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Volk und Land · 1919-09-04 · Heft 36-37 (4.9.1919) · p. Seite 1139-1140

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 36-37 (4.9.1919)
Date
1919-09-04
Page
Seite 1139-1140 (sequence 14)
Language
German
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1 139 VOLK UND LAND tchatt in Verbindung stellenden Stelle zu diesem Thema im Anschluß an eine bestimmte Bauaufgabe für Palästina im Jahre 1912 bereits einmal in einem Expose ausgeführt worden, daß sich über die Vor- und Nachteile eines jeden der im Lande vorkommenden Baustoffe schon aus dem Grunde nicht Prinzipielles sagen lasse, weil sich piit den von Fall zu Fall variierenden Bedingungen wie Findigkeit, Herstellungs- und Transportkosten, Arbeitslöhnen, Gelände, Klima und Temperaturen der Wert der einzelnen Materialien sehr wesentlich ändern kann. Grundsätzlich könne man daher nur sagen: Es ist das beste und billigste, jeweils erreichbare Material zu wählen. Dieser Standpunkt dürfte im ganzen auch heute und in naher Zukunft noch der grundsätzlich maßgebende bleiben, bis sich die Gewinnungs-, Fabrikations- und die Transportverhältnisse im Lande ganz gründlich geändert haben werden. Von Fabrikationen kommen nach der Zementfabrikation vor allem die Herstellung von Zementwaren (Steinen, Fliesen, Hohlblöcken, Röhren und j sonstigen Baukörpern), die Kalkbrennerei, die Kalksandfeteinfabrikation die von vielen Stellen für sehr aussichtsvoll für das Land gehalten wird (billige Grundstoffe, billige Maschinen, geringer Betriebsstoff verbrauch), sowie die Herstellung von Eisenbetonfabrikaten in Betracht. Zementwaren wurden auch früher schon vielfach hergestellt, jedoch zu zersplittert und in zu kleinem Maßstabe, um ausj reichend rentieren zu können. Der Baugeseilschaft j stehen auch hierfür Jandeserfahrene Fachleute zur Seite. i Sehr wichtig wäre die Inangriffnahme einer j Gipsindustrie, daGips, sowohl Estrichwie Stuckj gips, ein vorzügliches, leider auch hier noch nicht i überall nach Gebühr gewürdigtes iBauinittel darstellt, j das gerade für unsere besonderen Zwecke, zumal I auch für die schnelle Errichtung leichter Bauten | und für Innenwände und Fußböden ganz außer-! ordentlich in Betracht kommen könnte. Die Her- | Stellung von Gips aus dem Rohstoff ist sehr eini fach, desgleichen seine Verwendung. Auf Draht- I oder Holzgewebe, sowie auch ohne dasselbe mit Zusatz von etwas Zement, Asche, Leim Haaren oder Aehnlkhem gibt er vorzügliche billige, solide Wände, die für Bauten in Europa in größtem Umfänge verwendet werden. Es wäre eine der ersten Aufgaben der Gesellschaft, die Gipsvorkommen im Lande näher zu untersuchen und im Falle eines günstigen Ergebnisses die Ausbeute sofort einzuleiten. * Die Brennstoff-Frage Die Brennstoff rage für die Baumaterial^ fabrikation ist für das Land von gleicher Bedeutung wie die Transportmittelfrage. Auch hier ist nur durch ein großzügiges Unternehmertum Ersprießliches zu erzielen. Die in Betracht kommenden Möglichkeiten, soweit sie sich von hier aus übersehen lassen, sind ungefähr folgende: 1. Die organisierte Einfuhr von Kohle. Die Ermittlung der günstigsten Aus- und Einfuhrbedingungen ist von höchster Wichtigkeit nicht nur für das Baugewerbe, sondern für die ganze Industrie. Es steht also wohl zu erwarten, daß diese Angelegenheit von vornherein von einer größeren Interessentengemeinschaft, evtl, sogar vom Staate, etwa in Verbindung mit den Verkehrsuntemehmungen in die Hand genommen werden wird. Alle darauf zielenden Bestrebungen sind von der Baugeseilschaft natürlich im eigensten Interesse zu unterstützen. Es werden vorerst drei Möglichkeiten in Frage kommen: die Einfuhr direkt aus den Kohlener- 1140 zeugungsländern auf dem Seew ege, die Einfuhr aut dem See- oder Landwege (neue englische zweigleisige Eisenbahn) von Port Said, das einen riesigen Kohlcnumsdila&spküz für die Schiffahrt der ganzen Welt darstellt und wo stets ungeheure Vorräte lagerten (Seeweg Port Said — Jaffa 12 Stunden) oder, und das ist das wahrscheinlichste, Abzweigung eines Teiles des Port Saider Imports direkt nach Jaffa oder Liaifa;*) hier müßten, solange Hafenanlagen fehlen, unbedingt sofort Ausladevorrichtungen provisorischer Art wie schon an anderer Stelle in vorliegendem Expose erwähnt, geschaffen werden, da die jetzige primitive Art des Ausbootens die Kosten derartig erhöht, daß es Vorkommen konnte, daß ein schweres Einzelfrachtstüdk von Hamburg nach Ankerplatz Jaffa nicht mehr zu befördern kostete als der Preis für die Ausbootung und An-Land-Schafrung allein betrug. Solche Belastungen des Imports müssen natürlich durch geeignete technische Maßnahmen gleich von vornherein auf ein derartiges Minimum gebracht werden, daß es eine Konkurrenzfähigkeit der zu importierenden oder zu erzeugenden Baustoffe mit den billigen aber primitiven einheimischen Erzeugnissen nicht länger ausschließt. An die Erreichung dieses Zieles sind alle Kräfte zu wenden. 2. Außer der Kohle kommen als möglicherweise anzuwendende Betriebsstoffe die brennbaren Oefe und Holz in Betracht. Holz findet sich im Lande, wie erwähnt, nur erst in geringen Mengen und dürfte aller Schätzung nach als zu importierender Brennstoff der Kohle keinesfalls gewachsen sein. Anders liegt es dagegen mit Petroleum usw., das auch vor dem Kriege schon in einigem1 Umfange als Betriebsstoff für kleinere industrielle Unternehmungen eingeführt wurde. Hier kommt vor allem in Frage, daß Erdöle oder andere brennbare Oele höchstwahrscheinlich im Lande selbst zu finden sind, und ihre 'Ausbeute demnach die entstehende Industrie, wenigstens zu einem Teile, von der Einfuhr ausländischer Brennstoffe unabhängig machen könnte. Brauchbare Unterlagen liegen leider auch hierüber noch nicht vor, so daß auch hier wieder der Initiative einer großen Industriegesellschaft evtl, ein weites Gebiet offen steht. 3. Ganz ähnlich liegt es mit anderen Brennstoffen, deren Vorkommen im Lande bestätigt und deren industrielle Anwendbarkeit höchstwahrscheinlich, jedoch nach der ganzen Sachlage natürlich auch noch nicht mit der nötigen Zuverlässigkeit erprobt ist. Es handelt sich um die bituminösen Kalksteine der Jordansenke, die für spezielle Zwecke Verwendung finden könnten und um 'die Idee der Verwertung gewisser in Flußläufen und Seen massenhaft auftretenden Pflanzenarten, die geerntet, getrocknet und gepreßt ein vorzügliches Brennmaterial, das Ssudit, liefern, welche in Afrika mit großem Erfolge benutzt werden. Nach Trietsch, Emigration und Kolonisation, S. 130, berichtet das Deutsche Konsulat in Kairo hierüber: „Die Fabrik für die Briketts wird jetzt in Malakal am oberen weißen Nil errichtet, dies ist ein neuer Ort, der zum Sitze der Provinz „Oberer weißer Nil“ ausersehen ist. Die nun gewonnenen Briketts sind fester uno stärker gepreßt, als die früher hergestellten. Die Fabrik soll bald zu arbeiten beginnen. Es wird zunächst mit einer jährlichen Lieferung von 50 000 t gerechnet, alljährlich soll der Betrieb ausgedehnt werden. — Neuerdings stellt die Gesellschaft auch Kohlen aus diesem Ssudit her. Die belgische-Regie- *) Der Kohlefrächt England — P. Said betrug vor dem Kriege nur zirka 6—7 sh pro Tonne. Die Hedscha&- bahn bezog Kohle zu 20 Frcs. pro Tonne df Haifa.

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