Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 36-37 (4.9.1919)
- Date
- 1919-09-04
- Page
- Seite 1135-1136 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1135 1136 VOLK UND LAND dänischer und christlicher Arbeiter. Der Umsatz eines Bauunternehmers hängt von der Zahl seiner Gesellen ab. Ein Bauunternehmer, der einen Gehilfen hat; ist imstande, 20—30 qm Wand pro Tag zu bearbeiten. Die ökonomische Lage der Bauunternehmer ist keine günstige, da während des Krieges Bauarbeiten nicht ausgeführt werden konnten. Eine größere Anzahl von Bauunternehmern, die früher nicht selbst gearbeitet hatten, wurden nun gezwungen, selbst zu arbeiten, da sie größtenteils Familienväter, und nicht in der Lage sind, aut die kommenden Bauunternehmungen zu warten. Die Arbeitslöhne sind folgende: Vor dem Kriege erhielt der Arbeiter für jeden Quadratmeter Wand, einschließlich Klopfen der Steine für die Wände, sowie Bekalkung bis 4 Fres. pro Tag. Jetzt werden für den Quadratmeter bei dünnen Balkenwänden 4 sh., bei dicken Balkenwänden 5 sh’., bei Doppel wänden 6 sh. pro Tag bezahlt. Der jüdische Geselle, der vor dem Kriege 3;50—4 Fres. pro Tag verdiente, erhält jetzt 8 sh. pro Tag, die Steinlanger, Kalksieder und Lehmarbeiter, welche vor dem Kriege 1,10—2,75 Fres. verdienten, erhalten jetzt 5 sh. pro Tag. Die Arbeitslöhne für die arabischen Arbeiter betrugen: für den Bauunternehmer vor dem Kriege 20—30 Piaster (4—6 M.) pro Tag, für den Arbeiter 5—10 Piaster (1—2 M.) pro Tag. Jetzt herrscht auch im Baugewerbe eine große Arbeitslosigkeit. Der Arbeitslohn ist daher auch seflr gering. In Jaffa werden nur einige Häuser gebaut. Baumaterial, namentlich Zement, Holz und Eisen, das früher aus Europa importiert wurde, ist schwer erhältlich. Man erwartet hier für die nächste Zukunft einen ungeheuren Afufschwung des Baugewerbes/' Die Vergebung sowohl wie die Ausführung der Bauten spielte sich im allgemeinen in sehr primitiven und nicht einmal immer geschäftsmäßigen Formen (durch den Einfluß der Wohltätigkeitsgesellschaften, Schützlingswesen usw.) ab. Alles wurde verzettelt, in kleinste Lose, Leistungen, Lieferungen gespalten, sodaß von einem auch nur einigermaßen rentablen Bauen kaum die Rede sein konnte. Auch die Technik war derart rückständig, daß die Herstellung eines wirklich regenundurchlässigen flachen Daches als fast unüberwindliche Schwierigkeit bisher betrachtet wurde, bei vielen Bauten-trotz verhältnismäßig hoher Kosten der Anlage Standfestigkeit und Dauer höchst mangelhaft waren. Kostspielige und zeitraubende technische Aenderungen während der Bauzeit (nachträgliches! Untermauern der vergessenen Fundamente), kamen vor. Die Baudauer und die Kosten für Arbeitslöhne waren unnötig groß durch das Fehlen der notwendigen Zahl und die geringe Routine der vorhandenen Bauarbeiter und Handwerker, welche vollständig Herren der Lage waren und ihre Arbeitszeit und Leistung nach persönlichem Belieben regulierten. Auch der Materialbezug ^var ebensowenig einheitlich geregelt oder organisiert. Die Gewinnung selbst des bisher wichtigsten Baumaterials, des Kalkbruchsteins, geschah in primitivster Weise. Die hierbei beschäftigten Araber verwandten Kinderarbeit zur Verbilligung der Gewinnung. Die Kinder konnte man oft ihre Eselchen, denen immer je 2 Steine über den Rücken gehängt waren, antreiben sehen. Wessen Esel besser galoppierte, dessen Unternehmen war das bestrentierendste. — Zum Teil war diese so wichtige Materialgewinnung auch der steinbrecherischen Initiative eines mehr oder minder ungeschickten Juden überlassen, der jedesmal für 50 Pfennig Schwarzpulver in das „Unternehmen" hineinsteckte, wenn er eine „Sprengung" vornehmen wollte. Herr Ernst Herrmann aus Berlin, der in Haifa jahrelang eine Zementsteinhersiellung betrieben hat, konnte trotz dahin gerichteter Bemühungen nicht dahin gelangen, Zement h o h 1 steine herzustellen, da dieses so wichtige moderne Bauelement schon nicht mehr konkurrenzfähig war gegen den Kalkbruchstein; selbst zu Gewänden, Stufen usw. wurde dem Naturstein oft vor Zementsteinen der Billigkeit wegen der Vorzug gegeben. Zement, Eisen und Dachziegel wurden importiert. Zement kostete 1914 frei Baustelle Merchawja 7,10 M. die 100 kg, Sand 12,80—14,40 M. der Kubikmeter, Steinschag 10,40 Mark der Kubikmeter, (Marseiller) Kermit-Dachfalzziegel 14,40—16,00 M. das Hundert, Jabis- (Kalkbruch-) Steine von etwa 35/20/20 cm 22,40 M. das Hundert (16,60 M. pro cbm), behauene desgl. 26,40 Mark das Hundert, Kalk 24 M. pro Tonne, Zement cit. syr. Hafen 40—70 Fres. pro Tonne. Durch gut organisierten Einkauf größerer Mengen, Anwendung besserer Gewinnungsmethoden im Lande selbst lassen sich natürlich ganz andere Bedingungen für die Materialbeschaffung erzielen, die mit den früheren nicht zu vergleichen sein werden. Eine der ersten Notwendigkeiten ist z. B. evtl, eine Schiffsladung ungehobelter 1-Zoll-Bretter, Kreuzhölzer, Nägel und Dachpappe zur Errichtung der notdürftigsten Baracken für Massenunterkünfte in den hauptsächlichsten Häfen und Verteilungspunkten für die zu erwartende Einwanderung. Schon zu ihrer Beschaffung würde die Kraft kaum eines der bisherigen Unternehmer ausreichen, sodaß diese also schon für eine solche allererste Aufgabe zur Kartellierung oder zum Anschluß an das neue Unternehmen quasi gezwungen wären, wenn sie nicht beiseite stehen wollen. Um so mehr für die gleichzeitig in Augrifr zu nehmende große Arbeit der massenweisen Herstellung ganz bi l'ger massiver Schnellbauten als Behausung für die Einwanderer 'für die ersten Jahre ihrer Ansiedlung. Rechnet man für das erste Jahr mit der geringstmöglichen Zahl von 5000 Hausern dieser Art (für 20 000 Menschen) und mit einem‘ Einheitsherstellungspreis von nur 2—3000 Fres. für jedes Harns, so ergibt dies allein eine Bausumme von 8—12 Millionen Mark, im Jahre, die auch auf alle bisher bestandenen Unternehmungen gleichmäßig verteilt, ihre Leistungsfähigkeit weit übersteigen würde. Der von uns erstrebte Zusammenschluß und Anschluß an das große Unternehmen muß daher mit zwingender Notwendigkeit erfolgen. Daß eines der bisher bestandenen durchaus nichtfachmännischen Kleinunternehmen von anderer Seite auch nur annähernd ausreichend finanziert werden sollte, ist bei der Rücksichtnahme des Kapita’s auf höchste Rentabilität, die bei einem so großen Unternehmen nur durch beste Organisation Und tüchtigste Fachleute erzielt und gesichert werden kann, fast ausgeschlossen. Sollten anderwärts1 im In- oder Auslande andere Unternehmungen ähnlichen Stils, wie die von uns geplante, ebenfalls im Entstehen begriffen sein, was ja nicht unmöglich wäre, so käme es vor allem darauf an, welches Unternehmen das erste am Platze und in Tätigkeit sein würde, und welches über die eschicktere fachmännische und' kaufmännische eitung verfügt; in jedem Falle wäre jedoch eine Fusionierung auch derartiger in Vorbereitung befindlicher oder s'chon arbeitender Unternehmungen unbedingt sofort zu erstreben und wohl durch Hinweis auf die dadurch zu erzielenden Vorteile unschwer zu erzielen. Zu b). Es wäre zu denken, daß bereits vor der endgültigen Konstituierung der Hauptgesell-