Mannheim
Compact Memory

Volk und Land · 1919-09-04 · Heft 36-37 (4.9.1919) · p. Seite 1131-1132

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 36-37 (4.9.1919)
Date
1919-09-04
Page
Seite 1131-1132 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2649276-2649277-2649305--0718-2650078
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1131 VOLK UND LAND 1132 Als Zweck der Gesellschaft ist die Vorbereitung und Ausführung von Bauten in Palästina und in den benachbarten Ländern im Statut festgesetzt. Im übrigen enthält es keinerlei von den normalen abweichende Bestimmungen. Solange die Ausreise noch nicht möglich ist, betreibt die Gesellschaft hier umfassende Vorarbeiten, Studien und Propaganda. Auch nimmt sie bereits Aufträge von hiesigen Auswauderungslustigen oder solchen, welche, ohne vorerst selbst auszuwandern, dort Baulichkeiten errichten lassen wollen, entgegen. Dies gibt, außer Einzelnen, auch besonders Auswanderer gruppen, Gesellschaften, die sich zur Gründung von Kolonien oder anderen Niederlassungen oder Unternehmungen gebildet haben sowie den Achusah-Gcsellschaften, die bisher entbehrte Möglichkeit, ihre eigenen Unterkünfte söwie sonstigen Bauten für Palästina vorzubereiten. Der Beginn des Betriebes in Palästina ist so gedacht, daß ein ausreichender Stab von hiesigen, besonders geeigneten und vorbereiteten Fachleuten und Landesexperten unmittelbar nach seinem Eintreffen im Lande die notwendigsten vorbereitenden wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Arbeiten, die Propaganda, die Organisierung des Einkaufs und schließlich die Bautätigkeit selbst in Angriff nimmt. Was an Materialien wird eingeführt werden müssen, wird sich nach Art und Lage der auszuführenden Bauten richten. Einfachere Bauten wurden bisher aus den im Lande vorhandenen Materialien: Kalkstein, Sandstein, Lehm, Gips, Ton, Sand, Asphalt errichtet. Für Bauten besserer Art ist die Einfuhr von Zement, Eisen, Holz und Materialien für die Be- und Entwässerung notwendig. Ganz zu' Anfang werden wohl auch fertige Baracken und Fenster und Türen noch bezogen werden müssen. Besonderes Augenmerk beabsichtigt die Gesellschaft bei einfacheren Bauten der Lehmdrahtbauweise des Baurates Paetz zuzuwenden, da ihr diese für die besonderen Verhältnisse des Landes und der Arbeitskräfte in Betracht zu kommen scheint. Schon nach kurzer Tätigkeit im Lande wird sich erkennen lassen, ob es für die Baugesellschaft zweckmäßig ist, sich eigene Baumaterialfabriken (Zement-, Ziegel-, Kalksandstein-, Zementwarenfabriken) und eigene Werkstätten für Holzbearbeitung, Installation, Schmiede und alle sonstigen Baubandwerke) zu schaffen. Soweit es sich von hieraus beurteilen läßt, erscheint nach Berücksichtigung der Rohmaterial- und der Bedarfsfrage die Errichtung von Zement- und Zementwarenfabriken, sowie von Holzbearbeitungs-Werkstätten dringend geboten. Ob sich die Notwendigkeit und Geeignetheit auch noch zu Sonstigen Nebenbetrieben ergeben wird, kann hier noch nicht gesagt werden, ist aber möglich. Der Geschäftsbetrieb wird umfassen: A. Ausführung von Bauten, die von Privaten oder Körperschaften in Auftrag gegeben werden gegen Pauschal- oder Einzelbezahlung, a) nach vom Auftraggeber gelieferten Entwürfen, b) nach Entwürfen der Architektur- oder Ingenieurabteilung der Palästina Baugesellschaft, die auf Grund der Angaben der Auftraggeber hergestellt werden. B. Ausführung von Teilarbeiten an Bauten für einzelne Handwerke (Maurer, Zimmerer usw.). C. Ausarbeitung von Entwürfen durch, die Architektur- und Ingenieur-Abteilung der Gesellschaft. D. Uebernahme von Submissionen, Bauleitungen und Abrechnungen von Bauten als Treuhänderin der Auftraggeber (C und D bei Ausführung der Bauten durch andere Firmen). Außer den Bauten für den eigenen Bedarf der Gesellschaft soll im allgemeinen nicht f ii r e i g e n e Rechnung der Gesellschaft gebaut werden. In Ausuahmefällen kann dies jedoch erforderlich werden, z. B. wenn für eine bestimmt zu erwartende Einwanderung Bauien dringend bereitgestellt werden müssen, für deren Errichtung Mittel zurzeit von anderer Seite nicht vorhanden sind, und in ähnlichen Fällen. Doch sollen Bodengeschäfte als solche im Hinblick auf die Notwendigkeit einer sozialen Bodenwirtschaft von der Gesellschaft nicht getätigt werden. Die Zentrale der Gesellschaft wird voraussichtlich an einem der Küstenplätze eingerichtet werden müssen. Bei, beginnender Entwickelung sind Zweigunternehmungen an den Punkten der Hauptbautätigkeit zu eröffnen. Eine ausgedehnte Vertreterorganisation in den Ländern der jüdischen Auswanderung sorgt für die ständige Fühlung der Gesellschaft mit Auswandererkreisen, sowie für die Materialeinkäufe im Aiuslande. Der weitere Ausbau der Gesellschaft, die Gründung von Tochterunternehmungen, die Teilnahme an Bestrebungen, die auf Zentralisierung des Bauwesens in Palästina gerichtet sind, bleiben späterer Zeit Vorbehalten. Die äußere Formgebung der Bauten soll vom Geiste guten Bauens eingegeben sein, d. h. den Bedingungen desl Materials, des Landes, der Bewohner bestens entsprechen. Ueber die rechtliche Form, die dem Unternehmen nach der beabsichtigten Ueberpflanzumg nach Palästina wird gegeben werden müssen, läßt sich hoch nichts Bestimmtes sagen, da wir nicht wissen, welche Rechtsvorschriften für das .Land in Geltung treten werden. Der vo r aus‘s i ch 11 i ch e Kapitalbed a r f der Gesellschaft ist auch noch nicht annähernd zu übersehen. Doch ist im Hinblick auf d:e große in Palästina sofort zu erwartende Bautätigkeit und auf die bedeutenden im Auslande bereits für industrielle und landwirtschaftliche Erschließungsarbeiten zur Verfügung gestellten Mittel unzweifelhaft Kapital in jeder Höhe nutzbringend im Baugewerbe anlegbar. Die Aussichten für die Zukunft scheinen uns ganz vorzüglich zu sein. T>ie Einwanderung wird aller Voraussicht nach von Jahr zu Jahr anwachsen, und wenn für die ersten Jahre mit einer Ziffer von einigen Zehntausenden jährlich gerechnet werden kann, so kann sich diese bei fortschreitender tandwirtschafltkher Erschließung und beginnender Industrialisierung leicht auf hunderttausend und mehr jährlich erhöhen. Wir glauben, daß die Bautätigkeit für Jahre und' evtl. Jahrzehnte hinaus Schwierigkeiten haben wird, mit der Größe der Einwanderung Schritt zu halten, da die Transport-, Material- und Arbeiterverhältnisse keine geringen Schwierigkeiten bieten werden. Keineswegs ist jedoch ein Beschättigungsmangel öder ein Ueber angeb o tarn B a u m a t k t e zu b e - f ü rch ten. - Zweck der Gesellschaft: Die Palästina-BaugeselJschaft bezweckt: 1. Die Herstellung und den Vertrieb sowie den Ein- und Verkauf von Baumitteln jeder Art, den Erwerb der hierzu nötigen Gelände, Betriebe, Maschinen, Materialien, sowie den Bau der zur Herstellung und zum Transport dieser Objekte dien-, liehen Einrichtungen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.