Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 36-37 (4.9.1919)
- Date
- 1919-09-04
- Page
- Seite 1153-1154 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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1153 VOLK UND LAND 1154 Bildung, Jahrzehnte lang der einzige jüdische Vertreter der Palästinakunde war, daß er unter Sorgen und Entbehrungen ein Jahrbuch herausgab, welches heute schon eine unschätzbare Fundgrube für jeden Palästinaforscher bildet. Die zionistische Bewegung hat im Laufe der letzten Jahrzehnte viele ernste Männer mit höherer Bildung ins Land gebracht, aber sie waren von ihrer Berufstätigkeit als Aerzte, Agronomen, Ingenieure, Lehrer vollauf in Anspruch genommen, und was ihnen an Zeit übrig blieb, verschlang die öffentliche Tätigkeit, die große und die kleine lokale Politik. So ist es zu begreifen, daß der Zionismus, an den Leistungen der englischen, deutschen und französischen wissenschaftlichen Vereine gemessen, nur wenig zur Erforschung Palästinas beigetragen hat. Aber allmählich drang in den leitenden zionistischen Kreisen der Gedanke durch, daß eine wirtschaftliche Erschließung des Gebietes ohne wissenschaftliche Erforschung unmöglich sei: So entstand die meteorologische Station am Gymnasium in Jaffa, eine landwirtschaftliche Versuchsstation in Alluth, eine medizinisch-bakteriologische in Jerusalem, und auch sonst fanden Naturwissenschaftler moralische und materielle Förderung. Welch schöne Resultate zu erzielen sind, konnte Aharonis Sammlung palästinensischer Vögel im Bezalel-Museum beweisen. Aber gerade die beispiellose Verwahrlosung dieser Sammlung mangels einer fachmännischen Leitung nach Abgang Aharonis ließ erkennen, wie unzulänglich die Arbeit eines einzelnen ist, wenn er nicht dauernd mit einer Organisation in Verbindung steht. Die anderen Völker, welche sich für Palästinaforschung interessieren, haben bereits seit Jahrzehnten große Vereine für diesen Zweck geschaffen; manche verfügen über eigene Forschungsinstitute in Jerusalem; wir Juden, das Volk der Bibel, kamen erst zuletzt. Ueber Anregung des Schreibers dieser Zeilen ist der „Verein zur Erforschung Palästinas in Jerusalem“ im Frühjahr 1913 entstanden. An der konstituierenden Versammlung in der Nationalbibliothek in Jerusalem nahmen Vertreter von Ortsgruppen aus ganz Palästina teil. Die Uebernahme der Leitung des Vereines durch den bekannten Gelehrten David Yellin bot die Gewähr für dessen gedeihliche Entwicklung. Bald nach Entstehung dieses wissenschaftlichen Vereines gründete Yellin den Bruiderverein „Gesellschaft zur Erwerbung historisch bedeutender Stätten in Palästina“. Nur ein halbes Jahr war es den beiden Vereinen gegönnt, ungestört zu wirken, und schon gelang es ihnen, zahlreiche Mitarbeiter und Förderer im Ausland zu gewinnen. Die Aussichten waren während des letzten Zionistenkongresses bereits so weit gediehen, daß die Gründung eines Forschungsinstitutes in Jerusalem geplant werden konnte. Ein bekannter jüdischer Archäologe, mit dem Beziehungen angeknüpft wurden, war nicht abgeneigt, nach Jerusalem, zuerst wohl nur für einige Zeit, zu gehen. Die Gründung eines Museums in Jerusalem, die Uebernahme der Lunczschen Zeitschrift und regelmäßige Herausgabe derselben waren bereits zum Beschluß erhoben. Da brach der bekannte Sprachenstreit in Jerusalem aus und mit ihm kam eine Zeit der Aufregungen, welche jede Konzentration unmöglich machte. Dann kam der Weltkrieg, die Auswanderung vieler Vereinsmitglieder und die Verfolgung der anderen durch die türkischen Paschas. David Yellin wurde nach Damaskus verbannt und mit ihm noch viele andere. So kam es, daß der Verein im Laufe des Krieges kein Lebenszeichen von sich gab. Aber er ist nicht eingegangen, denn es besteht der kräftige Wille, seine Arbeiten unter den veränderten günstigen Verhältnissen wieder aufzunehmen, ein Verein für Heimatskunde im besten und im weitesten Sinne des Wortes zu werden. Der bevorstehende Wiederaufbau wird den meisten Forschungsgebieten sehr zu statten kommen. Die Bodenbeschaffenheit, das Klima, die Hydrographie müssen zu landwirtschaftlichen und industriellen Zwecken untersucht werden, bevor man zur Neubesiedlung schreitet. Aber auch die archäologische Forschung kann von praktischem Nutzen werden, wenn man es versteht, ähnlich wie die Franzosen in Tunis, alte Aquädukte, Stauanlagen, Zisternen, selbst Straßen und Behausungen wieder brauchbar zu machen. Es wird Sache des Vereins 9ein, auf jedem Gebiete dtie wissenschaftliche Forschung anzuregen und zu fördern, ihre Ergebnisse zu sammeln und zu veröffentlichen. Ohne besondere kostspielige Expeditionen auszurüsten, kann dieser einheimische Verein mit seinen Ortsgruppen und Vertrauensmännern überall im Lande mehr leisten als der reiche „Palestine Explaration Fund“ der Engländer oder die „Eoole Bibüque“ der französischen Dominikaner. Schon vor dem Kriege hat es sich der Verein zur Aufgabe gestellt, jede Grabung, die zu technischen Zwecken vorgenommen wird, zu überwachen. Ein Aufruf an die jüdische Bevölkerung hatte bereits zur Folge, daß solche Unternehmungen der Vereinsleitwig gemeldet werden. Ebenso wird der Verein in der Lage sein, zufällige Funde und Beobachtungen zu sammeln und zu registrieren. Für die weite jüdische Oeffentlichkeit ist es von besonderer Wichtigkeit, daß die Palästinakunde popularisiert wird. Auch diese Aufgabe hat der Verein in seine Satzungen aufgenommen. Um sie auszuführen, ist die Gründung von Ortsgruppen in allen größeren jüdischen Gemeinden des Auslandes erwünscht. Die Leitung des Vereins bietet den auswärtigen Mitgliedern bei ihrem Besuch in Palästina tatkräftige moralische Unterstützung und ermöglicht ihnen, einen tieferen Einblick in die Verhältnisse zu gewinnen, als es sonst bei Touristen der Fall ist. Die mangelhafte Kenntnis Palästinas auch in Kreisen alter bewährter Zionisten und die falschen Vorstellungen, welche infolgedessen entstehen, sind ein größers Uebel, als man anzunehmen geneigt ist. Es wäre daher höchst an der Zeit, daß neben den parteipolitischen und wirtschaftlichen Palästinaorganisationen auch Ortsgruppen des Forschungsvereins geschaffen werden. Die wissenschaftliche Forschung ist wahrlich kein Luxus, welcher erst auf bessere Zeiten warten müßte. ....""Illllli"' Am 1. Oktober beginnt ein neues Quartal Wir bitten unsere Leser in ihrem eigenen Interesse, die Abonnements rechtzeitig zu erneuern ^Üliiiiillllllllllliiiiiillllflllllmiillllllllllli.lllflllllliiiiiilllflllllltiiiillldlllllliiiiilllflllfllliiiiilllllfllllliiimlllfllfflliiiiiillillllllliiiiiillldlfllliii iiii.iiiiif/fif/iiiiiiiiiif/firiiiiiuiiiiKfiiiitii.i