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Volk und Land · 1919-09-04 · Heft 36-37 (4.9.1919) · p. Seite 1145-1146

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 36-37 (4.9.1919)
Date
1919-09-04
Page
Seite 1145-1146 (sequence 17)
Language
German
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1145 VOLK UND LAND 1146 Wir haben a'so für das erste Einwanderungsjahr bei einer angenommenen geringsten Einwanderungsziffer von 20 000 mit der Errichtung von provisorischen Unterkünften für die ganze Zahl der Einwanderer und von etwas besseren Massenschnellbauten für etwa SO °/o von ihnen zu rechnen. Man kann schätzen, daß nur etwa 20 °/o der Einwanderung ,aus begüterten Elementen bestehen wird, die sich aut eigene Kosten (etwa zwischen 5 und 50 000 Francs liegend zu schätzen) ihre Häuser werden errichten können. Die Baukosten für die provisorischen und Massen-Schnellbauten, die für eine derartige Einwanderung oben bereits auf S—12 Millionen Mark für das erste Jahr geschätzt wurden, werden aus öffentlichen Mitteln bestritten werden müssen, deren Verzinsung, und teilweise wohl auch Amortisierung, aus dem Verdienst der Einwanderer, der, wie oben erwähnt, zum allergrößten Teil vorerst aus der Anteilnahme an öffentlichen Arbeiten sich ergeben wird, zu entnehmen ist. Derjenige Teil der mittellosen Einwanderung, der also vorerst mit der Errichtung von Unterkünften wird beschäftigt werden können (nach roher Schätzung, bei der 300 Arbeitstage eines Arbeiters für jede Unterkunft angesetzt sind, werden a'so ungefähr 5000 Arbeiter ein Jahr lang mit Bauarbeiten für 20 000 Einwanderer beschäftigt sein müssen)*) muß für seine Arbeit am Bau der eigenen Behausung aus öffentlichen Mitteln, direkt oder zweckmäßigerweise natürlich auf dem Umwege über die Baugesellschaft, Lohn empfangen, von dem ein Teil als Miete oder Amortisation der Gemeinschaft dann wieder zurückerstattet wird. Die Herstellung der provisorischen Bauten für Massenbeherbergung in den Haupleinwanderungs- und Verteilungspunkten des Landes wird, sehr schnell, ebenfalls auf Staatskosten zu erfolgen haben, um hier die private Spekulation auszuschalten und einer Aüswucherung der armen Einwanderer um ihr Letztes vorzubeugen. Ein *) Diese Zahl muß unbedingt zu hoch gegriffen sein. Wir kämen sonst zu dem Ergebnis, daß alle 20 000 Einwanderer, von denen ja evtl, nur ein Viertel gleich 5000 bauarbeitsfähige Männer sein werden, ein ganzes Jahr lang mit der Herstellung ihrer eigenen Behausungen zubringen müßten. Es ist aber sehr schwer, auch mit größter Vorsicht hier irgendwelche Zahlen zu nennen, wenn wir in der Hauptsache mit der Mitarbeit unserer jüdischen Einwanderung an ihren eigenen Bauten rechnen wollen, da wir die Geeignetheit und Leistungsfähigkeit der Juden für derartige Arbeiten auch nicht annähernd im voraus beurteilen können. Wir hatten Gelegenheit, hier im Juli 1919 die Herstellung eines kleinen einstöckigen, aber immerhin achträumigen Häuschens von 74 qm bebauter Fläche und 266 cbm umbauten Raumes zu verfolgen. Dieses wurde (ohne Keller, Umzäunung, Tür- und Fensterherstellung, jedochmit Herstellung der Zementdachziegel, einer 1,80 qm großen Abwässergrube und eines Brunnens) von einem gelernten Stukkateur und vier Bauhilfsarbeitern in den Tagen vom 1.—12. Juli, also in elf Arbeitstagen bezugsfertig hergestellt . Fenster und Türen alt gekauft. Das Häuschen war technisch ein wandsfrei errichtet und für Sommer- und Winteraufenthalt geeignet und kam dem Stukkateur, der, als wir ihn besuchten, noch am weiteren Ausbau arbeitete, jedoch bereits seit einer Woche darin wohnte, kochte und schlief, in dem augenblicklichen Zustande auf 5000 M. zu stehen bei einer durchschnittlich fünffachen Verteuerung sämtlicher Baumaterialien und Löhne gegenüber dem Friedenspreise. Diese Heimstätte war also in 55 Normalarbe.'tstagen errichtet worden bei einem Verhältnis der gelernten zu den ungelernten Arbeitern wie 1:4, welches wir auch für Palästina in Ansatz bringen wollen. Rechnen wir nun hinzu, daß durch besondere Ungeeignetheit unserer Arbeiter eine Verzögerung um das Doppelte bewirkt wird, so kommen wir immer nur auf eine Zahl von 110 Arbeitstagen für eine derartige Heimstätte. möglichst gering zu bemessendes Herbergsgeld wird auch hier eine Verzinsung des ange’egten Kapitals in mäßigen Grenzen ermöglichen. Man wird bei der Herstellung dieser provisorischen Massenunterkünfte sowohl aus Mangel an Bauzeit wie an Mitteln möglichst zu sparen suchen müssen. Die Unterkunft in diesen Räumen soll ja für jeden Einwanderer nicht länger als ein paar Tage, i n allerungünstigsten Falle Wochen, dauern, bis er seinen ersten Ansiediungs- oder Arbeitsplatz irgendwo im Lande zugewiesen erhalten kann. (Ueber die Beschaffung von Unterkunft an diesen „zweiten Punkten“ wird weiter unten ziu sprechen sein.) Man wird sich also mit den alleiprimitivsten Bauten {an den „ersten Punkten“ zu begnügen suchen müssen, und keinesfalls an die sofortige Errichtung so kostspieliger Anlagen wie es etwa die Auswanderungsanlagen der „Hapag“ in Kuxhaven sind, denken können, obwohl eine spätere Ausführung derartiger Anlagen möglich sein wird im Zusammenhänge mit dem Bau eines großen Haupthafens für das Land, etwa in Haifa. Schon auch aus dem Grunde, daß die in diesem1 Jahre für die erste Einwanderung zu errichtenden Empfangsbauten nur von sehr kurzer Lebensdauer werden sein Brauchen und können, wird man sich bei ihrer Herstellung auf das unumgänglichst notwendige zu beschmäken haben. Zu diesen raum-' ganglichen Notwendigkeiten für eine derartige Anlage gehören allerdings einigermaßen ausreichende hygienische Sicherungsvorkehrungen gegen die Einschleppung und Verbreitung von Seuchen, Ungeziefer und Krankheiten aller Art, sowie d e notwendigsten Maßnahmen für die Möglichkeit einer Massenverpflegung und der würdigen Kultaasübung durch die Einwanderer. Es liegen zwei Möglichkeiten für die Unterbringung vor: die Benutzung des von den alliierten Armeen evtl, zurückzulassenden Kriegsunterkunftsmateria’s (transportable Holzbaracken) für dessen Ankauf unseres Wissens von der zionistischen Organisation bereits Gelder zur Verfügung gestellt sind, oder die Neuerrichtung leichter Bauten aus Holz oder sonst einem leichten Baumaterial (Holzfachwerk mit Lehmausfachung, Gipsbauten o. a.). Wenn es sich ohne allzu wesentliche Erhöhung der Kosten durchführen ließe, so wäre auch für diese Bauten schon das System der Einzelunterbringung, wenigstens für die einwandernden Familien in abgetrennten Räumen durchzuführen (etwa in vielfach untergeteilten langen Hallenbauten) und nur im dringendsten Notfälle eine Massenunterbringung in großen gemei is ehaf dich en, Hallen vorzusehen. In der schnellen und zweckmäßigen Errichtung solcher Bauten ist ja während des Krieges eine sehr große Erfahrung gewonnen worden. Nach Angabe einer Hallenbaufirma wurden Normalbaracken von 300 qm Grundfläche durchschnittlich von 6 Mann in 14 Tagen aufgestellt, kosten in sehr guter Ausführung jetzt zirka« 19 000 Mark, im Frieden zirka 7000 Mark. Wenn man sich für den besprochenen Zweck nicht mit ganz rohen Bauten aus ungehobelten Brettern wird behelfen wollen, was wegen der damit verbundenen großen Verschmutzungs-, Ungeziefer- und Seuchengefahr sehr wenig Tätlich ist, so würde es vielleicht nicht unzweckmäßig sein, sich zu ihrer schnellen und sachgemäßen Errichtung eines ausländischen Barackenbauuntemehmens zu bedienen, welche jmancherlei sehr schöne, durchdachte und zweckmäßige Ausführungen für provisorische Massenunterbringung anbieten. Die englischen Firmen leisteten hierin infolge ihrer reichen kolonialen Erfahrungen auch schon vor dem Kriege vorzügliches. — Auf dem westlichen Kriegsschauplatz war es die Regel,

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