Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 36-37 (4.9.1919)
- Date
- 1919-09-04
- Page
- Seite 1141-1142 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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1141 VOLK und LAND 1142 rung, die für die Kongo-Kolonie Kohlen braucht, hat sich mit der Gesellschaft in Verbindung gesetzt und will ihr, wenn die Nachprüfungen günstig sind, für den Kongo eine Konzession geben. Diese neue Kohle soll einen sehr guten Brennwert haben, auch völlig schwefelfrei sein.'4 Es wird dann in dem .Konsulatsbericht weher von der Papierfabrikation aus , diesem Pflanzenmaterial gesprochen, ferner von der j Fabrikation von Seilen und Stricken aus den Außen-! fasern der Pflanze. Der Bericht schließt mit dem für ' uns interessanten Hinweis: „endlich haben die Ver- ' suche auch die Möglichkeit gegeben, das Ssudit zu Holz, Brettern, Planken u. dgl. zu verarbeiten. \ Die Nutzbarmachung dieser Möglichkeit ist aber für j die nächste Zeit nicht vorgesehen.“ Der Name j stammt vom arabischen Ssud (Hindernis), mit dem; die den Oberlauf des Jordan in der Gegend des Hulehsees, ebenso wie die den Oberlauf des weißen Nil versperrenden großen Pflanzenbarren von den | Eingeborenen bezeichnet werden.; Lehm ■ Es sei bei der Behandlung der einzelnen palä-! stinensischen Baurohstoffe nicht versäumt, noch einj mai in aller Kürze auf die vorzügliche Verwendbar- | keit des Lehms als Bauamterial hinzuweisen. Nicht j nur als vorzüglicher, auch in der deutschen landi wirtschaftlichen Bauweise gern verwendeter Estrich, sondern auch als Wandmaterial ist er durch seine hervorstechende Eigenschaft schlechten Wärmeleitüngsvermögens vielen anderen Stoffen, wie besonders Bruchstein, überlegen. Seine Druckfestigkeit kann durch geeignete Maßnahmen, wie Verbindung mit Drahtgewebeeinlagen, festes Stampfen in Kästen und Einfügung von Betonelementen an den Ecken und Pfeilern wesentlich verstärkt werden (Lehmdrahtbauweise (des kg!, preuß. Baurates Paetz); die Wetterbeständigkeit der Lehmwand ist durch einen auf einen geeigneten Putzträger aufgebrachten 1 Kalk- oder Zementmörtelputz leicht vollkommen her-! zustellen. Die Herstellung von Lehmbauten ist überragend billig und einfach und sicher anderen Bauweisen auch schon aus wohn hygienischen Gründen überall da vorzuziehen, wo der Lehm in der Nähe erreichbar ist. Wir haben in Deutschland sehr schöne zweistöckige Villen in Lehmdrahtbau ausgeführt, welche sich seit vielen Jahren bestens bewährt haben und sehr gut aussehen. Augenblicklich gewinnt der Lehmdrahtbau in Deutschland durch die enorme Knappheit an Baustoffen, welche zu ihrer Erzeugung Kohle verbrauchen und durch die großen Transportschwicrigkeiten sprungweise an Beliebtheit, und es entstehen viele Ausführungen in dieser Bauweise. In allerletzter Zeit wenden sich ihr auch größere Kommunen, auch in der Umgebung Berlins zu, welche die Er- | richtung sehr ausgedehnter Baulichkeiten zur Unterbringung von Verwaltungen, Aemtem u. dgl. in dieser Bauweise vornehmen lassen, um so durch Freimachung von Privatgebäuden, die sie bisher belegt hatten, der Wohnungsnot einigermaßen zu steuern. Neuerdings ist,auch in einem Erlaß des Reichs- und Preußischen Staatskommissars für das WoTmunsgwesen vom 18. Juli 1919, betreffend die Baustoffwirtschaft, die Anwendung von Lehmstampfi bau (und von porösen Hohlsteinen) für aufgehende J Mauern „ganz besonders in Anregung gebracht.“ I Eine bereits ziemlich reiche Literatur gibt über die Einzelheiten der Lehmdrahtbauweise Aufschluß. So-! weit wir informiert sind, erscheint demnächst auch eine kleine Schrift des Architekten Dipl.-Ing. Michel, welche sich speziell mit der Frage der Anwendbarkeit der Lehmdrahtbauweise für Palästina befaßt und zu günstigen Ergebnissen gelangt. Der Lehm ist ein in vorderasiatischen und nordatrikanischen Bezirken von uraltersher gern und häufig verwendetes Baumittel, .auch in Form von lufttrockenen Lehmpatzen, aus denen die Juden die Vorratstädte Pithom und Ramses für den Pharao bereits errichtet haben. In Aegypten wurde auch sonnengetrockneter Nilschlamm in Brikettform häufig als Baustoff verwendet. Asphalt Als letztes palästinensisches Baumaterial sei noch kurz der am toten Meere und im äußersten Norden (bei Hasbeya) vorkommende A s p h a 11 erwähnt, der für Isolierungen, Deckungen und Pflasterungen in Betracht kommen könnte. Asbest Ein nicht palästinensisches, sondern in der Hauptsache in Sibirien, aber auch im nahen Cypern gewonnenes Material, das aber gerade in Palästina für Dachdeckungszwecke von äußerster Wichtigkeit werden kann, ist der Asbest. Dieser gibt mit Beimengung von Zement oder dgl. in etwa 30x30 cm große und 3 bis 5 mm dicke Tafeln gepreßt, ein ganz vorzügliches und infolge der großen Wärmeisolierungsfähigkeit des Asbestes vor den Wirkungen der Sonnenbestrahlung bestens schützendes Dachdeckungsmaterial, welches jetzt in großen Mengen in Europa unter der Marke Eternit u. a. hergestellt wird und besonders viel nach den Tropen exportiert wurde. Es hindert nichts, diese Fabrikation nach Palästina zu verlegen, welches einen ganz besonders dringenden und großen Bedarf hierfür entwickeln wird. Bearbeitungswerkstätten Als Bearbei tu ngs Werkstätten kommen fast alle Bauhandwerke in Betracht An der Spitze wird die Holzbearbeitung stehen (Zimmerei, Bautischlerei, Schreinerei, Kunsttischlerei, Stellmacherei, Böttcherei); an zweiter Stelle die Eisenbearbeitung in Grob- und Kunstschmiedewerkstätten, Montagewerkstätten für eiserne Bauikonstruktionen, Schlossereien, mechanischen und Maschinenbauwerkstätten (Aufzugs-, Heizungs-, Lüftungs-, Reinigungs-, Kühl- Eismaschinen usw., Maschinen für die Bauausführung, Krane, Winden, Aufzüge, Pumpen usw.). Von hervorragender und dringender Wichtigkeit ist im Holzbearbeitungsfache natürlich die Möbeltischlerei. Bei den augenblicklichen enormen Transportkosten wird es kaum einem noch so begüterten Einwanderer einfallen, sich se'ne Möbel mitzubringen, da deren Transport wahrscheinlich zurzeit mehr kosten würde als ihr Wert beträgt und diese sich außerdem augenblicklich in Europa sehr vorteilhaft verkaufen lassen. Es wird also fast ohne Ausnahme für die gesamte Einwanderung die Herstellung neuer Möbel erforderlich werden, und man kann sich die enormen Anforderungen, welche an die Möbeltischlerei in Palästina herantreten werden, hiernach leicht vorstellen. Können wir diese niaht befriedigen, so wird die unmittelbare Folge ein amerikanischer Massenimport von sch’echten, teuren und ungeeigneten Möbeln sein, den zu verhindern wir alles Interesse haben. Die Förderung einer einheimischen Möbelindustrie wird also von Anfang an mit aller Energie zu betreiben sein. Wie dies im besonderen gedacht ist, soll weiterhin beim Punkte „Typisierung“ gesagt werden. Es folgen Klempner-, Glaser-, Maler-, Stuckateur-, Rohrleger-, elektrische Installationswerkstätten, für welche Betriebe wir wohl zuirn Teil im Lande Ansätze vorfinden werden aber durchaus nicht in dem benötigten Stil und Umfang. Was hier von