Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 36-37 (4.9.1919)
- Date
- 1919-09-04
- Page
- Seite 1143-1144 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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1143 VOLK UND LAND 1144 Anfangan der Einzelinitiative entzogen werden und durch die Baugesellschaft selbst in Angrifr genommen werden kann, laßt sich von hier ans und in diesem Stadium des Entwurfs natürlich auch noch nicht annähernd sagen, doch sollte es eine beherrschende Idee der Baugesellschaft sein, auch alle Gewerkenarbeit in eigenen Werkstätten ausführen zu lassen, um sich die günstigsten Hersteliungsbedingungen aut allen Gebieten des Bauwesens zu sichern; die Erstellung eines Bauwerkes vom Brechen des rohen Steines im Gebirge bis zu den Webereien an Fenstern, auf Möbeln und Fußböden vollkommen im Eigenbetriebe der Gesellschaft wäre das anzustrebende Ideal, welches gleichzeitig höchste Leistungsfähigkeit, größte Zweckmäßigkeit und Schönheit sowie äußerste Rentabilität des Betriebes gewährleistet. Sogar an die Beteiligung der Gesellschaft bei den notwendigen und geplanten großen Auffbrstungsunternehmungen ist ernstlich zu denken. Die hieraus sich ergebenden günstigen .geschäftlichen Folgen für das Unternehmen brauchen durchaus etwa nicht erst nach einem Menschena’ter erwartet zu werden, sondern es ist zu bedenken, daß w<ir unter einem teilweis tropischen Klima bauen werden, welches Anpflanzungen unter Ums landen in wenigen Jahren soweit entwickelt, wie anderswo in Jahrzehnten. Genaue Untersuchungen und Berechnungen, auch Erfahrungen hierüber in Bezug auf d:e einzelnen in Betracht kommenden Baumarien liegen reichlich vor und sind der Gesellschaft jederzeit zugänglich. Mittels des Schälverfahrens können sogar von v erhältnismäßig jungen Bäument ganz g.oße Flächen für Möbel- und Bauzwecke gewonnen werden. Ingenieurbauten Zu c). Planung, Veranschlagung, Leitung und Abrechnung von Bauten. Es handelt sich hier um das Haupttätigkeitsgebiet der Gesellschaft, nämlich um die Errichtung der Bauten. Um zuerst von den reinen Ingenieurbauten, die technischen Zwecken dienen (z. B. Verkehr, Gütererzeugung und Lagerung, Krafterzeugung, Be- und Entwässerung) zu sprechen, so ist nicht zu ersehen, daß sich bei ihnen in baulicher Beziehung ein wesentlicher Unterschied zwischen der Art und Weise, wie sie in der ganzen zivilisierten oder zu zivilisierenden Welt hergestellt werden, und der Art, wie wir s:e ausführen müssen, ergeben wird. Diejenigen erprobten technischen und wirtschaftlichen Grundnormen, die für derartige Bauten und Unternehmungen überall Giltigkeit haben, natürlich jedesmal modifiziert durch die besonderen Bedingungen der jeweiligen Aufgabe, werden auch hei uns zur Anwendung gelangen müssen. Es kann sich also in Bezug hierauf für die Gesellschaft nur um zweierlei* handeln: erstens sich auch tatsächlich mit einem ausreichenden Stabe von Technikern zu versehen, der mit diesen „erprobten technischen und wirtschaftlichen Grundnormen, die für derartige Bauten und Unternehmungen überall Giltigkeit haben“, durch Studium und möglichst große praktische Erfahrung hinreichend vertraut ist, um der Gesellschaft für die jedesmal modernste und zweckmäßigste, durchdachteste Anlage Gewähr zu leis len. Zweitens jedesmal die „besonderen Bedingungen ' der jeweiligen Aufgabe auf das sorgfältigste zu prüfen, bevor die Art ihrer Ausführung bestimmt, ja, über ihre Ausführung überhaupt endgültig beschlossen wird. Der Fehler des Schema'tisierens liegt bei derartigen Aufgaben oft nicht fern und doch liegt in ihm eine große Gefahr, da nur in der höchstmög- | liehen Anpassung an die jedesmal anders gegebenen | Bedingungen eine wirkliche vollendete Zweckmäßig- | kelt und damit Fföchstrcntabilität der Anlage ge- | wäftrleistet wird. | Diesen durchaus a’lgemeingültigen Grundsätzen Rechnung zu tragen, wird der Gesellschaft natürlich I in Palästina genau unter denselben Bedingungen möglich sein, wie sonstwo auf der Welt. Von zunächst in Betracht kommenden Ingenieurbauten seien erwähnt: Ausladevorrichtungen an den Landungsstellen, später Hafenbauten daselbst, Ausbau des während des Krieges teilweise schon erheblich erweiterten Eisenbahnnetzes, Ausbau und Instandsetzung der vorhandenen und Anlage neuer Kommunikationen, 'Fabriken und industrielle Anlagen für die verschiedenen zu erwartenden, in der Einleitung bereits näher bezeichneten Industrien, Speicher, Silos, Stauwerke oder ein großes Stauwerk für den größten Teil des Landes zur Erzeugung einer Bewässerung durch die aufgefangenen Stauwässer (wohl für Jahre hinaus eine der größten Ingenieurbauunternehmungen Palästinas), die Anlage von Wasserleitungen innerhalb der Städte und Siedlungen (Anfänge fast nur in Jaffa und Jerusalem vorhanden), Kanalisierung der Ortschaften, Errichtung einer elektrischen Fcrnkiaftzentrale für das ganze Land öder von einzelnen Elektrizitätswerken u. a. All diese Anlagen sind in nicht allzuferner Zeit zu erwarten und werden, wie Häfen, Stau- und Fernkraftwerk zium Tel' aus öffentlichen Mitteln, aut Rechnung der Gemeinschaft ausgeführt werden. Es wird sogar sehr damit gerechnet, daß man gerade in allererster Zeit an die Ausführung solcher großen öffentlichen Arbeiten mit den Geldern der aufzunehmenden Volksanleihe herangehen wird müssen, nicht nur, weil auf dem Vorhandensein dieser Anlagen der ganze Kolonfsationsplan sich aufbaut (Landwirtschaft auf der Bewässerungsanlage, Industrie auf der Krafterzcugungsanlage, beide auf dem Vorhandensein von ausreichenden Kommunikationen), sondern auch aus dem Grunde, weil diese öffentlichen Arbeiten den ersten großen Wellen der Einwanderung die sonst sofort sehr schwer zu beschaffende notwendigste Arbeits - und Verdienstmöglichkeit gewähren Werden. Vorher aber noch muß diese Einwanderung, soweit sie nur eben irgendwie dazu geeignet sich erweist, mit der Arbeit zur Herstellung der eigenen Unterkünfte beschäftigt werden. Und hier liegt der zweite Teil der Aufgabe der eigentlichen Bauausführungsgesellschaft: die Errichtung von Wohnbauten. W o h n b au ten Die Errichtung von Wohnbauten wird das Wohnbedürfnis der gesamten zu erwartenden Einwanderung befriedigen müssen, da ein Ueberschiuß von Unterkünften über den Bedarf der jetzigen Bevölkerung hinaus nicht vorhanden ist, sogar vor dem Kriege eher von einer chronischen Wohnungsnot in Palästina gesprochen werden konnte, da die damalige Bautätigkeit mit der ungefähr 3000 jährlich betragenden jüdischen Einwanderung nur knapp Schritt hielt. Es war vor dem KriegeT>ereits das Uebliche, daß für den Hausbesitzer aus der Miete sich eine jährliche 12prozentige Verzinsung der Baukosten ergab und inzwischen sind die Verhältnisse wie fast überall, so besonders auch in Palästina fast unerträgliche geworden. Nach einer neuen Londoner Information zahlt man zurzeit für ein schlechtes leeres Zimmer in Jaffa den gleichen Preis, wie für ein gut möbliertes in den besten Vierteln Londons.