die erfolgreiche Lösung einer nicht zu leichten Aufgabe wesentlich sind/* Wenn wir auch leider nicht in der Lage sind, uns über die Einzelheiten des Projektes von. McLean ein eigenes Urteil zu bilden, so müssen wir doch! den allgemeinen Ausführungen und Schlußfolgerungen des sachverständigen Verfassers des Aufsatzes durchaus beipflichten. Der vorliegende Bebauungsentwurf scheint noch einer rückständigen Entwicklungsepoche des Städtebaus anzugehören, die im allgemeinen als überwunden gelten muß. Reißschiene und Winkel, die ehedem bei der Aufstellung von Bebauungsplänen unbeschränkt geherrscht hatten, haben jene nüchternen, charakterlosen Straßenbilder geschaffen, die unsere Großstädte so unerträglich machen. Jetzt hat sich doch allmählich die Erkenntnis durchgesetzt, daß der Städtebau eine besondere Kunst darstellt. Um sie zu beherrschen, ist-nicht nur die selbstverständliche Berücksichtigung aller technischen und hygienischen Forderungen notwendig, sondern es bedarf auch der intuitiv schaffenden Kraft eines Künstlers, die aus den gegebenen Bedingungen der Landesnatur und Oberflächengestaltung, aus der Sonderart des sich erweiternden Gemeinwesens und aus den realen Forderungen der Zukunft das Raumbild erstehen läßt. Ist dies schon überall eine Aufgabe, die sich von jedem bequemen, geistlosen Schematismus fernhalten muß, so erhält sie vollends im vorliegenden Falle einen außergewöhnlichen Charakter. Um das Städtebild des Jerusalem der Zukunft zu schaffen, müssen reifstes künstlerisches Können und ein auf gründlichem Studium aufbauendes, liebevoll eintühlendes Versenken in das Werden dieser einzigartigen Stadt zusammenw irken. Das ist ein Werk, das nicht in der Hast weniger Monate, unter dem Druck außergewöhnlicher, provisorischer Verhältnisse entstehen kann, sondern aus eingehender, langwährender Arbeit eines hochstehenden Städtebaukünstlers herausreifen muß. Auch erscheint es fraglich, ob der Verfasser des Entwurfs, der ein sehr tüchtiger Stadtingenieur sein mag, hierfür die notwendigen Voraussetzungen besitzt. Seine Arbeitsstätte scheint kaum die geeignete Sphäre zu sein., aus der die Anregungen zur Schaffung eines neuen Jerusalem fließen können. Weder hat die Lage Alexandrias in einer Alluvialebene, flach wie ein Brett, irgendwelche Beziehungen zu der bewegten Gebirgnatur der palästinensischen Hauptstadt, noch läßt sich eine innere Brücke schlagen von dem ausdruckslosen, kosmopolitisch angehauchten Charakter jener Hafenstadt zu der von den Schauern der Vergangenheit umwobenen Größe und Besonderheit Jerusalems. Doch für uns gewinnt die Frage noch eine über das Technische hinausgehende Bedeutung. Jerusalem war der Mittelpunkt unserer historischen Vergangenheit. Auch in den Zeiten unserer Golusgeschichte blieb es

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