Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 36-37 (4.9.1919)
- Date
- 1919-09-04
- Page
- Seite 1137-1138 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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VOLK UND LAND 1138 ,.^naft durch unverbindliche Beziehungnahme und Besprechungen mit den maßgebenden Faktoren der jüdischen Kolonisation der eine oder der andere Auftrag für die zu gründende Gesellschaft vorbereitet werden könnte. Eine geschickte Propaganda vom AugenblCke der Gründung an, durch Schriften und vor allem durch persönliche Fühlungnahme durch dazu geeignete Vertreter, müßte der neugegründeten Gesellschaft unter Hinweis auf die für die bauenden Körperschaften und Privatpersonen durch sie zu erzielenden Vorteile möglichst auch mit Hinweis auf einige unterdes schon für eigene Rechnung schnell hergestellte notwendige, gefällige und rentable Bauten im Lande, die ersten größeren Aufträge verschaffen. Nach Ausführung dieser wird sch aller Voraussicht nach eine weitere Propaganda in dieser Form erübrigen, da die ersten gelungenen Bauten selbst, für deren sorgfältigste, allersorgfältigste Vorbereitung und Ausführung, evtl, mit Hilfe erster europäischer Arbeitskräfte, vor allem Sorge getragen werden mußte ohne Rücksicht auf den unmittelbar zu erzielenden Gewinn (der evtl. Gewinnausfall wäre sozusagen aut Propagandakonto zu verbuchen), für die Erlangung weiterer und einträglicherer Aufträge das einzige und allerbeste Werbemittel bilden würden. Nirgends empfiehlt gute Ware so sehr sich selbst (durch die Größe der Objekte und die entsprechende Empfind ichkeit der Rückschläge bei minderwertiger Lieferung) als gerade im Baufach und im' Baugewerbe. Was nun die Gewinnung, Bearbeitung und Verteilung von Baustoffen im Lande, sowie die geplante Errichtung von Baumaterialfabriken und Bearbeitungswerkstätten betrifft, so ist dies ein Thema, über das nur auf Grund sehr eingehender Untersuchungen und Vorbereitungen im Lande selbst sich wirklich Ersprießliches wird sagen lassen. Wir können nur negativ fesistellen, daß bisher in dieser Richtung, auch was vorbereitende Arbeiten, zum Beispiel Untersuchungen über das Vorkommen und die Verwendbarkeit der vorhandenen Rohstoffe, anbetrifft, bisher nichts oder nichts erwähnenswertes geleistet worden ist, auch auf die:em Betriebsgebiete also der Ini iative noch alles überlassen ist. Sowohl in Dr. Arthur Ruppins grundlegendem Buche über „Das Wirtschaftsieten in Syrien“ als in Davis Trietschs geschätzten Palästinahandbüchern und in seinem Werke „Emigration und Kolonisation“ finden sich wohl einige spärliche Bemerkungen und Hinweisungen auf dieses Gebiet, doch ist auch ihnen vdn gründlichen Untersuchungen über das für uns so wichtige Thema nichts bekannt. Die im Lande vor komm enden widrigeren Baustoffe sind, wie schon an anderer Stelle erwähnt, Kalkstein, Ton, Sand, Asphalt, Gips und Lehm. Eisen fehlt ganz, soweit unsere bisherigen Kenntnisse reichen, Holz ist nur noch oder auch zum Teil nur erst in geringen, für den großen Baumarkt wenig in Betracht kommenden Mengen vorhanden. Die industriellen Möglichkeiten sind ja bei Jedem der einzelnen Baustoffe im allgemeinen sehr verschieden und mannigfaltig; es hätte keinen großen Zweck, sie hier für jeden einzeln ausführlich darzulegen, dazu sind die in Betracht kommenden Verhältnisse noch viel zu wenig geklärt. Als wichtigstes erscheint, eben nach ganz allgemeinen Erwägungen, die Errichtung einer leistungsfähigen, rentablen, modernen Port'andzementfabrik. Der Gesellschaft wird es möglich sein, in wenigen Wochen die hierauf bezüglichen materiellen Unterlagen im Lande zu gewinnen. Die Vorverhandlungen mit europäischen oder amerikanischen Zementfcbnkhaufi'rmen können, unabhängig von den Untersuchungen, schon vorher begonnen werden, um nach einem e\ entuellen positiven Ergebnis derse'ben sofort an die Lieferung der Maschinen, Baumaterialien usw. für die Fabrik herangehen zu können. Bis zum Beginn der Eigenproduktion wird man natürlich auf den Import von Zement, ebenso wie von Eisen und Holz, angewiesen sein. Die in den „Grundsätzen“ vorgesehene Organisation durch Vertreter der Gesellschaft überall im Auslände soll es ermöglichen, diese Einkäufe stets unter den günstigsten Bedingungen vorzunehmen. Diese über die ganze jüdische Welt verbreitete Organisation von Vertretungen ist vorbereitet durch Filialges'ellschaften der Zentrale, welche in den wichtigsten Konzentrationspunkten jüdischen Lebens (London, New York, Berlin, Prag, Wien, Lemberg, Warschau, Kowno, Odessa) begründet sind oder werden. Diese Fiüalgesellschaften dienen vorläufig der Propaganda, der Aufbringung von Kapitalien, spezialisierten Vorarbeiten aller Art und der landsmannschaft iehen Ei mittelung und Zusammenfassing derer, welche für sich Baulichkeiten zum Wohnen oder industrielle oder landwirtschaftliche bauliche Anlagen vorbereiten lassen wollen. Durch diese Landesfilialen gewinnt die Baugesellschaft schon \or d:r Aufnahme ihres Betriebes in Palästina überall einen ausgedehnten Kreis von Interessenten und Auftraggebern und knüpft in allen Ländern geschäftliche Beziehungen an, welche ihr später von außerordentlichem Nutzen werden sein können. Wir werden durch diese Vertreterorganisation. in der Lage sein, über die Lage und Preise des in Betracht kommenden internationalen Baumaterialmarktes sowie auch über vorkommende besondere ausnahmsweise günstige Einkaufsge’egenheilen auf dem Laufenden zu bleiben, und sie entsprechend zu benutzen. Die Vertretungen sollen außerdem auch noch den Zwecken der Propaganda der Gesellschaft in den Aiuswanderungsländem dienen. Nicht allzuselten sind auch die Fälle, in denen wohlhabendere Juden sich bereits vor ihrer definitiven Uebersiediung Wohnstätten in Palästina errichten lassen wollen. Hunderte derartiger Anfragen liegen der Gesellschaft bereits vor. Diese würden dann mit uns1 durch unsere Aus’andsvertreter unterhandeln. Ebenso die ausländischen Kolonisationsgesellschaiten und kleinere Gruppen von gemeinschaftlich Aus wandernden. Um weiter von der Baustoffgewinnung und Herstellung im Lande zu sprechen, so ist die höchst rückständige und unrentable heutige Form der Bruchsteingewinnung z. B. unter a) bzreits erwähnt. Es wäre hier Sache der Gesellschaft, durch Zuhilfenahme von Maschinen^ Feld- oder K’einbahnen und anderen modernen Hillsmitteln die Gewinnung, den Abbau sowohl wie den ersten Transport, dieses vorerst für das Land so überaus wichtigen Baumitte’s aut eine ganz andere Basis zu stellen. Hier sowohl wie bei der Gewinnung der fast ebenso wichtigen Baustoffe Sand und Lehm kommt bei der Einfachheit des Abbaues tatsächlich fast nur die möglichst rentable Organisierung des Transportes in Frage. Ob Pferde-, Lastkraftwagen-, Seilbahn¬ oder Feldbahnbetrieb das Gegebene ist, wäre von Fall zu Fall zu untersuchen. Prinzipiell kann nur gesagt werden, daß die Transporte so sehr wie möglich abgekürzt, im idealen Falle ganz vermieden weiten sollten, um die „tote Arbeit“ auf ein Minimalquantum herabzusetzen. Es wird in diesem Sinne das Bestreben der Baugesellschaft sein müssen, jeweils mit dem der Baustelle nächstliegenden Baustoffen zu' arbeiten, soweit dies die Art der Bauaufgabe gestattet. Es ist von einer mit der Gesell-